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Schweinebauern fassen mit Preisaufschwung neuen Mut

LINZ. Griller und Chinesen beleben Nachfrage – Ärger wegen Tierschutz.

Schweinebauern fassen mit Preisaufschwung neuen Mut

Markus Brandmayr aus Eberstalzell mit seinen Ferkeln: Der frühere Bankkaufmann ist Bauer mit Leib und Seele. Bild: Weihbold

"Sind die Griller heiß, steigt der Schweinepreis!" Diesen alten Spruch der Fleischbranche gebraucht Johann Schlederer, Geschäftsführer der Schweinebörse, heuer besonders gerne. Der Start der Grillsaison hat die Schweinebauern aus einem der längsten und schmerzhaftesten Preistäler geführt. Seit April ist der Basispreis für die Bauern konsequent gestiegen, von 1,15 Euro Basispreis pro Kilo Schlachtgewicht auf durchaus saisonübliche 1,39.

"Die Katastrophe ist vorerst abgewendet, die Krise aber nicht vorbei", warnt Schlederer vor Euphorie. Diese Woche rechnet er wieder mit leicht gedämpfter Nachfrage und ein paar Cent Preiseinbuße. Den Umschwung habe letztlich nicht die Grillsaison gebracht. Nach dem boykottbedingten Wegfall des Russland-Marktes sauge nun endlich China die Übermengen aus der EU ab.

Die Wende kam gerade recht, denn die Schweinehalter drohten den Mut zu verlieren. Optimismus ist in dieser Sparte für unser Bundesland wichtig, denn es steht für fast 40 Prozent der österreichischen Schweineproduktion und eine Wertschöpfung von rund 300 Millionen Euro. Jeder Cent weniger Kilopreis bedeutet aufs Jahr gerechnet zwei Millionen Euro Einbuße. "Wir können nur hoffen, dass die Erholung am Mastschweinemarkt auch uns mitreißt", sagt Schweinezüchter Markus Brandmayr (36) aus Eberstalzell. Er führt einen von rund 1000 spezialisierten Ferkelbetrieben in Oberösterreich, mit 170 Zuchtsauen. 20 Euro Mindererlös pro Ferkel haben für ihn 2015 10.000 Euro Einbuße gebracht. "2015 war ganz schlecht. Das hat geschmerzt", sagt Brandmayr. Der ehemalige Bankangestellte hat den elterlichen Betrieb im Vollerwerb übernommen und es nie bereut. Es sei aber fordernd. Es brauche perfektes Stallmanagement. Fütterung, Lüftung, Haltung, das müsse optimal sein, um Tierverluste zu vermeiden. Deshalb sei ärgerlich, dass Tierschützer ständig neue Forderungen erheben.

Jahre nicht mehr investiert

Die Debatte um neue Haltungsvorschriften habe die ganze Sparte verunsichert, klagt Johann Stinglmayr vom VLV Ferkelring: "Die Betriebe haben deshalb drei bis vier Jahre nicht mehr investiert." Die leichte Preisverbesserung, die für Ferkel im Soge des Preisanstiegs bei Mastschweinen erzielt worden ist, sollte etwas Optimismus bringen. Sie werde aber nicht anhalten, weil im Sommer vom Produktionszyklus her weniger Ferkel nachgefragt werden. Er sei aber hoffnungsvoll für das Jahr 2017.

Lebensmittel als Chance

„Ich verstehe gut, dass die Stimmung in der Landwirtschaft am Boden ist“, sagt Franz Sinabell, der Agrarexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Die Lage sei vergleichbar mit jener zum EU-Beitritt 1995. „Die Perspektiven sind heute jedoch global sehr gut, weil immer mehr Menschen mehr Geld haben und hochwertige Lebensmittel nachfragen. Es kann aber niemand beantworten, wann sich diese Entwicklung in höheren Preisen niederschlagen wird.“

Sinabell ermuntert die Bauern, harte Produktionsauflagen in Österreich positiv zu sehen: „So können sie rot-weiß-rote Qualität verkaufen.“ Bei Milch zeige sich schon, Topqualität erziele gute Preise.

 

 

 

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Artikel Josef Lehner 09. Juni 2016 - 00:05 Uhr
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