08. Juni 2017 - 00:04 Uhr · Dietmar Mascher · Pegasus

Pegasus für Lebenswerk geht an Peter Greiner

"Ich war nie ein Patriarch"

Peter Greiner (75): "Ich habe Leute befördert, die vielleicht nicht top ausgebildet waren. "Das wurden Spitzenkräfte" Bild: VOLKER WEIHBOLD

KREMSMÜNSTER. Peter Greiner hat den Greiner-Konzern internationalisiert und groß gemacht. Dafür erhielt er den Pegasus für sein unternehmerisches Lebenswerk.

"Wir waren immer ein internationales Unternehmen. Klein, aber international", sagt Peter Greiner. Groß und international wurde der Konzern aber unter seiner Führung. Der Unternehmer und Manager machte die Kremsmünsterer Unternehmensgruppe zu einem globalen Spieler und zu einem Spezialisten für Schaumstoff, Kunststoff-Verpackungen und medizinische Produkte. Dafür wurde er mit dem Kristall-Pegasus 2017 für sein unternehmerisches Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Firma Greiner blickt auf eine lange Tradition zurück. 1868 im deutschen Nürtingen von Carl Albert und Emilie Greiner gegründet, wurde zunächst ein Greißlerladen geführt, in dem Soda-Flaschen verkauft wurden, die mit Korkstopfen verschlossen waren. Kork bestimmte quasi das erste Jahrhundert der Unternehmensgeschichte. 1878 wurde bei der Weltausstellung in Paris eine Korkschneidermaschine erworben.

Greiners Großvater wanderte 1899 nach Kremsmünster aus, um dort eine Firma zu gründen. Neben Deutschland und Österreich gab es noch eine kleine Tochterfirma in Spanien.

Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde Greiner entnazifiziert, Peter Greiners Vater wurde mit der Führung des Unternehmens beauftragt. Sohn Peter studierte zuerst Welthandel in Wien, arbeitete ein Jahr bei Dynamit Nobel und drei Jahre bei IBM. "Ich habe dort Computer mit 16 K Kernspeicher verkauft, mit Lochkarten. Diese Geräte kosteten zwei Millionen Schilling (140.000 Euro). Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Und auch manches gesehen, was ich so nicht machen wollte", erinnert sich Peter Greiner, der am 6. Juni seinen 75. Geburtstag gefeiert hat.

Vom Kork zum Kunststoff

1972 kehrte Greiner ins Familienunternehmen zurück und erhielt ein Jahr darauf Prokura. Davor hatte das Freihandelsabkommen GATT in Österreich der Korkenproduktion die Konkurrenzfähigkeit entzogen, weil Schutzzölle wegfielen. Greiner expandierte daraufhin im Schaumstoffbereich, kaufte Spritzgussmaschinen und produzierte verschiedenste Produkte. Zunächst aber ohne umfassende Strategie. Es wurden Jog–hurtbecher, Verschlüsse und Laborbedarf hergestellt.

Peter Greiner brachte Struktur ins Unternehmen, übernahm 1983 eine Semperit-Tochter und nutzte mit "tollen Mitarbeitern die Chancen in den jungen Demokratien in Mittel- und Osteuropa". Mitte der Neunzigerjahre führte er auch die beiden Familienstränge in Deutschland und Österreich zusammen. Greiner Österreich übernahm dabei die Führung.

Noch immer in Familienbesitz

Bis heute ist Greiner in Familienbesitz. Einmal war daran gedacht, den Medizintechnik-Spezialisten Greiner Bio-One an die Börse zu bringen. Doch die Präsentation des Konzepts bei den Banken war für 11. oder 12. 9. 2001 anberaumt. Die Banken bekamen kalte Füße. "Heute bin ich nicht unfroh. Börsefirmen neigen manchmal zu sehr ungewöhnlichen Aktionen und Zukäufen, die in Krisenzeiten negative Folgen haben."

Er dagegen habe Krisenjahre stets als Chance gesehen und gut verdient. "Zinsen, Strom und Rohstoffe waren billig, die Fluktuation niedrig. Wenn die Struktur passt, kann man gute Ergebnisse erzielen", sagt Greiner, der bis 2002 die Geschicke des Konzerns führte und sich dann in den Aufsichtsrat zurückzog. 2009 übernahm er für ein Jahr wieder den Vorsitz und bereitete den Konzern auf einen externen Vorstand vor. Heute führt Axel Kühner den Greiner-Konzern.

Und was sind die Erfolgsgeheimnisse des Peter Greiner? "Ich war nie ein Patriarch, sondern habe demokratische Prozesse zugelassen und damit auch Motivation. Und ich habe Leute, die vielleicht nicht top ausgebildet waren, aber hungrig, befördert und Verantwortung übertragen. Das wurden Spitzenkräfte."

 

Die Greiner-Gruppe

Die Greiner-Gruppe, ein Familienunternehmen mit Sitz in Kremsmünster, wird nächstes Jahr 150 Jahre alt. Sie beschäftigt heute fast 10.000 Mitarbeiter an 130 Standorten weltweit. Die Gruppe ist in vier Divisionen aufgeteilt: Greiner Packaging (Kunststoffverpackungen, Greiner Foam (Schaumstoff), Greiner Bio-One (Medizinprodukte) und Extrusion (Kunststoffprofile).

Die Gruppe setzte 2016 1,48 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Cashflow von 148 Millionen Euro. Der Holding-Vorstand besteht aus Axel Kühner und Hannes Moser (Finanzen).

 



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Pegasus 2017: Das sind die Gewinner

Peter Greiner, Lenzing AG, Loxone, Fitness Company, Andrea Lehner und hoffnungsvolle Jungunternehmer sind die Gewinner des 24. Pegasus. Gestern, Mittwoch, wurden die Sieger des wichtigsten Wirtschaftspreises des Landes bei der Galanacht im Linzer Brucknerhaus ausgezeichnet.

Mehr als 300 Einreichungen langten auch heuer wieder bei den OÖNachrichten ein. Die Bewerber bilden die wirtschaftliche Elite des Landes ab und zeigen, dass neben großartigen Leitbetrieben auch eine Reihe von Klein- und Mittelbetrieben und innovativen Jungunternehmern das wirtschaftliche Rückgrat für den Wohlstand in Oberösterreich bilden.

Gemeinsam mit ihren Partnern Raiffeisen Landesbank, Land Oberösterreich, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung Oberösterreich sowie KPMG zeichnen die OÖNachrichten seit 1994 die besten Unternehmen des Landes aus.

Live-Wahl bei der Gala

Fast 700 Besucher ließen es sich bei der Galanacht der Wirtschaft auch nicht entgehen, aus drei nominierten jungen Unternehmen live die Nummer eins zu wählen. Wer letztlich gewonnen hat – Pixelrunner, Evotech oder der Müslibär –, lesen Sie morgen in den OÖNachrichten. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gratulierten.

Mehr über den Pegasus lesen und sehen Sie heute auf nachrichten.at und morgen in den OÖNachrichten.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/pegasus/Pegasus-fuer-Lebenswerk-geht-an-Peter-Greiner;art155990,2589617
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