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Versteckte Gefahren beim Sparbuch

LINZ. Wann passiert, wenn ich mein Sparbuch verliere? Sind anonyme Sparbücher noch möglich? Wie bekomme ich höhere Zinsen? Dürfen Banken ein Sparbuch kündigen? Die OÖNachrichten und die Arbeiterkammer Oberösterreich geben Orientierung.

Sparbuch

Bild: Wodicka

Niedrigzinsen, Kündigung, Verlust: Das Sparbuch ist die sicherste und bedeutendste Sparform – Anleger müssen aber auch aufpassen. Was passiert, wenn ich mein Sparbuch verliere? Sind anonyme Sparbücher noch möglich? Wie bekomme ich höhere Zinsen? Die OÖNachrichten und die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) geben Orientierung. Weil Sicherheit vor Rendite geht, ist das Sparbuch immer noch die bedeutendste Veranlagung der Österreicher.

1. Die Sparbuchzinsen sind derzeit niedriger als die Inflation. Wie kann ich dieser negativen Realverzinsung entgehen?

Sie müssen das Geld für längere Zeit binden. Dann gibt es höhere Zinsen. Weil das Zinsniveau aber derart niedrig ist und das noch länger so sein dürfte, sind die Angebote für Kapitalsparbücher mit drei- oder fünfjähriger Laufzeit selten geworden. Bei manchen Banken gibt es Produkte, bei denen die Zinsen im Lauf der Zeit steigen. Für täglich fällige Einlagen gibt es so gut wie gar nichts. Wenn Sie Ihren Berater gut kennen und eine längere und intensive Beziehung zur Bank haben, können Sie aber auf dem Verhandlungsweg etwas erreichen.

2. Ich habe vor acht Jahren ein Sparbuch mit Laufzeit bis Ende 2014 abgeschlossen. Im Mai hat die Bank den Vertrag gekündigt und die Zinsen, die über die Jahre auf 3,375 Prozent gestiegen sind, auf 0,125 Prozent gesenkt. Darf sie das?

Nein. "Einseitige Vertragsänderungen bei Sparbüchern mit Laufzeiten sind nicht zulässig", sagt die AK-Konsumentenschützerin Waltraud Bouzek. Zuletzt sei das häufiger bei Sparbüchern vorgekommen, die noch in der Hochzinsphase abgeschlossen worden waren und die Banken nun belasteten. Auch wenn sich das Institut in den speziellen Sparbedingungen ein Kündigungsrecht festgeschrieben habe, sei das nicht zulässig. Was die Bank natürlich darf, ist, den Zins bei täglich fälligen Einlagen und bei variabler Verzinsung anzupassen.

3. Wie sicher ist das Geld auf dem Sparbuch?

Es ist immer noch die sicherste Sparform. Die staatliche Einlagensicherung für Guthaben auf Sparbüchern und Konten beträgt in der EU einheitlich 100.000 Euro pro Person und Bank. Sollte ein Institut pleitegehen, stellt der Kunde seine Forderung an die Einlagensicherungseinrichtung. Binnen 30 Tagen wird ausgezahlt. Vorausgesetzt, nicht wesentliche Teile des Banken- und Staatssystem kollabieren auf einmal.

4. Ich finde mein Sparbuch nicht mehr? Was muss ich tun?

Sie sollten sofort Ihre Bank verständigen. Diese sperrt dann das Sparbuch. Dafür müssen Sie sich legitimieren und wesentliche Merkmale des Sparbuchs (Nummer, Bezeichnung, Losungswort, Saldo) nennen können. "Dann haben Sie vier Wochen Zeit, das Sparbuch zu finden", sagt Bouzek. Schaffen Sie das nicht, wird es für kraftlos erklärt. Das dauert sechs Monate. Während dieser Zeit können Sie weder einzahlen noch abheben. Danach bekommen Sie ein neues Sparbuch.

5.Was passiert, wenn ich keine Daten zu meinem Sparbuch nennen kann?

Sollten Sie weder Nummer noch Losungswort oder andere Merkmale kennen, ist das Geld weg. Es gehört nach einer 30-jährigen Verjährungsfrist der Bank. Hier empfiehlt sich wiederum, einen guten Kontakt zu seiner Bank zu pflegen. Denn dann kann man diesem Szenario eventuell entgehen.

6.Ich habe ein altes Sparbuch der Großmutter gefunden. Muss die Bank das Geld auszahlen?

Die Verjährungsfrist beträgt 30 Jahre nach der letzten Sparbucheintragung. Bei längeren Zeiträumen muss die Bank nicht mehr auszahlen, kann es aus Kulanzgründen aber tun.

7. Ich will nicht, dass mein Sparbuch auf meinen Namen lautet. Ist die Eröffnung eines anonymen Sparbuches noch möglich?

Sie können ein Sparbuch mit einer Phantasiebezeichnung eröffnen. "Bei der Eröffnung müssen Sie sich legitimieren", sagt Bouzek. Solange das Sparguthaben weniger als 15.000 Euro beträgt, ist die Weitergabe des Buches und eine Behebung durch eine andere Person durch die Nennung des Losungswortes möglich. Von Sparguthaben mit über 15.000 Euro kann nur der legitimierte Sparer abheben. Ein Losungswort muss hier nicht mehr vereinbart werden.

8. Was hat sich hier zu früher geändert?

Seit dem Jahr 2000 gibt es keine völlig anonymen Sparbücher mehr, ohne Legitimierung und Losungswort. Das hat dazu geführt, dass Geldwäsche besser verfolgt werden kann. Die Maßnahmen tragen auch dazu bei, dass die Sicherheit für den Kunden steigt (siehe Verlust oder Diebstahl des Sparbuchs).

9. Was ist der Unterschied zwischen Bindungsfrist und Laufzeiten?

Wenn man beispielsweise ein Sparbuch mit sechs Monaten Bindungsfrist vereinbart, heißt das, dass jede Einzahlung sechs Monate gebunden ist. Wenn ich heute etwas einzahle, läuft die Bindung in sechs Monaten ab. Wenn ich in zwei Monaten etwas einzahle, läuft sie in acht Monaten ab. Bei Kapitalsparbüchern legt man einmalig Geld auf das Sparbuch. Für dieses Guthaben gilt die vereinbarte Laufzeit (beispielsweise drei Jahre).

10. Was passiert, wenn ich früher als vereinbart Geld abhebe?

Bei Sparbüchern mit Bindungsfrist müssen Sie Vorschusszinsen zahlen. "Sie betragen ein Promille pro Monat vom vorzeitig behobenen Betrag für die nicht eingehaltene Bindungsdauer", sagt Bouzek. Die Vorschuss- dürfen die Guthabenzinsen nicht übersteigen. Es kann aber sein, dass sie sie völlig aufheben. Bei Kapitalsparbüchern mit Laufzeiten fallen Sie um den höheren Zins für das gesamte Guthaben um, wenn Sie vorzeitig beheben. Auf wie viel der Zins herunterfällt, hängt davon ab, was vorher vereinbart wurde. Ein Thema sind auch die Gebühren, wenn man ein Sparbuch auflöst. Hier dürfen nur jene verrechnet werden, die vereinbart wurden (in der Regel ein paar Euro). Bei älteren Sparbüchern ohne Vereinbarung darf nichts verrechnet werden.

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Artikel Alexander Zens 11. Juli 2014 - 00:04 Uhr
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