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Nach Cyber-Attacke muss Innviertler FACC ein Sparprogramm fahren

RIED. Bestehende Arbeitsplätze nicht gefährdet – vorerst kein Köpferollen im Management.

Nach Cyber-Attacke muss Innviertler FACC ein Sparprogramm fahren

Walter Stephan. Bild: Daniel Scharinger

Der Vorstandsvorsitzende des Innviertler Flugzeugzulieferers FACC, Walter Stephan, kündigt im OÖN-Interview nach dem Schaden von 50 Millionen Euro durch eine Internet-Attacke ein Sparprogramm an.

Haben Sie den ersten Schock schon verdaut?

Stephan: Das war tatsächlich eine anständige Schock-Dosis. Die Nachwirkungen werde ich noch länger spüren.

Wie haben Sie den Betrug bemerkt?

Bei einer Cash-Flow-Kontrolle sind wir auf eine Spur gekommen. Wir haben nicht sofort das ganze Ausmaß erkannt. Nach ein paar Stunden, als wir den Schaden abschätzen konnten, haben wir die Kriminalpolizei eingeschaltet und die Börse-Pflichtmitteilung veröffentlicht. Unseren Aufsichtsratsvorsitzenden haben wir um fünf Uhr Früh in China aufgeweckt und für den nächsten Tag zu Mittag eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung vereinbart.

Wurde geschlampt und gegen das Vier-Augen-Prinzip verstoßen? Wurde jemand suspendiert?

Wie alles passieren konnte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Suspendiert wurde niemand.

Wird es ein Köpferollen im Unternehmen geben?

Bevor man über Personalentscheidungen sprechen kann, gilt es, den Sachverhalt einmal klarzustellen. Aber erwartbar wäre es.

Könnte der Schaden die 50 Millionen Euro noch übersteigen?

Das ist das maximale Ausmaß. Die Wahrscheinlichkeit, dass davon Geld wieder zurückfließen könnte, geht gegen null. Der Image-Schaden ist aber auch nicht außer Acht zu lassen.

Wie haben die Kunden reagiert?

Die Amerikaner haben sich in erster Linie wegen der IT-Sicherheit gesorgt. Wir mussten unser Computersystem von einem forensischen Team prüfen lassen. Es ist nach jetzigem Stand nicht mit Schadsoftware infiziert. Aber die Nachforschungen gehen weiter und wir werden in den nächsten Wochen einen kompletten Systemcheck durchführen lassen. Unsere europäischen Kunden und die österreichischen Lieferanten waren in erster Linie an unserer Liquidität interessiert. Diese Bedenken haben wir entkräftet.

Wie, wenn 50 Millionen Euro plötzlich weg sind? Ist da ein Unternehmen wie FACC nicht in seiner Existenz gefährdet?

Die liquide Situation der FACC wurde sicherlich belastet. Doch in unserem Fortbestand sind wir nicht gefährdet. Unsere Eigentümer müssen uns nicht mit Kapital unter die Arme greifen. Aber unser operativer und strategischer Spielraum ist eingeschränkt. Wir werden sicher ein globales Sparprogramm fahren müssen. Es darf aber nicht zu Lasten bestehender Aufträge und des operativen Wachstumskurses gehen. Investitionsvorhaben müssen wir unter den neuen Vorzeichen genau prüfen und gegebenenfalls zurückstellen. Man muss sich überlegen, wie man den Wachstumskurs aufgrund des Finanzloches jetzt finanziert.

Die Mitarbeiter machen sich Sorgen. Zu Recht?

Wir haben für Freitagvormittag in allen vier Werken in Oberösterreich Betriebsversammlungen einberufen, um ihnen diese Angst zu nehmen. Wir werden ihnen zwar auch nicht mehr sagen können, als das, was in der Öffentlichkeit bekannt ist. Die Mitarbeiter werden die Gelegenheit haben, in einer internen Ombudsstelle unter vier Augen Fragen zu stellen. Kein Arbeitsplatz ist aufgrund der jüngsten Umstände gefährdet.

Die Causa überlagert ein erfreuliches Ergebnis in den ersten drei Quartalen mit einem Umsatzplus von zehn Prozent und der Wende vom negativen zum positiven Ergebnis.

Das ist sehr frustrierend, der Ärger ist ganz groß. Der makellose Ergebnistrend des heurigen Geschäftsjahres ist ganz massiv zerschossen worden.

Haben Sie eine Versicherung gegen Internet-Kriminalität?

Vor zwei Wochen noch haben wir mit einem Makler darüber geredet, doch eine Definition darüber ist sehr schwierig. Wir prüfen, welche Ansprüche wir heute haben.

Wie viel Schlaf haben Sie in den vergangenen Nächten erwischt?

Nicht sehr viel – weil ich viel Zeit im Büro verbracht habe und weil der Schlaf mit so einer Geschichte nicht gut ist.

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Artikel Susanne Dickstein und Ulrike Rubasch 22. Januar 2016 - 00:04 Uhr
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