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Die Gesundmacher

Gesundheitsökonomie: Der Linzer Ernst Wastler hat die heimische VAMED in die Champions League geführt.

Die Gesundmacher

Das VAMED-Projekt Therme Geinberg wird 20 Jahre alt. Bild: VAMED

Sein Stammverein, der LASK, ließ ihn oftmals leiden. Jetzt könnte es für die Europa League klappen. Ernst Wastler freilich hat seine VAMED bereits in die Champions League geführt und scheut dort keine Konkurrenz. Gestern, Freitag, hat der Gesundheitskonzern zum 12. Mal in Folge ein Rekordergebnis vorgelegt. Die VAMED hat ihre Wurzeln in Oberösterreich, und der Linzer Wastler führt den Konzern seit 2001. Seither hat er Umsatz und Gewinn ungefähr versieben-, den Auftragsstand verzehnfacht und beschäftigt weltweit 18.000 Mitarbeiter. Das Ziel Wastlers: 2020 soll die VAMED in 100 Ländern der Erde aktiv sein.

Viel fehlt nicht mehr. Im Vorjahr fasste das Unternehmen in Spanien und Dänemark, in Sambia und Äquatorialguinea Fuß, in Nepal wird ein Krankenhaus mit 50 Betten errichtet.

Begonnen hat alles vor 36 Jahren eher zufällig. Eine Expertengruppe des Voest Alpine Industrieanlagenbaus (VAI) spielte Feuerwehr beim Skandalbau AKH in Wien. Daraus entstand die VAMED mit einer Expertise für den Bau von Gesundheitseinrichtungen. 850 Projekte wurden seither umgesetzt, von der Poliklinik in Afrika bis zur Universitätsklinik Charité in Berlin. In Österreich und Ungarn wurden zudem Wellnessoasen errichtet, darunter die Therme Geinberg, die vor 20 Jahren in Betrieb ging.

Auch Universitätskliniken

Die VAMED errichtet die Gesundheitseinrichtungen nicht nur, sie betreibt auch etliche davon. Jüngstes Beispiel ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, ein 1,7-Milliarden-Euro-Projekt in Kiel und Lübeck, das die VAMED mit einem Partner bis 2044 betreiben wird.

Mittlerweile macht die Gesundheitsdienstleistung schon mehr als 50 Prozent aus. "Wir erledigen die Dienstleistung von 670 Einrichtungen für insgesamt 153.000 Betten, das entspricht der Spitalbettenanzahl von Österreich und der Schweiz zusammen", sagt Wastler, der aus der Linzer Metallbau-Familie stammt.

In der Schweiz hat VAMED 2017 die Reha-Klinik Seewis gekauft, in Duisburg wurde das Unternehmen mit dem Kauf des Sterilgut-Spezialisten Cleanpart deutscher Marktführer in diesem Segment.

Was die VAMED von anderen Anbietern unterscheidet? "Wir bilden im Gesundheitswesen die Wertschöpfungsketten in allen Richtungen ab", sagt Wastler. Von der Prävention bis zur Reha, von der Projektentwicklung bis zum Betrieb einer Einrichtung, und das weltweit. 70 Prozent des Umsatzes von 1,23 Millionen Euro (plus sechs Prozent) erzielt die VAMED im Ausland. Schon früh wurden in Pionierarbeit neue Märkte wie China oder Afrika erobert. Wastler berichtet von einem Auftragsstand von mehr als zwei Milliarden Euro, was einem Projektvolumen für die nächsten gut drei Jahre entspricht. Das Betriebsergebnis (Ebit) betrug 2017 76 Millionen Euro.

Und obwohl die VAMED zeigt, wie man effizient weltweit Krankenhäuser führen kann, würde sich Wastler hüten, als Privater in Österreich ein Krankenhaus mit Akutmedizin zu betreiben. Denn die Kostenerstattung in Österreich sei zu unsicher, die Gefahr, trotz höchster Effizienz Verluste zu schreiben, zu groß. Daher wäre auch die Übernahme der AUVA-Spitäler für ihn kein Thema.

Respekt für AUVA-Spitäler

"Im Unfallbereich kann man wenig planen, muss viele Leistungen vorhalten. Ich habe große Hochachtung vor den Unfallspitälern", sagt Wastler, der sich ungern dazu verleiten lässt, die Organisation des heimischen Gesundheitswesens zu beurteilen. Nur so viel: "Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob es klug ist, dass Selbstverwaltung gleichzeitig als Versicherer und als Betreiber von Einrichtungen auftritt."

Der österreichische Markt ist für die VAMED freilich nur einer von derzeit 84. In vielen Ländern tritt sie nicht nur als Projektentwickler auf, sie bringt dafür auch die Finanzierung mit, etwa in Afrika.

Schon seit mehreren Jahren gehört die VAMED mehrheitlich dem börsenotierten, deutschen Fresenius-Konzern, in dessen Vorstand Wastler auch sitzt. Auch die Lenzing- und Amag-Mutter B&C-Holding ist VAMED-Miteigentümerin.

 

Vamed in Zahlen

 

12. Rekordjahr in Folge: Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg 2017 um zehn Prozent auf 76 Millionen Euro. Der Umsatz steig um sechs Prozent auf 1,228 Milliarden Euro.

100 Länder will Firmenchef Ernst Wastler 2020 bearbeiten. Schon jetzt sind es mehr als 80. Im unteren Bild ein geplantes Krankenhaus in Abu Dhabi.

18.000 Mitarbeiter sind bei der VAMED beschäftigt, ein Drittel davon in Österreich. Haupteigentümer ist Fresenius.

1982 gegründet aus dem voest-Industrienanlagenbau heraus.

3,2 Millionen Besucher zählte die VAMED in ihren acht Häusern der Vitality World im Vorjahr. In Budapest wird mit der Aquaworld das größte Thermenresort Ungarns betrieben.

 

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Artikel Dietmar Mascher 14. April 2018 - 00:04 Uhr
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