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Gleich nach dem Buttermangel kam die Milchflut

LINZ. Molkereien ersetzen EU-Quoten durch Preissystem, das Mehrlieferung bestraft und Selbstbeschränkung belohnt.

Gleich nach dem Buttermangel kam die Milchflut

Schon vor Beginn der besten Futtersaison gibt es zu viel Milch. Die Molkereien animieren die Bauern, zu bremsen. Bild: (Wodicka)

Vor einem halben Jahr ist der große Notstand bei Butter verkündet worden. Doch schon geht der Milchtopf wieder über. Die Debatte über die Schuldigen kocht hoch, die Lernkurve steigt.

Die internationalen Butternotierungen hatten sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Im Sommer 2017 lagen sie auf dem Rekordniveau von 6,20 Euro je Kilo. Im Supermarkt kostete das Viertelkilo plötzlich mehr als zwei Euro. Der Rohmilchpreis für die Bauern stieg nicht im selben Ausmaß, aber immerhin um rund ein Drittel auf etwas über 40 Cent je Kilo. Als Folge steigerten die Landwirte, vor allem die Großbetriebe in den Ländern an der Nordsee, die Produktion stark. Auch Österreichs Bauern nutzten den Preisauftrieb. Seit November 2017 lieferten sie im Schnitt um rund zehn Prozent mehr bei ihren Molkereien ab als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bremse zeigt Wirkung

Prompt führten Molkereien anstelle der EU-Milchquote eigene Systeme zur Mengensteuerung ein. Marktführer Berglandmilch zahlt seinen gut 12.000 bäuerlichen Eigentümern seit Neujahr für jedes Kilo Milch, das weniger geliefert wird als 2017, zehn Cent. Wer seine Vorjahrsmenge um mehr als drei Prozent überschreitet, wird mit einem Abschlag von zehn Cent je Kilo zur Umkehr motiviert. "Dieses Modell greift schon", sagt Generaldirektor Josef Braunshofer. Hatte die Mehrlieferung im November, Dezember und Jänner mehr als zehn Prozent betragen, so sank sie im Februar auf 6,5 Prozent. Auch die NÖM hat ein neues Mengenmodell; die Ennstal-Molkerei praktiziert seit längerer Zeit eines.

Die Gmundner Molkerei hatte 2016 noch heftige Kritik für eine Lieferbremse einstecken müssen. Sie betraf allerdings die gesamte Monatsmenge, nicht bloß die Überlieferung; das System wirkte rasch und wurde im Herbst wieder eingestellt. "Wir haben derzeit wieder eine hohe Milchlieferung, verzichten aber auf ein Mengenmodell", sagt Obmann Josef Fürtbauer den OÖN: "Wir habe dafür den Milchpreis ein wenig stärker gesenkt als andere Molkereien."

Bauern können ihre Milchlieferung an die Molkereien senken, indem sie mehr Milch an ihre Kälber verfüttern oder/und alte Milchkühe nicht ersetzen.

Kritik von Bauern gibt es, weil sie im Vorjahr viel zu spät mit höheren Preisen zur Produktion motiviert worden seien, nämlich als sich international schon eine neue Milchflut abzeichnete. "Unsere Bauern hatten 2016 sehr niedrige Preise, daher war es notwendig, zu erhöhen", sagt Braunshofer: "Darauf haben sie reagiert, und daraufhin haben auch wir zu Neujahr reagieren müssen. Wir befinden uns nach Auslaufen der EU-Milchquote noch in einer Lernphase. Wir müssen miteinander schauen, dass wir die Lieferungen der Bauern und die Absatzseite in Einklang bringen."

Österreich hat bei Milch rund 165 Prozent Eigenversorgungsgrad und muss daher exportieren. Das ist schwierig, wenn es, wie jetzt, international Übermengen gibt. Die deutsche Konkurrenz reagiert auf gentechnikfreie österreichische Milch, indem sie selbst GVO-Futter verbietet (Info-Box).

Konflikt um Glyphosat

Der Vorstand der Berglandmolkerei, also das oberste Gremium der bäuerlichen Eigentümer, verbietet seinen Milchlieferanten, auf Futterflächen das Breitbandherbizid Glyphosat zu verwenden. Das soll in der Agrarpolitik großen Ärger ausgelöst haben: Wieso müsse ausgerechnet eine bäuerliche Organisation vorpreschen? Konzernchef Josef Braunshofer argumentiert: „Wir stehen dazu, denn das entspricht der Erwartung unserer Konsumenten. Nur der Kunde entscheidet.“ Österreich könne mit der Menge nicht mit Holland oder Deutschland mithalten, sondern nur mit Qualität. Das Ausland hole auf (etwa mit GVO-freier Milch).

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Artikel Josef Lehner 13. März 2018 - 00:04 Uhr
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