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Braunshofer im OÖN-Interview: „Wollen für Tirol die bessere Option sein“

WELS. Die Bergland-Molkerei feile an Produkten mit höherer Wertschöpfung und an einer Fusion mit Tirol Milch, sagt Generaldirektor Josef Braunshofer im Interview.

OÖN: In Deutschland fusionieren Nordmilch und Humana zu einer Molkerei mit vier Milliarden Euro Umsatz und 6,6 Milliarden Kilo Milchverarbeitung im Jahr – mehr als das Doppelte der gesamten österreichischen Milchwirtschaft.

Braunshofer: Österreich ist nirgendwo bei den Größten. Im Lebensmittelbereich kommt uns das eher zugute. Wir betonen unsere Produkte aus bäuerlicher Landwirtschaft. Je größer andere werden, desto mehr können wir das herausstreichen: bäuerliche versus industrielle Landwirtschaft. Wir müssen nur die Konsumenten ersuchen, genau hinzuschauen.

OÖN: Die Bergland-Genossenschaft ist mit gut 600 Millionen Euro Umsatz und 940 Millionen Kilo Milch im Jahr bei den Großen. Für Spezialitäten zu groß, fürs Massengeschäft zu klein?

Braunshofer: Spezialitäten definieren sich nicht über Größe. Die kauft man, weil sie so gut sind. Anfang September wird in Rohrbach der erste Mühlviertler Quargel erzeugt, der erste rein österreichische. Das ist eine Spezialität, von Schärdinger. Wir sind nicht zu groß. Für Spezialitäten braucht man so viel Größe, damit man es sich als Unternehmen leisten kann.

OÖN: Riesen wie Danone erreichen mit ihren Produkten eine enorme Wertschöpfungstiefe. Wird hier auch Bergland besser?

Braunshofer: Die Wertschöpfungstiefe zu steigern, ist immer erstrebenswert. Wir haben seit vier Jahren keinen Liter Milch mehr unverarbeitet. Wir veredeln also die gesamte Milchanlieferung. Das ist besser für unsere Bauern. Bei der Verarbeitungstiefe ist Danone sicher Vorbild. Wir gehen ganz stark auf die Herkunft der Milch. Das ist bei Danone kein Thema.

OÖN: Österreichs Milchwirtschaft hat beachtliche 40 Prozent Exportquote. Pro Kilo werden im Schnitt jedoch nur 42 Cent erlöst.

Braunshofer: Weil andere Rohmilch ausführen. Das ist für uns kein Thema. Wir erhöhen die Wertschöpfung, indem wir statt Gouda im Block Moosburger exportieren. Oder Bio-Milch. Oder Bio-Quargel. Im Export tut sich immer etwas, und man ist nie fertig. Wir werden deshalb 2011 zwei Millionen Euro in Feldkirchen investieren.

OÖN: Wieso bringt Bergland jetzt Mozzarella, nachdem dieser Käse seit zehn Jahren im Trend liegt?

Braunshofer: Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Die Kreation des ersten österreichischen Mozzarellas war nicht der erste Punkt unserer Hausaufgaben. Die Rückmeldungen auf unseren Mozzarella freuen mich. Ich erinnere an diverse Lebensmittelskandale. Wir geben nun den Konsumenten auch bei Mozzarella die Sicherheit unserer Marke Schärdinger.

OÖN: Die Bergland Genossenschaft soll noch größer werden, durch eine Fusion mit Tirol Milch. Welche Vorteile bringt das?

Braunshofer: Was vereint uns mit Tirol Milch? Wir haben die gleichen Eigentümer – nur Milchbauern. Es gibt keine anderen Interessen als die der Bauern. Zweitens: Wir haben bei der Fusion mit Landfrisch Wels die Synergien gesehen. Wir können sie auch bei Tirol Milch gemeinsam mit den Eigentümern finden.

OÖN: Ist die Entscheidung gefallen?

Braunshofer: Unsere Botschaft an die Tiroler Bauern: Wir sind ein Markenartikelunternehmen. Wir wissen, was die Marke Tirol Milch bedeutet. Wir würden sie pflegen, mit dem Ziel, einen möglichst guten Milchpreis zu erzielen. Es wird verhandelt. Dann werden die Mitglieder und die Entscheidungsträger in Tirol informiert.

OÖN: Gibt es noch einen Konkurrenten?

Braunshofer: Ich entnehme den Medien, dass Tirol Milch alle Optionen prüft. Das ist gut so. Das war auch im Vorjahr bei Landfrisch so. Wir strengen uns an und wollen die bessere Option sein.

OÖN: Der Bauernmilchpreis ist heuer gestiegen, den Bauern aber zu wenig.

Braunshofer: Ein möglichst hoher Milchpreis ist immer das Interesse der Bauern. Er definiert sich aus der Wertschöpfung eines Molkereibetriebes, und die hängt davon ab, was er am Markt erzielt. Ob mehr drin ist, wird sich im Herbst bei den Verhandlungen mit dem Handel zeigen.

OÖN: Kann es einen Absturz wie 2009 geben?

Braunshofer: In diesem Markt lässt sich nichts ausschließen. Wir müssen die Produktpalette so ausrichten, dass wir die Volatilität weniger spüren. Das gelingt mit Produkten mit hoher Verarbeitungstiefe. 2009 hat die EU mit Intervention Ware vom Markt genommen. Das Geld war gut angelegt, denn Zusammenbrüche helfen niemandem.

Kommentare
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Artikel 11. August 2010 - 00:04 Uhr
Von Josef Lehner
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Josef Braunshofer  Bild: VOLKER WEIHBOLD

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