Man sollte nicht mit allzu großen Erwartungen in diesen Film gehen. Ein Aufklärungsfilm soll es sein, hat der Regisseur Erwin Wagenhofer im OÖN-Gespräch gesagt.
Aufgeklärt wird wenig bis gar nichts. Es wird eher angeprangert, und das nicht zu knapp. Teilweise tun dies die Protagonisten selbst: Der Fonds-Manager Mark Mobius aus Singapur macht das ebenso wie der österreichische Unternehmer Mirko Kovats mit kernigen Aussagen, wie man sie von Erzkapitalisten erwartet.
Dafür hätte Wagenhofer aber nicht extra nach Singapur reisen müssen. Was Mobius zu sagen hat, hört man auch von österreichischen oder deutschen Fonds-Managern. Aber Mobius und Kovats hat Wagenhofer offenbar bewusst ausgesucht. Sie entsprechen dem Klischee-Bild kaltschnäuziger, herzloser Kapitalisten.
Nur kurz blitzt das auf, was man sich von diesem Film erwartet: fundierte Kritik am Finanzsystem, vorgebracht von einem, der sich auskennt. Das ist etwa dann der Fall, wenn der deutsche Private-Equity-Manager Anton Schneider zu Wort kommt. Der beschreibt die verheerende Wirkung seiner Branche in vielen Unternehmen.
Schneider kommt aber nur kurz zu Wort, dafür darf der SPD-Abgeordnete im Deutschen Bundestag, Hermann Scheer, ausführlich den Kapitalismus kritisieren. Zur Aufklärung, warum das Finanzsystem kollabiert ist, kann der Politiker ebenso wenig beitragen wie ein britischer Entwicklungsökonom, der alte Argumente gegen das globalisierte Finanzsystem vorbringt. Freilich sind diese Argumente zwar alt, aber trotzdem richtig.
Das ist genau das Dilemma dieses Films. Wagenhofer hat sich das richtige Thema gestellt, an der Umsetzung ist er weitgehend gescheitert. Zu wenige wirkliche Insider kommen zu Wort, zu viel Meinung und Propaganda erschlagen die wenigen Passagen im Film, die wirklich aufklären.
Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass Wagenhofer schlicht versucht hat, das Erfolgsrezept seines Films „We Feed the World“ aus dem Jahr 2005 noch einmal anzuwenden. Der war wirklich eindrucksvoll, aber nicht jedes Thema lässt sich auf diese Art bearbeiten.
OÖN-Bewertung:
Regisseur: Erwin Wagenhofer
Darsteller:
Land: A
Kategorie: Dokumentation, N
Altersfreigabe: 1
Länge: 0 min.
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