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Mit Adidas im Rücken zum nächsten Wachstumssprung

PASCHING. Schon jetzt platzt Runtastic in den Büroräumen in der PlusCity aus allen Nähten, im Mai wird ein zweites Stockwerk dazugenommen, rund 40 Mitarbeiter werden zusätzlich zu den 185 bestehenden gesucht.

Florian Gschwandtner

Nach reinen Fitness-Apps nimmt sich Runtastic-Chef Florian Gschwandtner Ernährung und Abnehmen vor. Bild: Rubasch Ulrike

"Wir brauchen sie hier, in Salzburg und Wien, und können die Stellen für vorwiegend Programmierer und Techniker nicht besetzen", sagt Runtastic-Mitgründer und Sprecher der Geschäftsführung, Florian Gschwandtner, im OÖNachrichten-Gespräch. Die Bezahlung orientiere sich am Branchendurchschnitt.
"Der Mangel an Fachkräften für die Digitalisierung ist unsere größte Herausforderung", sagt er und weist darauf hin, dass sich seit der Erfindung des iPhones vor zehn Jahren die Welt dramatisch verändert hat, die Zahl der Bewerber an den Fachhochschulen für Informatik und ähnliche Studienrichtungen jedoch kaum.

Digitalisierung ist auch das große Thema, das der neue Runtastic-Eigentümer Adidas mit Hilfe der oberösterreichischen Jungunternehmer konzernweit vorantreiben will. Der deutsche Sportartikelhersteller hat sich mit Runtastic im August 2015 nicht nur Millionen Kundendaten gekauft, sondern auch das Know-How in Sachen Digitalsierung und "frischen Wind".

Unterstützung für Adidas

Trotz der Übernahme von einem Großunternehmen habe sich Runtastic das Start-Up-Flair erhalten können und sei nicht überrollt worden. "Aber wir reden auf Vorstandsebene mit Adidas über die digitale Zukunft, die sich in keiner Branche aufhalten lässt", erzählt Gschwandtner.

Sportschuhe können bald auf Wunsch vom Handy und der Fitness-App "getrackt" werden, sodass der Läufer nach rund 600 Kilometern darauf aufmerksam gemacht wird, den Schuh wegen der Gefahr von Knieproblemen zu tauschen. "Er bekommt dann beispielsweise für seine Größe das Nachfolgemodell angeboten." Die Idee könnte sein, diesen besonders günstig anzubieten.

Rund zwei Drittel des Umsatzes macht Runtastic mittlerweile mit Premium-Mitgliedschaften seiner App (die Basisversion ist nach wie vor gratis), Tendenz steigend. Überlegt wird, den Verkauf der so genannten "wearables", also Fitness-Armbänder und Pulsmesser zu reduzieren. Zwar bringen diese noch Gewinn, doch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt sei enorm.

Seit vergangener Woche hat die App die 200-Millionen-Download-Marke durchbrochen. "Im zweistelligen Millionenbereich" liegt die Zahl der aktiven Nutzer. "In Summe zählen wir zu den Top 3 der weltweiten Fitness-Apps", so der Runtastic-CEO.

Als nächstes großes Thema nehmen sich die Paschinger die Ernährung und Abnehmen vor. Gegen Ende des heurigen Jahres wollen sie eine App auf den Markt bringen, die Bewegung und Kalorienbilanz verknüpft und mit Koch-Videos und Ernährungstipps ergänzt. "Das passt noch gut in unser Portfolio."

Die vier Runtastic-Gründer, die (gemeinsam mit dem 50-Prozent-Investor Springer-Verlag) 220 Millionen Euro für ihre Anteile von Adidas bekommen hatten, investierten ihre Verkaufserlöse teils wieder in andere Start-Ups. Sie treten als "Business Angels" auch gemeinsam mit dem Investor Hansi Hansmann auf. Über eine eigens dafür gegründete GmbH sind die Runtastic-Gründer aliquot binnen zwei Jahren in mehr als 15 Jungunternehmen mit bis zu 20 Prozent Anteil eingestiegen. Das bedeutet Aufwand, viel Zeit. "In den nächsten zwei Jahren werden wir nichts Neues dazunehmen. Wir brauchen für Runtastic und unser Team die volle Aufmerksamkeit", will sich Gschwandtner nicht in einen 18-Stunden-7-Tage-die-Woche-Rhythmus drängen lassen.

Zeit für ein neues Runtastic?

Ob ein neues Runtastic unter den Jungunternehmen sei? "Vielleicht Tractive", der GPS-Tierhalsbandentwickler aus Pasching, antwortet Gschwandtner wie aus der Pistole geschossen und grinst vielsagend. Deren Mitbewerber seien schon um einen dreistelligen Millionenbetrag gekauft worden.

Die Start-Up-Szene in Österreich habe sich jedenfalls in den vergangenen Jahren "wahnsinnig verändert", so der Gründer-Jungstar. Er schlägt vor, dass Jungunternehmen die ersten drei Jahre gar keine Arbeitszeitbeschränkungen unterliegen sollten. Das strenge Arbeitszeitgesetz sei ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil etwa zu den US-StartUps.

 

Video-Interview, Teil 1: Im ersten Teil spricht der CEO Florian Gschwandtner u.a. über die Vorhaben, die Zusammenarbeit mit Adidas bzw. was Ozeanflaschen und der Laufsport miteinander zu tun haben.

 

Video-Interview, Teil 2: Im zweiten Teil spricht der CEO Florian Gschwandtner u.a. über die Start-Up Szene samt Schwierigkeiten, seine Vorschläge an die Politik und warum das Bildungssystem modernisiert gehört.

"Wer jetzt was Technisches studiert, braucht sich in 100 Jahren keine Sorgen um einen coolen Job zu machen."
- Florian Gschwandtner, Runtastic-Chef und Co-Gründer neben Rene Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger.

 

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Artikel Ulrike Rubasch 27. Januar 2017 - 15:40 Uhr
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