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„Es ist derzeit fast unmöglich, die Wünsche der Autobauer zu erfüllen“

SPITAL. Rudolf Mark, Eigentümer des Autozulieferers Mark Metallwaren und Beiratssprecher des oö. Auto-Clusters, spricht im OÖN-Interview über die unerwartet rasche Erholung der heimischen Zulieferindustrie.

OÖN: Die Autohersteller vermelden täglich neue Absatzrekorde und erhöhen ihre Gewinnprognosen. Spüren das die heimischen Zulieferer schon?

Mark: Der Auto-Cluster in Oberösterreich ist wieder im Aufwind. Das ist eindeutig und durchgehend. Die meisten Zulieferer haben das Niveau von vor der Krise wieder erreicht. Und einige haben es schon deutlich übertroffen. Mark Metallwaren zum Beispiel ist derzeit um 15 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Jahres 2008 und 50 Prozent über jenem des Vorjahres.

OÖN: Ist das zu schaffen, es wurden ja durchgehend Kapazitäten reduziert?

Mark: Wir haben einen Auftragsstand, der ist sensationell hoch. Dieses Niveau macht es fast unmöglich, die Lieferwünsche der Autohersteller zu erfüllen. Es hat in der Krise zwar jeder versucht, seine Leute so gut es ging zu halten – etwa durch Kurzarbeit. Dennoch hat letztlich jeder Kapazitäten abgebaut.

OÖN: Haben die Zulieferer ausreichend Rohstoffe, um die Aufträge zeitgerecht abwickeln zu können?

Mark: Es gibt Probleme bei der Materialbeschaffung, die teilweise dramatisch sind: Bei Mark Metallwaren verarbeiten wir sehr viele Nirostableche. Derzeit haben wir eine Lieferzeit von 26 Wochen, vor einem Jahr waren es sechs Wochen.

OÖN: Hat denn niemand mit dieser raschen Erholung gerechnet?

Mark: Nein, dass es so schnell geht, nicht.

OÖN: Wie nachhaltig ist diese enorme Nachfrage? Ist Vorsicht geboten?

Mark: Jeder ist gut beraten, wenn er sehr vorsichtig ist und die Bodenhaftung nicht verliert. Schon im zweiten Halbjahr wird die Dynamik nachlassen – auf ein vernünftiges Maß.

OÖN: Gibt es ein ausreichendes Maß an Flexibilität seitens des Gesetzgebers, um ein derartiges Auf und Ab bewältigen zu können?

Mark: Wir würden uns wesentlich mehr Flexibilität wünschen.

OÖN: Woran denken Sie?

Mark: Ein Arbeitszeitkonto von plus/minus 80 Stunden ist zu wenig, wir bräuchten das Doppelte. Zudem müsste der Durchrechnungszeitraum von einem auf eineinhalb Jahre erhöht werden.

OÖN: Welche Lektion haben die Zulieferer aus der Krise gelernt?

Mark: Es wurde und wird die Autolastigkeit verringert. Es wird aber keiner die Autoindustrie komplett verlassen, weil sie sehr hochwertig ist. Notwendig ist zudem, die Autobauer gemeinsam – etwa als Cluster – auf eine Veränderung beim Bestellverhalten zu drängen, damit nicht mehr das gesamte Risiko beim Zulieferer liegt und sie nicht mehr stornieren können, wie sie wollen. Gelernt haben wir drittens, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, es sollte also jeder einen Plan B in der Tasche haben.

OÖN: War nicht auch die einseitige Orientierung nach Deutschland ein Problem?

Mark: Eindeutig. Wir müssen schauen, wie wir die Kundenbasis verbreitern können. Ein Zugang zur französischen Autoindustrie und den asiatischen Herstellern, die sich in unseren östlichen Nachbarstaaten angesiedelt haben, muss im Vordergrund stehen.

OÖN: Hat sich durch die Krise das Verhältnis Hersteller – Zulieferer verändert?

Mark: Es ist den Herstellern in dieser Zeit zum ersten Mal richtig bewusst geworden, wie abhängig er von seinen Zulieferern ist. Die Zukaufleistung beträgt ja bis zu 70 Prozent. Die großen Kunden haben daher ein Frühwarnsystem installiert, wo sie sich mit den Geschäftszahlen ihrer Zulieferer befassen. Gezwungenermaßen wurde das Verhältnis etwas partnerschaftlicher, am Dirigentenpult stehen aber immer noch die Hersteller – und das Orchester der Zulieferer muss dem Dirigenten folgen.

Kommentare
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Artikel 31. Juli 2010 - 00:04 Uhr
Von Clemens Schuhmann
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Die Autoproduktion läuft auf Hochtouren, was die Zulieferer freut.  Bild: dpa

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