Warsih erweiterte mit einem Mikrokredit ohne Banksicherheiten ihren Laden. Bild: uru
„Mein Geschäft geht sehr, sehr gut“, lächelt Warsih verlegen, wobei ein Schimmer Stolz ihr Gesicht überfliegt. Ihren kleinen Gemischtwarenladen im Dorf Cicades, im Westteil der indonesischen Insel Java inmitten tropischer Wälder, hat die 50-Jährige vor kurzem um ein paar Quadratmeter ausgebaut.
Ihr Verdienst ist unverzichtbar, um die Familie zu ernähren, denn ihr Mann, der bei der indonesischen Lenzing-Tochter SPV gearbeitet hat, ist mit 60 Jahren jetzt in Pension und arbeitet für einen Mini-Lohn weiter, auf dem Reisfeld. Pension gibt es keine. Die Abfertigungszahlung reicht auch nicht ewig.
Warsih ist eine von 70 lokalen Klein-Unternehmern wie Ziegelhersteller oder Automechaniker, die das Angebot von SPV genutzt haben, mithilfe eines Mikrokredits in ihr „Business“ zu investieren. Von der Bank hätten sie schwer einen Kredit bekommen. SPV jedoch vertraut ihnen (freilich nach Erkundigungen in der Nachbarschaft), gewährt ihnen ohne Sicherheiten Kredite von 50 bis 500 Dollar und bekommt die Gelder allesamt zurück, erzählt die Koordinatorin Titi Hidayatun. Warsih zahlt monatlich zehn Dollar ihres Mikrokredits zurück. Ehrensache.
„Handschlag-Qualität zählt hier noch“, sagt Daniel Benesch, Leiter der Indonesien-Niederlassung des Brückenbauers Waagner Biro. Auch im großen Geschäft seien die Chancen trotz Krise nach wie vor „wirklich gut“. Wer sich als Unternehmer in dieses Land wage, werde belohnt.
Freilich ist Indonesien ein schwieriges Land. Es mangelt an Infrastruktur, die Korruption durchzieht den gesamten Behördenapparat, das Durchschnittseinkommen liegt bei 200 Dollar im Monat. „Doch es gibt einen klaren Willen, die Korruption zu bekämpfen“, sagt Wolfram Kalt, Leiter des Lenzinger Faserwerkes in Purwakarta. Der Kampf der politischen Reformer ist zäh. So mussten sie den diese Woche erzwungenen Abtritt der fortschrittlichen Finanzministerin Sri Mulyani, die zur Weltbank wechselte, hinnehmen.
Stabiles Wachstum
Doch die seit zwölf Jahren herrschende Demokratie hat das Investment-Klima attraktiv gemacht, Indonesien gilt als sicher und ist aufgestiegen in die Runde der wichtigsten 20 Wirtschaftsnationen (G20). Mit 4,5 Prozent Wachstum 2009 verzeichnete Indonesien eine der höchsten Wachstumsraten Asiens. Auch heuer werden es mindestens sechs Prozent, sagt Hermann Ortner, österreichischer Handelsdelegierter in Jakarta.
Riesige Summen will die Regierung in den Ausbau der Stromnetze und Verkehrswege (Bahn und Straße) investieren – für Österreichs Firmen ein Aufruf, sich in diesem „versteckten Juwel“, wie es Österreichs Botschafter Klaus Wölfel formulierte, einmal genauer umzusehen.