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Neues Kapitel im Krimi um Plasser & Theurer

LINZ. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den Linzer Industrieriesen nun auch wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Etliche weitere Rechtssachen sind vor Gericht noch anhängig.

(Symbolbild) Bild: Plasser & Theurer

Alle Zutaten, die es zu einem spannenden Wirtschaftskrimi braucht, liefern die Vorgänge rund um das Linzer Industrie-Unternehmen Plasser & Theurer (PT) und die Konkurrenzfirma System 7 Rail Support (S7) bei Laakirchen. Vorwürfe der Wirtschaftsspionage, Patentstreitigkeiten und etliche anhängige Rechtsverfahren stehen im Raum. Hinter all dem stehen nicht nur handfeste Geschäftsinteressen, sondern auch persönliche Konflikte und Demütigungen.

Jetzt kommen auch noch Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den Chef des Familien-Clans und Mitgründer Josef Theurer dazu.Dabei ist diesem verschwiegenen und hochprofitablen Familienkonzern, der weltweit der einzige Komplettanbieter von Baumaschinen und Service für Eisenbahngleise ist, nichts unangenehmer, als in der Öffentlichkeit zu stehen. Für alle genannten Firmen und Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Nun zum Vorwurf der Steuerhinterziehung in großem Stil: Der heute 88-jährige, schwer kranke Firmen-Mitgründer Josef Theurer soll unüblich viel an Lizenzgebühren aus seinen Erfindungen steuerbegünstigt entnommen haben. Die Vorwürfe, die aus der Ecke von S7 kommen dürften, gehen von 23 bis 26 Millionen Euro an zu wenig abgeführter Körperschafts- und Kapitalertragssteuer aus. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien (WKStA) bestätigte gegenüber den OÖNachrichten diese Ermittlungen, und zwar im Umfang von "mehr als fünf Millionen Euro". Das ist die Grenze, ab der diese Behörde zuständig wird. "Diese Beschuldigungen sind falsch", entgegnet Plasser & Theurer auf Anfrage. Josef Theurer habe aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung für seine Erfindungen so genannte Diensterfindungsvergütungen erhalten und sie ordnungsgemäß versteuert. "Die Diensterfindungsvergütungen wurden mehrfach von der Finanz im Rahmen von Betriebsprüfungen strengstens überprüft und blieben stets unbeanstandet. Auch die Diensterfindungsvereinbarung war den Betriebsprüfern bekannt."

Ob und wann es zu einer Anklage kommt, ist offen. Auch diese gerichtliche Flanke ist offenbar Teil des größeren Konflikts mit System 7, der sich schon viele Jahre zieht.

Blick in die Geschichte

Doch wie kam es eigentlich zu den Streitereien zwischen dem Theurer-Familienzweig und dem Erben der Plasser-Linie, Hans-Jörg Holleis? Denn auf diesem Ur-Konflikt basiert im Prinzip die ganze weitere Geschichte. Die Gründung des Konkurrenzunternehmens S7 durch zwei Ex-Schlüsselmitarbeiter im Jahr 2013, an dem sich Holleis im Oktober 2015 mit 30 Prozent beteiligte, spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Theurer gegen Plasser-Erben

Wichtig ist noch ein Blick zu den Anfängen: Franz Plasser war bei Gründung des Unternehmens 1953 mit 80 Prozent und Josef Theurer mit 20 Prozent beteiligt. Plasser starb 1972, seine Frau Erna erbte. Dieses Anteilverhältnis drehte sich durch diverse Erbregelungen und Verkäufe, sodass 1988 die Familie Theurer 80 Prozent an der Holding hielt, Emilie Janu, die Schwester des Firmengründers Franz Plasser, nur noch 20 Prozent. Die Kinderlose adoptierte kurz vor ihrem Tod 2006 Hans-Jörg Holleis, der als Urenkel von Theresia Plasser, der Gattin des Bruders des Firmengründers, gilt, und setzte ihn auch als Alleinerben inklusive der Firmenanteile ein.

Holleis hatte als ausgebildeter Arzt nie im Unternehmen mitgearbeitet, wollte aber Verantwortung übernehmen und folglich Einblick in die Geschäfte haben. Die Theurers verwehrten ihm das – bis sie ihm 2013 schließlich 100 Millionen Euro für seinen Ausstieg zahlten. Nicht ohne ihn mit einer zweijährigen Konkurrenzklausel zu belegen.

Exakt zwei Jahre später stieg Holleis offiziell bei S7 ein. Die Vorbereitungen dafür dürften aber schon viel länger gelaufen sein, wie aus mehreren Dokumenten hervorgeht, die den OÖNachrichten vorliegen. Eines davon ist ein "Geschäftsplan" für eine "Future Railway Equipment GmbH" vom 10. Juli 2011. Dieses Unternehmen habe "zwei Spitzenkräfte einer der weltweit größten Firmen zur Herstellung von Oberbaumaschinen" für die Aufbauarbeit und die technische Leitung verpflichtet. Damit dürften die beiden späteren S7-Gründer Bernhard Lichtberger, Leiter der Forschungsabteilung, und Hansjörg Hofer, Leiter der Service-Abteilung, gemeint sein, die als "Dr. bzw. Ing. N.N." mit 20 bzw. 10 Prozent Beteiligung angeführt sind. Nur "H.J. Holleis" ist als kaufmännischer Geschäftsführer mit 70 Prozent der Anteile namentlich genannt. Das war also eineinhalb Jahre vor Ausscheiden der beiden.

 

Diese Rechtssachen sind vor Gericht noch anhängig

Spionage-Affäre: Die Staatsanwaltschaft Krems ermittelt nach einer Selbstanzeige von Detektiv W. Dieser will abenteuerliche Wirtschaftsspionage unter anderem bei System 7 (S7) im Auftrag vor allem des Plasser-Deutschland-Geschäftsführers betrieben haben. Die Entscheidung, ob und gegen wen Anklage erhoben wird, dürfte kurz bevorstehen. Eine behauptete Telefonüberwachung W.s durch einen Telekom-Austria-Mitarbeiter hat nicht stattgefunden, hat das Gericht bereits festgestellt.

Betriebsgeheimnisse: Mit einer zivilrechtlichen Klage vom März 2016 gegen das Konkurrenzunternehmen S7 will Plasser & Theurer (PT), der Weltmarktführer bei Gleisbaumaschinen, beweisen, dass die S7-Gründer und Ex-PT-Mitarbeiter Bernhard Lichtberger und Hans-Jörg Hofer Unterlagen und Betriebsgeheimnisse entwendet haben. Dazu fanden Ende 2016 Hausdurchsuchungen statt. Es wurden laut "Profil" 55.000 Dateien sichergestellt, diese müssen erst ausgewertet werden, das Verfahren ist also noch im Gang. S7 weist die Anschuldigungen allesamt zurück.

Patentrecht: Ein Monat nach Ausscheiden bei PT meldete Lichtberger 2013 ein Patent für ein Stopfaggregat an, das eine Schlüsseltechnologie für PT ist. Plasser&Theurer geht davon aus, dass Lichtberger Wissen dafür unerlaubt mitgenommen hat und beantragt die Patentübertragung, das Verfahren läuft.

 



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Artikel Ulrike Rubasch 03. August 2017 - 16:31 Uhr
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