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Sports Direct Österreich machte 2015/16 einen Verlust von 44 Millionen Euro

PASCHING. Bis Juni gibt es die Sport-Eybl-Filiale in der PlusCity noch – dann wird zugesperrt. 61 Handelsangestellte verlieren den Job. Wie verlustreich das Österreich-Engagement von Sports Direct Österreich bisher war, zeigt die am Dienstag veröffentlichte Bilanz: 2015/16 gab es einen Verlust von 44 Millionen Euro.

 Letzte Sport Eybl Filiale Bild: foto: VOLKER WEIHBOLD

Seit 2013 gehört Sport Eybl zur britischen Sporthandelskette Sports Direct International (SDI). Und alle mehr als 40 Filialen wurden umbenannt – bis auf jene in der PlusCity. Dort war man vertraglich gebunden. Sie galt einst als Vorzeigefiliale der Sport Eybl/Sport Experts-Gruppe: Die über drei Etagen angelegte Großfiliale in der PlusCity in Pasching. Legendär ist vor allem die Schuh- und Kletterwand. 

Bei Umbenennung hätte der Chef der PlusCity, Ernst Kirchmayr, eine Handhabe gehabt, den ungeliebten Sportdiskonter aus dem Einkaufstempel zu komplimentieren. Denn der Wechsel des Geschäftsmodells weg von Marken und Beratung hin zu Diskont passe nicht zum „First Class Shopping“, mit dem die PlusCity wirbt. Mit dem Ausbau im Vorjahr hat Kirchmayr auf die Politik der kleinen Nadelstiche gesetzt: Eine große Intersport-Filiale und Marken-Stores wie Mammut und Jack Wolfskin haben der SDI-Tochter zusätzlich das Wasser abgegraben.
Jetzt kommt Europas am schnellsten wachsender Sportfachhändler nach Oberösterreich: die norwegische XXL Sports & Outdoor. 

Der aktuelle Eigentümer Sports Direct hat Ende vergangener Woche die 61 Mitarbeiter in der Filiale davon informiert, dass Ende Juni zugesperrt wird. Das bestätigt Andreas Stangl, Geschäftsführer der GPA/djp in Oberösterreich den OÖNachrichten. Er fordert einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter. „Die Belegschaft kommt sonst nicht zu ihrem Recht.“

Kündigungen stehen bevor

Die Frühwarnung an das Arbeitsmarktservice, dass es zu den Kündigungen kommen wird, werde gerade vorbereitet, ist zu hören. Die Unternehmenssprecherin von Sports Direct in Österreich sagte, dass es von Unternehmensseite keine Stellungnahme gebe.

Sonja Kowaleinen, die die Handelsangestellten für die Gewerkschaft betreut, sagt, einige Mitarbeiter seien von der im Jänner 2016 zugesperrten Sport-Experts-Filiale in Haid nach Pasching gewechselt. Sie sind nun zum zweiten Mal dabei, wenn „ihre“ Filiale zum letzten Mal den Rollbalken runterlässt.

Für Arbeitnehmer in geschützten Dienstverhältnissen (zum Beispiel im Mutterschutz) werde es das Angebot geben, in anderen Filialen unterzukommen. Der Großteil wird seine Arbeitsstelle verlieren. „Wir wissen noch nichts über den Zeitplan, ob über den 30. Juni hinaus noch Personal zum Räumen der Filiale benötigt wird“, sagt Kowaleinen.

Stangl fordert auch Ersatzarbeitsplätze für die älteren Mitarbeiter. Etwa eine Handvoll aus der Crew in der PlusCity ist schon lange dabei, für Ältere ist es erfahrungsgemäß schwierig, eine neue Beschäftigung zu finden.
Allerdings wird auch der neue Mieter Fachleute brauchen: Der norwegische Sportfachhändler XXL Sports & Outdoor wird die Großfläche übernehmen, teilte die PlusCity gestern Abend mit. Gestern wurden die letzten Details fixiert. Die Skandinavier haben ihren Markteintritt in Österreich im Vorjahr angekündigt. Für die ersten beiden Filialen in Wien, die im Herbst aufsperren, wird bereits Personal gesucht.

Die bisherige Sport-Eybl-Filiale wird offenbar massiv umgebaut, der Flagshipstore wird erst im Frühjahr 2018 eröffnet. PlusCity-Chef Ernst Kirchmayr: „Wir verstärken unsere Sportkompetenz.“

Das unrühmliche Ende eines Familienunternehmens

  • 2013 - Übernahme: Nach zwei schwierigen Jahren suchte die Eigentümerfamilie von Sport Eybl/Experts einen Käufer für ihre Kette und fand ihn in der britischen SDI. Später stellte sich heraus, dass die Gruppe zum Verkaufszeitpunkt fast pleite war.
  • 51 Prozent übernehmen die Briten auf den ersten Schlag, ein Jahr später zieht sich die Welser Gründerfamilie völlig zurück.
  • 45 Millionen Euro Verlust machte Sportsdirect Austria im ersten vollen Geschäftsjahr 2014/15 bei 189 Millionen Umsatz.

