Ein „Dinosaurier“ ist die höchst lebendige und im Herzen junge Braucommune Freistadt nicht, auch wenn sie 1770 gegründet wurde und das einzige verbliebene Unternehmen mit dieser Rechtsform in Österreich ist. Sie beschäftigt 47 Mitarbeiter und macht gute Gewinne. 2010 ist sie um 500.000 Euro auf 7,5 Millionen Euro Umsatz gewachsen, und sie behauptet sich in ihrem Kerngebiet Mühlviertel, Linz, Wels und Steyr gegen den Platzhirsch Brau-Union/Heineken.
„Wir wollen klein, fein und vor allem regional sein“, sagt Braucommunen-Geschäftsführer Ewald Pöschko. Er ist seit 23 Jahren im Unternehmen. Derzeit ist er Herr über eine Baustelle. Denn auf dem historischen, 20.000 Quadratmeter großen Areal bleibt kein Stein auf dem anderen.
In das barocke Braugebäude kommt ein neues Sudhaus, ein selbst betriebener Braugasthof, eine „Bierothek“ mit Bier aus aller Welt, ein Braukeller, und der Empfang des künftig auf viel Besuch von Außen getrimmten Unternehmens. Die Landesausstellung 2013 „Hopfen, Malz und Cyberspace“ wird der Braucommune zusätzlich Wind geben. Denn das Land mietet das Gebäude als Ausstellungsherzstück an und stützt so EU-wettbewerbsfreundlich die Investition der Braucommune. So sagt das freilich niemand.
Die neue Logistikhalle und der ultramoderne Werksverkauf für Bier und Limonade sind bereits fertig. Ebenso das Heizhaus, zu dem später neben Gas noch Biomasse als Energieträger dazukommen wird.
„Wir müssen im vergangenen Vierteljahrhundert wohl das meiste richtig gemacht haben“, sagt Pöschko und freut sich über den OÖNachrichten-Pegasus in Silber in der Kategorie bis 49 Mitarbeiter. Die Regionalität spiegelt sich auch in den Rohstoffen wider. Der Hopfen kommt aus dem Mühlviertel; die jährlich 1500 Tonnen Braugerste sind aus dem Weinviertel. Dafür ist im Mühlviertel das Klima zu rauh.
Was die Braucommune als Rechtsform eigentlich ist? Das Eigentum ist bis heute an den Besitz von 149 Häusern in Freistadt gebunden und ist in Eimern Bier zu 56 Litern handelbar.
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