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Aufstand der Kleinaktionäre bei der FACC-Hauptversammlung

Prüfung der FMA, fehlender Beirat und Hinhaltetaktik - die Anleger sind unzufrieden.

 Aufstand der Kleinaktionäre bei der FACC-Hauptversammlung

Operativ läuft es bei der FACC immer besser, das Erbe der Vergangenheit wiegt aber schwer. (FACC) Bild:

Noch halten sich mehrere Investoren der börsennotierten FACC in der Öffentlichkeit bedeckt. Unter der Hand ist vom "Wunsch nach Organveränderungen" die Rede, die bei der Hauptversammlung nächste Woche Dienstag auch formuliert werden sollen.

Vorerst tritt nur der laut Eigendefinition "unbedeutende Kleinaktionär" Erich Kandler vor den Vorhang. Der erfahrene Wirtschaftsprüfer, Sachverständige und Kleinaktionärsvertreter in mehreren Aufsichtsräten hat schon im Vorjahr bei der Hauptversammlung der FACC eine Reihe kritischer Fragen gestellt und vor allem die Aufsichtsorgane schwer kritisiert.

"So etwas darf nicht passieren"

Kandler stand nach eigenen Angaben mit dem Management daraufhin in gutem Kontakt. Dieser sei aber im November abrupt abgerissen. Seither fühlt sich der Aktionär "hingehalten". Seit er den Geschäftsbericht gelesen hat, glaubt der Bilanzexperte auch den Grund zu kennen: die Prüfung der Finanzmarktaufsicht (FMA). Wie berichtet hat diese dazu geführt, dass das Innviertler Leitunternehmen die Bilanzvorlage verschieben und die Ergebnisse des Jahres 2015/16 deutlich nach unten revidieren musste. Der Verlust im Konzernergebnis betrug nicht mehr elf, sondern 41 Millionen Euro. Immaterielle Vermögenswerte mussten um 20 Millionen abgeschrieben werden. Kandler: "Das ist eines der umfassendsten Restatements, das ein börsennotiertes Unternehmen bisher machen musste. Und die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen." Tatsächlich weist die FACC auf Seite 100 ihres Finanzberichts hin, dass womöglich die Rückstellungen um 25 Millionen Euro erhöht werden müssten. "Das Restatement zieht sich durch alle wichtigen Bereiche. So etwas darf nicht passieren", sagt der frühere Deloitte-Partner. "Das ist nicht gut für den Kapitalmarkt."

Kandler kritisiert, dass sich die Struktur im Unternehmen nicht geändert habe, und bezieht sich damit auf den Aufsichtsrat. Die Kapitalvertreter sind – bei einem Streubesitz von 44 Prozent – ausschließlich von den chinesischen Haupteigentümern besetzt. "Ich halte die FACC standortpolitisch für ein wichtiges Unternehmen und bin besorgt." Kandler und andere wollen, dass zumindest für die operative GmbH ein Beirat installiert wird, in dem europäische Experten sitzen.

Manuel Taverne, Investor-Relations-Verantwortlicher, erklärt, dass bei der Hauptversammlung zum Restatement ausführlich Stellung genommen werde. "Wir bereiten uns auch auf entsprechende Fragen vor." Im Vorjahr wurde dem Unternehmen vorgeworfen, Fragen nicht ausführlich genug zu beantworten.

Zu Kandler bestehe ein guter Kontakt, ein Hinhalten könne er nicht sehen. Einen Beirat einzurichten, liege in der Entscheidung der Eigentümer. Zwischen 200 und 300 Aktionäre werden kommenden Dienstag in der Rieder Messehalle erwartet.

 

Ergebnis-Premiere

Vor der Hauptversammlung am kommenden Dienstag lieferte FACC gestern das beste Quartal, seit der Flugzeugzulieferer im Juni 2014 an die Börse ging. Der Umsatz wurde um 13 Prozent auf 184 Millionen Euro gesteigert, das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich von zwei auf fast elf Millionen Euro.

Erstmals seit dem Börsengang wurde mehr verdient, als im gleichen Zeitraum investiert wurde. Seit Jahresbeginn stieg der Börsenkurs um fast 80 Prozent. Mit 9,09 nähert er sich dem Ausgabekurs von 9,50 Euro je Aktie.

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Artikel Sigrid Brandstätter 13. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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