 

Sports Direct Österreich machte 2015/16 einen Verlust von über 44. Mio Euro

Die Übernahme des Sporthändlers Sport Eybl/Sports Experts im Jahr 2013 wird für den britischen Diskonter Sports Direct immer mehr zu einem finanziellen Debakel: Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2015/16 um 27 Prozent auf 138,5 Millionen Euro ein, der Verlust lag bei 44,4 Millionen Euro, geht aus dem kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss hervor. Der Bilanzverlust summierte sich bisher auf 126 Millionen Euro.

Das negative Eigenkapital lag zum Bilanzstichtag Ende April 2016 bei 117,9 Millionen Euro, heißt es im Jahresabschluss 2015/16, welcher der APA vorliegt. Die Personalkosten beliefen sich für 1.884 Mitarbeiter auf 52,4 Millionen Euro, nach 60 Millionen Euro im Jahr davor. Unter den alten Eigentümern lag der Personalstand bei 2.161 Beschäftigten im Jahr 2012.

Geschäftsführung geht trotz Verlusten vom Fortbestand aus

Die Geschäftsführung von Sportsdirect.com Austria geht trotz Millionenverlusten vom Fortbestand des Unternehmens aus. Die Österreich-Tochter kann derzeit noch auf die finanzielle Unterstützung ihrer britischen Mutter zählen. "Der Gesellschafter hat mit der Erklärung (comfort letter) vom 21. März 2017 sowohl weitere Verbindlichkeiten nachrangig gestellt, als auch wesentliche Finanzierungsgarantien abgegeben, die die Geschäftsführung davon ausgehen lassen, dass der Fortbestand bis auf weiteres gesichert ist", schreibt die Österreich-Tochter in ihrem Geschäftsbericht. Zudem wird von der Mutter bestätigt, "dass derzeit beabsichtigt ist, die Unterstützung der Sportsdirect.com Austria GmbH über den 30. April 2018 hinaus aufrecht zu erhalten".

Der Markteintritt in Österreich verlief für den britischen Sporthändler bisher schwieriger als erwartet. Sport Eybl war bis zum Verkauf als Premium-Sporthändler unterwegs, im Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz von Sport Eybl/Sports Experts noch bei knapp 338 Millionen Euro, seitdem geht es umsatzmäßig bergab. Das Billigkonzept von Sports Direct ist bei den Österreichern bisher nicht besonders gut angekommen, der britische Sporthändler ortet aber andere Gründe: "Das Geschäftsjahr 2015/16 war von der Umstellung der Sortimente in den ehemaligen Eybl Megastores auf das Sports Direct Konzept und einem witterungsbedingten schwachen Weihnachtsgeschäfts geprägt", heißt es im Geschäftsbericht. Außerdem sei die Umsatzentwicklung im Geschäftsjahr 2015/16 "teilweise auch verursacht durch die negative Medienberichterstattung".

Anzahl der Standorte in Österreich reduziert

Sports Direct reduzierte im vergangenen Geschäftsjahr die Anzahl der Standorte in Österreich um fünf auf 41, drei Filialen in Deutschland werden auch aus Österreich gesteuert. 

International ist der britische Sporthändler erfolgreich, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 machte der Konzern fast 330 Millionen Euro Gewinn. Branchenexperten erwarten jedoch, dass Sports Direct in Österreich weiter schrumpfen wird. Viel mehr als 20 Standorte dürften letztlich nicht übrig bleiben. Auch wenn viele neue Player kommen, wächst der Sportartikel-Markt nicht, sondern verteilt sich nur. Seit gut zehn Jahren setzt die Branche 1,7 Mrd. Euro im Jahr um. Gemeinsam mit Gigasport ist Sport 2000 mit einem Marktanteil von 30 Prozent die Nummer 1 im heimischen Sportfachhandel. Dahinter folgen Intersport (25 Prozent), die Spar-Tochter Hervis (rund 20 Prozent) und Sports Direct (13 bis 15 Prozent). Den Rest teilen sich freie Fachhändler.

Die Wirtschaftsprüfer Grant Thornton Unitreu haben den Jahresabschluss 2015/16 von Sport Direct Austria geprüft und eine hinweisende Ergänzung dem Bestätigungsvermerk beigefügt: "Ohne unseren Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir auf die Angaben der Geschäftsführung zum negativen Eigenkapital im Anhang (Anlage 3/4) hin, die angibt, dass eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrecht nicht vorliegt und die Geschäftsführung vom Fortbestand des Unternehmens ausgeht", schreiben die Wirtschaftsprüfer.

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Artikel Sigrid Brandstätter 10. April 2017 - 19:03 Uhr
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