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Interview: "Das Gefühl, nutzlos zu sein"

Brigitte C. (Name geändert) ist 48 Jahre alt. Im März 2012 wird sie drei Jahre lang arbeitsuchend sein. Dabei hat die alleinstehende Frau 23 Jahre Bankerfahrung.

Als sie 2006 von Teilzeit auf Vollzeit aufstocken wollte, dachte sie sich: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich nutze die Chance und wechsle den Arbeitgeber.“ Doch dann hat es nicht mehr geklappt.

OÖN: Wie kommt es, dass Sie schon drei Jahre ohne Job sind?

Brigitte C.: Nach dem Abgang aus der Bank hatte ich drei verschiedene Jobs als Chefsekretärin. Leider hat das alles nicht gepasst.

OÖN: Wie oft haben Sie sich beworben?

Brigitte C.: Das kann ich gar nicht mehr sagen. Unzählige Male, Blindbewerbungen bei Firmen, Vermittlungen des Arbeitsmarktservice, über Leasingfirmen.

OÖN: Warum glauben Sie, sind Sie erfolglos?

Brigitte C.: Offiziell höre ich, dass ich überqualifiziert bin. Der wahre Grund ist, dass ich zu alt und zu teuer bin. Dabei stelle ich keine Gehaltsforderungen. Aber der Kollektivvertrag ist für mich aufgrund meiner Berufserfahrung höher als für junge Frauen. Doch dafür sind die Firmen nicht bereit, zu zahlen. Ich bin nicht mehr vermittelbar.

OÖN: Wovon leben Sie?

Brigitte C.: Ich bekomme Notstandshilfe. Weil ich früher gut verdient habe, sind das rund tausend Euro.

OÖN: Wie beschäftigen Sie sich?

Brigitte C.: Ich habe heuer einen Online-Kurs gemacht, dafür habe ich auch gelernt. Ich bin ehrenamtlich im Sozialbereich tätig. Das gibt mir viel.

OÖN: Wie sehr belastet Sie die Arbeitslosigkeit?

Brigitte C.: Irgendwann verliert man den Selbstwert. Man hat das Gefühl, nutzlos zu sein. Das Risiko, depressiv zu werden, steigt. Das bringt Probleme in der Gesellschaft und in der Familie.

OÖN: Was tut das AMS?

Brigitte C.: Prinzipiell ist man dort bemüht. Doch jetzt sollte ich in einem Sozialprojekt, also auf dem zweiten Arbeitsmarkt, in einer Küche zu arbeiten beginnen. Alleine diese Vorstellung ruinierte mein letztes Selbstwertgefühl, sowie meine Würde und dies verstärkte ein Gefühl der Minderwertigkeit.

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Dieser Frau kann man nur den Rat geben, · von susisorgenvoll (1434) · 30.12.2011 14:38 Uhr

den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Es gibt mit Sicherheit KMUs, die manche Arbeiten gerne auswärts vergeben! Als ehemalige Bankangestellte und Chefsekretärin hat sie mit Sicherheit viele Qualifikationen, die KMUs oft suchen, aber aus finanziellen Erwägungen keine Vollzeitkraft einstellen! Die zu tätigenden Investitionen (IT, Werbung etc.) sind überschaubar! Ich bin überzeugt, dass das Selbstwertgefühl dann wieder rapide in die Höhe geht. Als ersten Schritt würde ich mich an Frau in der Wirtschaft wenden! Nur so eine Idee ....

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detto · von Ank (2) · 03.01.2012 14:10 Uhr

Den Rat mit der Selbstständigkeit verstehe ich, nur ist es nicht ganz so einfach. Jemand der immer als Angestellter gearbeitet hat muß erst lernen wie er seine Fähigkeiten als Selbstständiger zu Geld machen kann. Und der erste Schritt ist es eine Geschäftsidee zu haben, dann dafür zahlende Kunden zu finden. Dann gibts auch noch rechtliche Aspekte. Leider ist das AMS damit ausgelastet sinnfreie Bewerbungskurse an Top ausgebildete zu vergeben anstatt Kundenspezifisch Hilfestellung zu bieten.
Und wenn man dann mal mehr als 6 Monate ohne Job ist sagt sich jeder Personaler, ich probiere lieber was junges. Die sind billiger, biegsamer und leichter auszutauschen...
Ein Teufelskreis

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Artikel 30. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
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