LINZ. Die mehr als 1600 Aktionäre, die gestern ins Linzer Design Center zur Hauptversammlung der voestalpine AG wollten, mussten an einer kleinen und angemeldeten Demonstration des Bündnisses „Stop the bomb“ vorbei. Zehn Aktivisten warnten vor dem Haupteingang mit Transparenten davor, mit dem Regime im Iran Geschäfte zu machen.
Und gänzlich ohne Auffälligkeiten wäre die diesjährige Fragerunde der Investoren verlaufen, hätte nicht eine Aktivistin zumindest eine voest-Aktie gehabt: Sie wollte einiges über die Geschäfte mit dem Iran wissen.
Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder legte offen: 64,5 Millionen Euro (von 8,6 Milliarden) betrug zuletzt das Geschäftsvolumen mit dem Iran. Geliefert würden Grobbleche, Schienen, Weichen sowie Edelstahl. Dieser steht in der Kritik der Demonstranten, die eine Verwendung für Atom- und Raketenprogramme unterstellen. Eder: „Jede Lieferung wird einzeln genehmigt.“
Auch andere für den Konzern unangenehme Themen kamen kurz aufs Tapet: Die Spanndraht-Kartellvorwürfe der EU. Eder dazu: „Wir fühlen uns zu unrecht verurteilt.“ Dann eine Veruntreuung in Donawitz, mit einem Schaden von fast 500.000 Euro, die noch gerichtsanhängig ist.
Weiterer Diskussionspunkt waren die Vorstandsgehälter, die im Geschäftsbericht erstmals namentlich ausgewiesen sind. Da es für das Krisenjahr Bonuszahlungen gibt, fragte Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger, was passieren müsse, damit diese ausfielen. Aufsichtsratschef Joachim Lemppenau: „Kein Gewinn.“ Positiv für die sechs Vorstände habe sich der erstmals erreichte freie Cashflow von mehr als einer Milliarde Euro ausgewirkt.
Eder war in seinem Ausblick optimistisch: Die Divisionen Stahl und Bahnsysteme laufen unter Volllast, in den anderen Bereichen seien die Anlagen zu 90 Prozent ausgelastet. „Wir haben ein sehr solides Bild. Dieses sollte zu einer sehr deutlichen Ergebnissteigerung führen.“ Ob diese 20, 30 oder 50 Prozent betragen werde, hänge von der weiteren Entwicklung der zuletzt steigenden Rohstoffpreise ab.
Beschlossen wurde die Auszahlung von 50 Cent Dividende, das ist eine Halbierung gegenüber dem Vorjahr. (sib)
Polizei befürchtet Ausschreitungen rund um Linzer Burschenbundball
Grasser-Freund Muhr will Dachstein-Quelle vermarkten
Rieds größter Vorteil: „Heuer ist die Angst vor dem Titel weg“
Regierung packt im Endspurt noch Überraschungen ins Sparpaket