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"Die voestalpine ist kein Tummelplatz für eitle Männer"

LINZ. Wie sehen Vertreter der Kleinaktionäre die Zukunft des Linzer Großkonzerns?

voestalpine

Die voestalpine. Bild: Weihbold

Vor der Entscheidung über eine Vertragsverlängerung für voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder mehren sich die Rufe nach klaren Weichenstellungen. Angekündigt ist eine Entscheidung bis Sommer. Dabei gilt als offenes Geheimnis, dass der 66-Jährige verlängern will. Offen ist, wie lange. Aber wie sehen das die Vertreter der Kleinaktionäre?

"Die beste Lösung ist Klarheit. Die muss unbedingt vor der Hauptversammlung geschaffen und kommuniziert werden. Das gehört sich so", sagt etwa Investor Rupert-Heinrich Staller, der beim Linzer Leitbetrieb investiert ist. "Wenn Eder noch eine Ehrenrunde dreht, dann sollte bei seiner Verlängerung jedenfalls klar sein, wer der Nachfolger ist", so Staller.

Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger sieht "eine Perspektive von zwei Jahren, die Eder verlängern könnte". Recht viel länger sollte es nicht sein. Er weist darauf hin, ein Vorstandswechsel nach einem Langzeit-Chef ziehe immer "Brüche nach sich".

Staller, der als streitbarer Aktionär bekannt ist, der bei Hauptversammlungen schon so manchen Vorstand oder Aufsichtsrat zur Weißglut brachte, war bei Aktionärsversammlungen der voestalpine bisher zurückhaltend: Das Unternehmen sei ohne Zweifel hervorragend geführt und habe sich von einem österreichischen zu einem europäischen Spieler entwickelt und sei auf dem Weg, ein Konzern von Weltformat zu werden, ist Staller voll des Lobes.

Ein bunterer Aufsichtsrat?

Wo Staller allerdings Versäumnisse sieht, ist in einer breiten Aufstellung des Aufsichtsrates – dem jetzt in der Phase der Weichenstellung für die Nachfolge eine Schlüsselrolle zukomme. "Es ist einer voestalpine nicht würdig, sich der Diversität nicht zu stellen."

Der seit Jahresbeginn vorgeschriebenen Frauenquote im Aufsichtsrat von 30 Prozent entkommt der männerdominierte Stahlkonzern, weil in der Belegschaft weniger als jede fünfte eine Frau ist. Dem Vernehmen nach hat die voestalpine mit der Bauwirtschaft erfolgreich interveniert.

"Der provinzielle, männerdominierte Aufsichtsrat mit einem Hamburger Einsprengsel muss internationaler werden", so Staller. Einziges internationales Mitglied des Aufsichtsrats ist dessen Vorsitzender, der frühere Versicherungsmanager Joachim Lemppenau aus Hamburg.

Die wichtigsten Entscheider im Aufsichtsrat sind neben Lemppenau die beiden Vertreter der großen Aktionäre, die Bankchefs Heinrich Schaller von der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich und Franz Gasselsberger von der Oberbank.

Die RLB hält knapp 15 Prozent und stellt mit Schaller den Vize-Chef des Aufsichtsrates. Die Oberbank hält mehr als fünf Prozent. 14,8 Prozent hält die Mitarbeiterstiftung. Ob jemand aus dem derzeitigen Aufsichtsrat neuer Vorsitzender wird, ist auch noch nicht gesagt.

Kurze oder längere Abkühlung?

Vorerst halten alle Beteiligten aber den Ball flach. Staller appelliert, im Sinne des Konzernwohls zu entscheiden: "Die voestalpine ist kein Tummelplatz für eitle Männer, sondern es geht um eine gute Entscheidung für das Unternehmen."

Den bereits 74-jährigen Lemppenau beschränkt in Österreich keine Altersgrenze, über das 75. Lebensjahr hinaus tätig zu sein. "Es heißt auch: Never change a winning team, aber man sollte auch aufhören können, wenn es am schönsten ist", so Staller. Mit Rasinger ist sich Staller einig, dass sich Lemppenau und Eder offenkundig gut verstehen. Insofern sei es konsequent, wenn auch der über 2019 hinaus tätig sein würde.

Unterschiedliche Zugänge haben die beiden Profi-Aktionäre, was eine Abkühlungsphase für Eder angeht, bevor er in den Aufsichtsrat der voestalpine geht. Während Rasinger für eine verkürzte Pause von wenigstens einem Jahr eintritt, sieht Staller eine längere Pause zwischen aktivem Management und Kontrolle des Nachfolgers angebracht. "Drei Jahre sind geboten."

Was die Frage eines Nachfolgers für Eder angeht, sind beide Aktionäre zurückhaltend: Rasinger verlangt nach einer "integrativen Persönlichkeit, die Spannungen ausgleichen kann und nach außen gut auftreten kann. Der Vorstandsvorsitz ist nicht unbedingt die Belohnung für einen guten Divisionsvorstand."

Staller fordert einen Unternehmenslenker, der die Finanzen verstehen muss – gerade in einem zyklischen Geschäft. "Die Aktionäre sehen einen kühlen Rechner lieber als einen, der allein aus dem operativen Geschäft kommt."

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Artikel Sigrid Brandstätter 21. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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