
„Eigentlich bin ich mit 70 in Pension gegangen“, sagt Erich Halatschek sen. Am 19. November wird er 86, und der „Herr Baumeister“, wie ihn seine Mitarbeiter nennen, sitzt noch immer jeden Tag im Büro. Das Tagesgeschäft erledigen freilich andere.
Doch Erich Halatschek hat viel zu tun: Post will erledigt werden, er sieht Anwesenheitslisten durch, telefoniert mit Geschäftsführern und besucht Baustellen. Zwischendurch gibt es Kaffee. Der wird immer mit einem Stück Kochschokolade serviert. „Denn das ist die beste“, sagt Halatschek.
Im Alter von 24 war der HTL-Absolvent Österreichs jüngster Baumeister. Ein Jahr später, 1950, übernahm er die 1913 von seinem Vater gegründete Baufirma mit damals 20 Mitarbeitern. Vater Vinzenz Halatschek musste aus Tschechien flüchten und fing in Oberösterreich neu an.
Heute ist die Habau Österreichs viertgrößter Baukonzern mit 6500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Dazwischen liegen viel Aufbauarbeit, der Einstieg der Familie Heindl (die heute 40 Prozent hält) und Hasardstücke, an die sich Erich Halatschek gerne erinnert.
Gelungene Hasardstücke
Eines ist der Bau des Bundesschulzentrums in Linz-Auhof. Habau bot damals um 70 Millionen Schilling billiger an als andere und bekam den Zuschlag. „Das geht sich nie aus“, unkten renommierte Konkurrenzfirmen. „Wir haben gut verdient, und diese Firmen gibt es nicht mehr“, sagt Halatschek.
Seine Philosophie ist es, die neuesten Baumaschinen zu haben. Das waren etwa der erste Turmdrehkran und Riesen-Caterpillars. „Die Geräte sind mehr geworden und auch die Arbeit“, freut sich Halatschek.
Als die Bezirkshauptmannschaft Perg gebaut wurde und sechs Wochen für den Aushub veranschlagt wurden, erledigte dies Habau an einem Tag. Als in der Voest eine Schlackenhalde zu entfernen war, wurde zuerst erfolglos gesprengt. Ein Habau-Riesenbagger brachte den Erfolg und viele Folge-Aufträge, darunter Bauarbeiten für das Stahlwerk in Slobin in Russland.
Auf Messers Schneide stand die Habau-Existenz bei Arbeiten für eine OMV-Gaspipeline vom Waldviertel durchs Mühlviertel bis an die bayerische Grenze. 1000 Meter waren pro Tag zu schaffen. Doch der Granit bremste. Trotz der Hilfe von 30 Steinmetzen aus dem Steinbruchunternehmen Poschacher (wo Halatscheks Schwager und Partner Georg Heindl Direktor war) schaffte Habau nur 100 Meter pro Tag.
Pönale wurde Bonus
Die Pönale von einer Million Schilling pro Tag drohte Habau zu ruinieren. Mit viel Geschick erwirkte Halatschek ein Okay für eine Sprengung. Der Stein zerbröselte, die Pönale wurde in eine Belohnung umgewandelt. Habau kassierte sieben Millionen Schilling.
Viel gearbeitet hat Erich Halatschek, verheiratet mit Gattin Ilse, immer. Das Paar hat drei Kinder. Sohn Erich Halatschek (51) ist der Aufsichtsratsvorsitzende von Habau, Sohn Peter (48) ist der Syndikatssprecher und Tochter Isa Haller ist Schauspielerin und lebt in Wien und Los Angeles.
Erich Halatschek hat ein Gespür für die Leut‘ und auch fürs Leben. Der passionierte Jäger liebt seinen Stammtisch, gutes Essen und ist Hobbykoch für Hausmannskost. In seinem Büro steht ein Kühlschrank mit Wein, den er gerne auch mit Mitarbeitern genießt.
Denn eines hat er sich nach Jahren der Kriegsgefangenschaft bei den Franzosen und Amerikanern geschworen, und das ist zu seinem Leitspruch geworden: „Lass dir nichts abgehen, was Gott dir schenkt, und nimm es – aber ohne Gaunerei.“
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