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"Kopfgeld" für Koch und Kellner

LINZ. Die Mitarbeitersuche im Gastgewerbe ist schwierig. Firmenchefs loben nun sogar Prämien aus. Wer gute Leute vermittelt, bekommt bis zu 500 Euro.

"Kopfgeld" für Koch und Kellner

Rund 1300 offene Stellen waren im September in Oberösterreich ausgeschrieben, gleichzeitig waren 3200 Personen als arbeitslos gemeldet. Bild: Weihbold

Alexander Pilsl geht bei der Suche nach Mitarbeitern einen unkonventionellen Weg. Der Chef des Hotels Guglwald in Schönegg (Bezirk Rohrbach) bietet die Zahlung von 500 Euro an, wenn man ihm einen Kellner vermittelt. Aktuell sucht er einen "Chef de Rang".

Man müsse auch einmal anders denken, sagt Pilsl: "Gute Leute zu finden, ist schwierig." Vor allem wenn es schnell gehen muss. Schon vor zwei Jahren hat Pilsl zwei Mitarbeiter in Service und Küche so gefunden. "Wenn wir den Bewerber nach dem Schnuppern aufnehmen, gibt es 500 Euro für die Person, die vermittelt hat." Pilsl zahlt das aus seiner eigenen Tasche.

Mehr Lehrlinge, weniger Schüler

Thomas Mayr-Stockinger, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer, hört von so einer Aktion, bei der sich die Prämie auch an Betriebs- und Branchenfremde richtet, zum ersten Mal: "Was es mittlerweile öfter gibt, sind Prämien-Modelle innerhalb des Betriebs. Wenn Mitarbeiter neue Kollegen anwerben, bekommen sie dafür in manchen Unternehmen eine Belohnung."

Das Geschäft in der Branche laufe heuer sehr gut, sagt Mayr-Stockinger: "Aber es wäre noch mehr möglich, wenn wir die Mitarbeiter dafür bekommen würden." Im September gab es in Oberösterreich laut AMS rund 1300 offene Stellen und gleichzeitig 3200 Arbeitslose in diesem Bereich. Mayr-Stockinger fordert, dass der Unterschied zwischen Arbeitslosengeld und Einkommen größer wird. Der vielfach geäußerten Kritik, dass die Löhne in der Branche zu niedrig seien, kontert er: "Unsere Spanne beträgt nur 1,4 bis 1,8 Prozent. Höhere Löhne würden sich in den Preisen niederschlagen."

Zuletzt hat sich das Personalproblem laut Mayr-Stockinger etwas verringert. Zum einen weil Betriebe reagierten, etwa mit zusätzlichen Ruhetagen. "Zum anderen wirkt unsere Imagekampagne." Nach einem starken Rückgang der Lehrlingszahlen von 2010 bis 2015 gab es im Vorjahr einen kleinen Anstieg. Jedoch verzeichnen die Tourismusschulen Stagnation beziehungsweise Rückgänge.

Einen Koch würde der Wirt des Hotel- und Restaurantbetriebs Krone in Mondsee, Hartwig Hütter, jederzeit einstellen. Gerade für die Küche Personal zu bekommen, sei aber sehr schwierig, sagt der Chef des 25-Mitarbeiter-Ganzjahresbetriebs. Er zielt vor allem auf Personal ab, das in der Region lebt und daher auch dauerhaft bleiben will. Die Personalsituation bei Hütter sei besser als in anderen Betrieben. Der Grund: Die Stamm-Belegschaft ist seit mehr als 15 Jahren dabei. Der Weg von ihm und seiner Ehefrau Waltraud: "Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen." Weil dauerhaft zumindest ein Koch fehlt, habe man im Vorjahr die Öffnungszeiten reduziert.

Viele Mitarbeiter aus der Region

Der Gmundner Hotelier Franz Pernkopf hat keine Personalprobleme. "Wir suchen seit mehreren Jahren nicht mehr aktiv nach Mitarbeitern. Wir kriegen viele auf Empfehlung", sagt der Chef des Landhotels Grünberg. Es sei ein Vorteil, dass der Betrieb das ganze Jahr geöffnet sei. Im Hotel arbeiten rund 20 Leute, in der Sommersaison wird auf 30 aufgestockt. Pernkopf: "Die kommen alle aus unserer Region." Wichtig sei, gute Arbeit, gerechten Lohn und gutes Betriebsklima zu bieten. Von "Kopfprämien" hält der Hotelier wenig: "So weit darf es nicht gehen, auch wenn fast jede Branche dringend Fachkräfte sucht."

Pilsl vom Hotel Guglwald betont ebenfalls, dass er generell kein Personalproblem habe und seine Mitarbeiter überdurchschnittlich lange in seinem Ganzjahresbetrieb tätig seien. 90 Prozent der 89 Beschäftigten sind Mühlviertler. "Sie bauen sich in der Region ihren Lebensmittelpunkt auf", sagt Pilsl.

 

Zahlen und Fakten

21.818 Beschäftigte gab es im September in Oberösterreichs Gastronomie und Hotellerie. 2008 waren es 14.000. Das Wachstum ist für Obmann Thomas Mayr-Stockinger ein Beweis dafür, dass die Branche grundsätzlich attraktiv ist.

3174 Arbeitslose meldete das AMS per September in der Branche. Gleichzeitig waren 1287 offene Stellen ausgeschrieben.

414 offenen Lehrstellen standen im August 76 Lehrstellensuchende gegenüber. 2016 stieg die Zahl der Lehrlinge von 1352 auf 1360. 2010 waren es 1917.

 

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Artikel Sigrid Brandstätter, Susanna Sailer und Alexander Zens 30. Oktober 2017 - 00:05 Uhr
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