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17 Ermittler durchkämmen voestalpine-Büros in Linz

LINZ. Die Razzia der Kartellbehörden dauerte auch gestern noch an.

17 Ermittler durchkämmen voestalpine-Büros in Linz

Grobblechverkauf im Visier der Wettbewerbshüter Bild: voestalpine

Drei Mitarbeiter des deutschen Bundeskartellamtes, elf Kollegen der heimischen Bundeswettbewerbsbehörde sowie drei Beamte des Bundesamts für Korruptionsbekämpfung sind am Dienstag in der voestalpine in Linz "eingefallen". Auch am Mittwoch waren die Ermittler vor Ort, bestätigt der Unternehmenssprecher. Die heimischen Beamten leisten Amtshilfe, die Untersuchungen laufen auf Initiative der deutschen Behörde.

Ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss gaben die Beamten bekannt, welche Unterlagen sie sehen möchten, und gingen von Büro zu Büro, heißt es zur Vorgangsweise. Begleitet wurden sie vom firmeneigenen Werksschutz in Linz. Man kooperiere umfassend, so das Unternehmen.

Wie bereits berichtet, geht es um Grobbleche. Formal waren zwei Gesellschaften des Konzerns Ziel der Razzia, bestätigt das Bundeskartellamt. "Es gibt einen Anfangsverdacht für einen Kartellrechtsverstoß", teilen die Wettbewerbshüter mit. Welche Unterlagen gesucht werden und welche Zeiträume betroffen sind, wurde von keinem der Involvierten bekannt gegeben.

Überraschung war groß

Nachdem das Schienenkartell (siehe links) aufgedeckt worden war, hat die voestalpine eine intensive interne Untersuchung durchgeführt, ob es noch weitere illegale Absprachen gegeben haben könnte. Damals sei nichts gefunden worden, gab Konzernchef Wolfgang Eder im Anschluss bekannt. Entsprechend groß ist die Überraschung im Unternehmen jetzt.

Die deutschen Kartellwächter gaben bekannt, dass die Untersuchungen in Linz im Zusammenhang mit Durchsuchungen stehen, die in sieben Unternehmen in Deutschland zwischen 22. und 24. August durchgeführt wurden. Betroffen waren damals die Mitbewerber Salzgitter, ThyssenKrupp und Arcelor Mittal. Auch drei Privatwohnungen waren Ziel der Behörden.

Nach Schienen, Edelstahl und Autoblechen (Details ebenfalls links) geht es nun um die nächste Produktgruppe. Grobbleche sind mindestens drei Millimeter stark und werden vor allem im Druckbehälter- und Schiffsbau eingesetzt oder zu Tiefseerohren verarbeitet.

Insider vermuten, dass womöglich eine Durchsuchung des Bundeskartellamts in den Geschäftsräumen der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf die Ermittler auf neue Spuren gebracht hat. Laut deutschen Medien sind die Geschäftsräume der Interessenorganisation im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen Edelstahlhersteller bereits im Jänner durchsucht worden.

In Deutschland laufen mehrere Kartellverfahren im Zusammenhang mit den Stahlkonzernen. Im Juni wurden drei Auto-Zulieferer aus der Schmiedebranche untersucht. Auch den Stahleinkauf mehrerer Autokonzerne untersuchen die Bonner Wettbewerbshüter. 

 

Voestalpine im Fokus

2011 flog das Schienenkartell auf. Zehn Stahlunternehmen, die selbsternannten „Schienenfreunde“, haben über mindestens zehn Jahre in Deutschland Preise für Schienen und Weichen abgesprochen. voestalpine begehrte Kronzeugenstatus und zahlte später 14,9 Millionen Euro Bußgeld. Mit dem Großkunden Deutsche Bahn (DB und 50 Privatbahnen einigte man sich auf Schadenersatz. An die DB dürften etwa 50 Millionen Euro gegangen sein.

Beteiligt war das Unternehmen am europäischen Spannstahlkartell. Die Tochter Austria Draht musste 2015 eine letztlich reduzierte Strafe von 7,5 Millionen Euro zahlen.

Involviert ist der Konzern bei Kartellvorwürfen rund um Edelstahl. Dabei wurden jahrzehntelang Aufschläge für Legierungen ausgetauscht bzw. veröffentlicht. Die Ermittlungen laufen seit November 2015.

Im Februar 2013 fanden Hausdurchsuchungen unter anderem im Münchner Vertriebsbüro der voestalpine statt. Es gab den Verdacht über Preisabsprachen bei Lieferungen an Autokonzerne. Das Verfahren wurde im Dezember 2014 eingestellt.

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Artikel (sib) 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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