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Gleichzeitig krankgemeldet: "Das war ein Hilferuf"

WARTBERG OB DER AIST. Schwere Vorwürfe erheben Ex-Mitarbeiter der Mühlviertler Firma Technosert gegen die Geschäftsführung - diese will nichts dazu sagen.

Johannes Gschwandtner und Hermann Schübl Bild: technosert

Heftige Reaktionen hat diese Woche jene Meldung ausgelöst, wonach zwölf Mitarbeiter der Mühlviertler Elektronikfirma Technosert gleichzeitig Krankenstände vorgetäuscht haben sollen, um gegen angeordnete Überstunden zu protestieren. Diese waren nötig geworden, weil die Auftragslage gut gewesen sei. Der Firma sei durch die gezielte Aktion ein Schaden von 250.000 Euro entstanden. Wie berichtet, kündigte die Firma zehn der zwölf Mitarbeiter, zwei lösten von sich aus das Dienstverhältnis.

Nun meldeten sich zwei ehemalige Mitarbeiter – ihre Namen sind der Redaktion bekannt – zu Wort. Sie verteidigen die Aktion ihrer Ex-Kollegen: "Das war ein Hilferuf", sagt die frühere langjährige Mitarbeiterin den OÖNachrichten. Den Krankenständen sei ein "jahrelanger Leidensweg" vorausgegangen.

"Mitarbeiter mussten nach zehn Stunden ausstempeln, um nicht über die Maximalarbeitszeit zu kommen – und trotzdem weiterarbeiten." Wenn sie sich beschwert hätten, sei ihnen mit Kündigung gedroht worden. Großteils seien jetzt junge Mütter auf die Barrikaden gestiegen. "Viele haben keine Chance, den Arbeitgeber in der Region zu verlassen, weil sie sich daheim um ihre Kinder kümmern müssen."

"Autoritärer Führungsstil"

Übereinstimmende Kritik gibt es auch am Führungsstil der Geschäftsführung. "Es wird nur auf die Zahlen geschaut. Herr Gschwandtner setzt seinen Willen auf Biegen und Brechen durch, ohne Rücksicht auf Verluste."

"In der Geschäftsführung herrscht ein autoritärer Führungsstil. Entweder man hat gespurt, oder man ist gegangen worden," ergänzt ein weiterer ehemaliger Angestellter. Darunter habe auch das Betriebsklima gelitten. Technosert-Chef Johannes Gschwandtner wollte sich gestern trotz mehrmaliger OÖN-Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Nur so viel: "Das Unternehmen ist gut geführt."

Andreas Stangl von der Gewerkschaft GPA-djp ist über die Vorwürfe überrascht und will das Gespräch mit dem Betriebsrat suchen. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich, die den Fall ins Rollen gebracht hat, steht weiter zu ihrer Version. "Ein Krankenstand ist kein Weg, um eine Meinungsverschiedenheit zu beseitigen", sagt Erhard Prugger, Abteilungsleiter für Sozial- und Rechtspolitik in der Kammer.

Das sagen die Betroffenen zum aktuellen Fall

Es war betrieblicher Usus, nach zehn Stunden auszustempeln, damit es zu keiner Arbeitszeitverletzung kommt. Trotzdem hat man weiterarbeiten müssen.“
eine ehemalige Mitarbeiterin

„Entweder man hat gespurt, oder man ist gegangen worden. Die Mitarbeiter waren chronisch überlastet. Ich verstehe es, wenn sich zwölf Leute krankmelden.“
ein ehemaliger Mitarbeiter

„Ein Krankenstand ist kein Weg, um Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen. Die Kündigungen waren keine Strafe der Firma, sondern eine Notwendigkeit.“
Erhard Prugger, WKOÖ

„Ich bin von den Vorwürfen überrascht und suche das Gespräch mit dem Betriebsrat. Zu uns ist bisher nichts durchgedrungen. Das könnte auf ein Klima der Angst hindeuten.“
Andreas Stangl, GPA-djp

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Artikel Sigrid Brandstätter und Martin Roithner 15. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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