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Adidas ist für Runtastic der neue Schrittmacher

PASCHING. Der Fitness-App-Entwickler Runtastic bleibt sich und Oberösterreich trotz des 220-Millionen-Euro-Deals mit Adidas treu – läuft jetzt aber noch schneller. Die OÖNachrichten trafen Runtastic-Mit-Gründer Florian Gschwandtner in seinem Büro in Pasching.

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner Bild: VOLKER WEIHBOLD

Wie berichtet hat der Aufsichtsrat von Adidas am Dienstag dem Kauf der Fitness-App-Entwickler Runtastic zugestimmt. 

 

OÖNachrichten: Zuerst herzlichen Glückwunsch! Wie geht’s?

Gschwandtner: Danke, sehr gut. Es ist aber auch vorher gut gegangen. Wir sind alle sehr happy. Es wird schon wieder gearbeitet.

Für viele kam der Verkauf überraschend – wie lange haben Sie an diesem Deal schon gearbeitet?

Seit mehreren Monaten hat sich im Bereich Gesundheit und Fitness einiges getan. Unternehmen haben sich an Mitbewerbern beteiligt. Das hat dazu geführt, dass große, erfolgreiche Unternehmen auch bei uns an die Tür geklopft haben. Wir haben uns gedacht, wir wären blöd, wenn wir nicht mit ihnen reden würden. Wir haben uns daher einen Spezialisten für Mergers und Aquisitions geholt und Termine mit passenden Partnern gemacht. In den letzten Wochen sind die Gespräche mit Adidas konkreter geworden. Das endgültige „Go“ kam am Dienstagnachmittag nach der Adidas-Aufsichtsratssitzung. Das ist sogar schneller gegangen, als wir erwartet haben.

Erst vor zwei Jahren haben Sie 50,1 Prozent der Anteile an den deutschen Medienkonzern Axel Springer verkauft – war Springer nur ein Zwischenschritt zu einem besser passenden Partner aus der Sportbranche?

Das könnte man im Nachhinein so sehen. Es war für uns damals wichtig, sozusagen ein grünes Hakerl unter die vergangenen viereinhalb Jahre zu setzen. Wir vier Gründer haben uns anfangs ja gar nichts ausbezahlt und kein Geld verdient. Wir haben zu hundert Prozent für die Firma und das Wachstum gearbeitet. Der Springer-Deal war die Bestätigung: Ja, das hat sich ausgezahlt. Danach konnten wir noch viel größer denken. Die Idee war: Wenn dann wer daherkommt, der besser zu uns passt, können wir etwas machen. Und zum Glück hat das wirklich so funktioniert.

Runtastic wurde bei dem Verkauf vor zwei Jahren mit 22 Millionen Euro bewertet – aktuell mit dem Zehnfachen, mit 220 Millionen Euro. Woher kommt diese Wertsteigerung?

Die 22 stimmen übrigens nicht ganz. Das ging damals so durch die Medien, war aber in Wirklichkeit schon wesentlich mehr. Dennoch: Die Wertsteigerung kommt durch unsere aktiven Nutzer, die weltweit regelmäßig unsere Apps nutzen. Täglich haben wir 150.000 Downloads. Das bedeutet international eine riesige Reichweite. Wir haben als junges Unternehmen mit 132 Leuten aus 25 Nationen eine Marke aufgebaut.

Kann man sich nach so einem Deal zurücklehnen und zumindest entspannter weitermachen?

Zu null Prozent. Das hätten wir nach Axel Springer schon machen können und haben es nicht getan. Jeder unserer Mitarbeiter kann das bestätigen. Das wird sich auch jetzt nicht ändern. Im Gegenteil, ich bin noch motivierter.

Woher kommt das Interesse von Adidas, so viel Geld für eine Fitness-App hinzublättern?

Ich glaube, alle großen Unternehmen müssen überlegen, ihre physische Welt ohne direkten Kundenzugang zu erweitern. Sie wissen nichts über den Kunden, wir aber schon. Ein Beispiel: Du läufst regelmäßig mit Runtastic und bist mit deinem Adidas-Schuh schon 320 Kilometer gelaufen. So können wir dir mitteilen: Deine Schuhe sind abgelaufen, dieses wäre das Nachfolgemodell in deiner Größe und Lieblingsfarbe, möchtest du es mit 20 Prozent Rabatt direkt kaufen? ein Klick und du hast das neue Paar Schuhe am nächsten Tag vor der Tür. Das bringt uns etwas, Adidas und dem Endkunden auch.

Haben sich die Ziele von Runtastic mit dem neuen starken Eigentümer jetzt potenziert?

Nein, die Ziele sind gleich geblieben. Das ist auch mit der Adidas-Gruppe so abgestimmt, dass wir erstmal weitermachen wie bisher. Wir haben unsere Leute, unseren Plan, unsere Produkte. Mittelfristig können wir schauen, wo wir gemeinsam schöne Dinge machen können. Wir kommen von der digitalen Seite, sie von der physischen Seite der Sportwelt. Da kann es einiges Neues geben, weil wir so gut zusammenpassen.

Das heißt, der Standort Pasching und die Mitarbeiter bleiben?

Ja. Sagen wir so: Wir sind mitten in einem Marathon und es läuft ganz gut. Mit Adidas haben wir jetzt eben einen Powerriegel und neuen Schrittmacher bekommen.

Welche sind die unmittelbar nächsten Schritte?

Ich fliege Freitag Früh um sieben nach Amerika auf eine Pressetour. Wir launchen im September ein neues Produkt für Jedermann. Ende des Jahres kommt dann noch eine neue App, die für uns richtungsweisend sein wird. Mehr kann ich aber noch nicht verraten.

Ihre Geschichte klingt ein bisschen nach dem "American Dream", aber "made in Austria". Sind Sie der Beweis, dass auch von Linz aus alles möglich ist?

Zum Glück ist unsere Geschichte ein Zeichen. Wir Österreicher und Europäer sind immer eher pessimistisch und sehen Probleme. Da müssen wir noch viel ändern. Unsere und die nachkommende Generation denkt da schon anders und das ist wichtig. Wenn wir in Amerika sind, sehen wir immer wieder überraschte Gesichter, wenn wir erzählen, dass wir eine österreichische Firma sind. Aber die digitale Welt hat eben keine Grenzen. Das ist schön. Wir leben es vor und hoffentlich leben es viele andere Gründer nach.

Auf Ihrer eigenen Facebook-Seite und zum Beispiel auch jener von nachrichten.at regnet es Glückwünsche: Hätten Sie mit mehr Neid gerechnet?

Nicht mit Neid. Nur dass sich wieder alles nur um die Euros dreht. Das finde ich so dumm. Ich bin positiv überrascht, dass so viele Gratulationen kommen und die Leute erkennen, dass es für uns cool weitergeht. Und dass es cool ist für unsere Mitarbeiter, unser Umfeld und Österreich als Ganzes.

 

 

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Artikel Elisabeth Eidenberger 06. August 2015 - 16:21 Uhr
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