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Lenzing kommt nicht zur Ruhe: Sparpaket verschärft

LENZING. Der Vorstand kündigte überraschend weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an – "Alles wird auf den Prüfstand gestellt".

Lenzing kommt nicht zur Ruhe: Sparpaket verschärft

Im Herbst 2012 war die Welt noch in Ordnung: Politiker und Vorstand bei der Eröffnung der Tencel-Anlage in Lenzing. Bild: OÖN

Im November 2013 schockte der Vorstand der Lenzing AG Belegschaft und Öffentlichkeit mit der Ankündigung, 600 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Seitdem kommt der börsennotierte Faserhersteller nicht zur Ruhe. Denn das Sparprogramm ist noch nicht abgeschlossen, schon wird die Gangart verschärft: Am Mittwoch teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, dass weitere Maßnahmen zur Kosteneinsparung umgesetzt würden. Details, wo der Rotstift angesetzt werde, wurden vorerst nicht bekannt.

"Wir werden im Rahmen der strategischen Neuausrichtung auch Entscheidungen treffen müssen, welche Produkte wir an welchen Standorten langfristig mit der höchsten Qualität und optimalen Kosten herstellen können. Dabei wird es keine Tabus geben. Alles wird auf den Prüfstand gestellt", hieß es in der Aussendung kryptisch.

Vorstandschef Peter Untersperger konkretisierte im OÖN-Gespräch: "Wir werden keine Standorte schließen, aber unser Produktportfolio bereinigen. Wir müssen nicht an allen Standorten alles machen." In Lenzing beispielsweise könne man überlegen, ob man neben Modal und künftig Tencel auch Textilviskose produzieren müsse.

Zudem seien Investitionen auf Sparflamme gesetzt worden. An laufenden Effizienzsteigerungen werde gearbeitet. Einen weiteren Personalabbau will Untersperger nicht ausschließen. Bis Jahresende soll die neue Strategie feststehen.

Mitarbeiter verunsichert

Mittwochmittag wurden die rund 2500 Mitarbeiter am Standort Lenzing über die Verschärfung des Sparprogramms informiert. "Ich kenne aber noch kein einziges Detail", sagt Betriebsratschef Rudolf Baldinger. Entsprechend sei die Belegschaft verunsichert, weil keiner wisse, was hinter den Ankündigungen stecke. "Für uns kommt das neue Sparpaket schon überraschend. Wir wussten zwar, dass die Faserpreise nach wie vor im Keller sind, aber die Umsetzung des alten Sparprogramms läuft ja noch", so Baldinger. Auch Wirtschaftslandesrat Michael Strugl nahm am Mittwoch umgehend Kontakt mit Untersperger auf, um sich zu informieren. Beim Land verfolgt man die Entwicklungen beim Leitbetrieb Lenzing genau.

100 Millionen Euro fehlen

Problem der Lenzing sind die Faserpreise, die in den vergangenen Monaten massiv unter Druck gekommen sind. Zum ersten Quartal (per Ende März) halbierte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erneut, sodass eine Ebit-Marge von 3,7 Prozent erzielt wurde. Und das, obwohl die Absatzmenge um neun Prozent gesteigert werden konnte. Aufgrund der gesunkenen Faserpreise würden der Lenzing auf das Jahr hochgerechnet 100 Millionen Euro an Deckungsbeitrag fehlen, sagt Untersperger. Er rechnet, dass die Preisentwicklung bis 2015 anhalten werde.

Entsprechend würden auch die für heuer angepeilten Einsparungen in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro nicht ausreichen. "Wir sind auf dem Markt aktiver denn je. Aber wir müssen weiter an der Kostenschraube drehen, wenn wir keine Verluste schreiben wollen", so Lenzing-Chef Untersperger.


Der Lenzing-Abstieg:

März 2012: Rekordergebnis: Die starke Nachfrage nach hochwertigen Fasern und der hohe Baumwollpreis bescheren ein Rekordergebnis.

Juni 2012: Tencel-Investition: Am Hauptsitz Lenzing rollen die Bagger auf. Das Unternehmen investiert 130 Millionen Euro in eine neue Tencel-Fertigungsanlage.

März 2013: Ergebniseinbruch: Erste dunkle Wolken ziehen auf. Das Jahresergebnis ist um ein Drittel eingebrochen. Der Vorstand macht gute Miene zum bösen Spiel: Man sei „zur Normalität zurückgekehrt“.

Oktober 2013: Winkler geht: Finanzvorstand Thomas Winkler geht „aufgrund unterschiedlicher Zukunftsauffassungen“. Es wird entschieden, den Vorstand künftig auf vier Personen zu vergrößern. Robert van de Kerkhof zieht am 1. Mai 2014 in den Vorstand ein, ab 1. Juni 2014 wird Thomas Riegler Finanzvorstand.

November 2013: Jobabbau: Die Lenzing AG enthüllt ihr Sparprogramm: 600 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

März 2014: Ergebnis sinkt weiter: Neuerdings muss die Lenzing einen massiven Ergebniseinbruch hinnehmen, der Nettogewinn sank um 72 Prozent auf 50 Millionen Euro. Für 2014 sei „keine Erholung in Sicht“.

Mai 2014: Weitere Einsparungen: Peter Untersperger gibt bekannt, dass „weitere Maßnahmen“ notwendig seien und „alles auf den Prüfstand gestellt“ werde.

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Artikel sd 30. Mai 2014 - 00:04 Uhr
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