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Infineon verkauft Handysparte an Intel: Österreich nicht betroffen

WIEN/MÜNCHEN. Riesendeal in der Computerbranche: Der Münchner Chiphersteller Infineon verkauft den Großteil der Handychipproduktion (Sparte Wireless Solutions, WLS) an Branchenprimus Intel, die Österreich-Geschäfte von Infineon sind davon aber nicht betroffen.

Der in Villach tätige Handychipbereich bleibt bei Infineon, erklärte Montagnachmittag Infineon-Chef Peter Bauer. Insgesamt gibt es in Österreich 2.650 Beschäftigte bei dem deutschen Technologiekonzern. Neben Intel waren auch Broadcom und Samsung Electronics als Käufer im Gespräch.

Hamburger statt Weißwurst

Arvind Sodhani, Vizechef von Intel, betonte, dass die Länderniederlassungen, die an Intel gehen, samt ihrer Mitarbeiter übernommen werden. Sodhani kündigte eine Offensive für die nächste Mobilfunkgeneration LTE an, für die in Österreich bei den Handynetzbetreibern bereits Pilotversuche laufen. Den Kauf der Sparte WLS hatten sich die Amerikaner 1,4 Mio. Dollar in Bar kosten lassen. Zum Abschluss der Pressekonferenz in München gab es jedenfalls schon mal eine Einstimmung auf den neuen Eigentümer: Statt Weißwürsten gab es für die Journalisten Hamburger.

Vom Verkauf betroffen sind rund 3.400 Mitarbeiter, davon 1.600 in Deutschland. Sodhani hielt vor Journalisten fest, dass jene Bereiche, die zu Intel gehen, eigenständig gehalten werden, inklusive eigenem Vertriebsteam. Das Closing des Deals wird für Anfang 2011 erwartet. Damit ist die wechselvolle Geschichte von Infineon um eine Facette reicher. 1999 aus dem Halbleitergeschäft des Elektrokonzerns Siemens entstanden, gingen die Deutschen im Jahr 2000 an die Börse. Es folgten tiefe Täler, Querelen, Streit und hohe Verluste. Derzeit laufen die Geschäfte für den Dax-Konzern allerdings glänzend. Nach den Krisenjahren profitiert das Unternehmen von der anziehenden Nachfrage und steuert für das am 30. September endende Geschäftsjahr auf einen Gewinn zu. Für das Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit einem Umsatz von bis zu 4,5 Mrd. Euro.

"Wachstum in Kernsegment"

Bauer sprach heute zum geplanten Verkauf der Handysparte von einer strategischen Entscheidung, um die führende Position des Konzerns in den Märkten für Automobil-, Industrie- und Sicherheitstechnologien auszubauen. Nun könne man Ressourcen "ganz auf starkes Wachstum in unseren Kernsegmenten" konzentrieren. WLS sei "in einer exzellenten Position, um mit dem neuen Eigentümer weiter zu wachsen", sagte Bauer. Intel passe "ideal zu diesem Geschäft".

WLS erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 konzernweit knapp 920 Mio. Euro Umsatz. Für das laufende Geschäftsjahr 2009/10, das am 30. September endet, hat Infineon einen Spartenumsatz von mehr als 1,1 Mrd. Euro veranschlagt, was knapp einem Drittel des Konzernumsatzes entspricht. Weltweit zählt sich WLS zu den drei größten Anbietern.

Infineon Technologies Austria mit Sitz in Villach, Forschungs- und Entwicklungszentren in Villach, Graz und Linz sowie der IT-Services GmbH in Klagenfurt und einem Sales-Office in Wien generierte im Geschäftsjahr 2009 (Ende September) einen Gesamtumsatz von 903,2 Mio. Euro (inklusive Comneon bis 31.Dezember 2008 und DICE) und beschäftigt österreichweit rund 2.550 Mitarbeiter, davon circa 960 in Forschung und Entwicklung.

Der künftige Infineon-Konzern mit gut 23.000 Mitarbeitern bietet noch Chips für die Automobilwirtschaft und die Industrie sowie Sicherheitshalbleiter für Bankkarten und Ausweisdokumente an. Der Umsatz des Rumpfunternehmens wird je nach Geschäftsentwicklung noch gut 3,3 Mrd. Euro betragen. Die Autozuliefersparte und der Industriebereich sind mit Jahresumsätzen von jeweils mehr als 1,2 Mrd. Euro in etwa gleich groß, das Chipkartengeschäft mit gut 400 Mio. Euro deutlich kleiner. In den verbleibenden drei Geschäftsfeldern betrachtet sich Infineon jeweils als Weltmarktführer.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 30. August 2010 - 14:03 Uhr
nachrichten.at (cs)
Bild vergrößern Infineon lebt mit iPhone-Manie auf

Infineon-Werk Villach  Bild: apa

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