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Hat die Schweiz ihre Unschuld verloren?

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Bild: Reuters

Bis zu 400 Millionen Euro sollen jene 1600 deutschen Steuerflüchtlinge dem Fiskus entzogen haben, deren Namen und Kontodaten auf einer CD enthalten sind, die der deutsche Staat nun von einem Informanten kaufen will. Das ist nach Ansicht von Experten nur ein minimaler Teil dessen, was an unversteuertem Vermögen aus anderen Ländern insgesamt auf Schweizer Banken liegt.

Dieter Moor, Moderator

Die Schweiz verliert die Illusion der Unschuld. Wilhelm Tell, Heidi, der Rütli-Schwur sind Fiktion – Nationalheiligtümer, die auf Legenden beruhen und die Identität der Schweiz gefestigt haben.
Auch das Bankgeheimnis war eine einzige Illusion und ist nichts anderes als die Protektion der Wirtschaftskriminalität.
Die Schweiz hat sehr erfolgreich dieses Schokoladenbild von sich propagiert. Langsam, aber sicher zerbröckelt es. Dieses Land muss sich endlich die Frage stellen: Wer sind wir denn?

Verena Trenkwalder, Steuerberaterin

Die Schweiz war aufgrund der spärlich gewährten Auskünfte in der Vergangenheit sehr attraktiv für all jene, die im Heimatland Abgaben hinterziehen wollten. Sie war in Teilbereichen eine Steueroase, da es keine Quellensteuer gibt.
Diesen Reiz wird sie aufgrund des zunehmend aufgehobenen Geheimnisschutzes verlieren, was das Land auch einiges kosten wird. Mit dem Aufweichen des Bankgeheimnisses ist der Anreiz zur Steuerhinterziehung nicht mehr gegeben. Steuerhinterzieher sind zwar nicht besonders schützenswert, mich aber stört, wie es zum Datenaustausch kommt.

Dionys Lehner, Generaldirektor Linz-Textil

Die Schweiz genießt nicht zuletzt wegen ihrer wirtschaftlichen Leistungen einen ungewöhnlich positiven Ruf. Sie ist damit auch ungewöhnlich exponiert, wenn sie Fehler macht. Diese Sensibilität ist im Moment zu Themen, die das Finanzsystem betreffen, besonders groß.
Wenn in Sachen Steuerdebatte mit Deutschland Fehler gemacht worden sind, müssen entsprechende substantielle Anpassungen vorgenommen werden. Eine Kollektivverurteilung ist jedoch nicht angemessen und wird auch nicht erfolgen.

Mario Lütolf, Direktor Schweizer Tourismusverband

Wir stecken den Kopf sicher nicht in den reichlich vorhandenen Schnee. Vielmehr muss sich die Schweizer Finanzwirtschaft auf sich verändernde Rahmenbedingungen einzustellen wissen. Dann bietet die aktuelle Krise gar eine Chance, auf die traditionellen Werte der Schweiz aufmerksam zu machen.
Unvergleichliche Natur- und Kulturlandschaften, Sicherheit, Sauberkeit und politische Stabilität werden auch weiterhin überzeugende Trümpfe für Reisen in die Schweiz sein.

Gudrun Hager, Handelsdelegierte in der Schweiz

Der Datenklau als Mittel zur Verfolgung von Steuerflüchtlingen hat hitzige Debatten ausgelöst. Historische Positionen geraten ins Wanken. Im Zentrum steht die Frage, welche Konzessionen nötig sind, um den Finanzplatz Schweiz zu schützen.
Während die Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich oder den USA unter die Lupe genommen werden, um bei der Amtshilfe nach OECD-Standard die Nutzung gestohlener Daten auszuschließen, wittern andere ein Geschäft: Neuestes Businessmodell ist die Hilfe zur Selbstanzeige und damit zur Legalisierung von Steuersünden.

Amanda Brunner, Personalleiterin

Die Schweiz ist in eine unbequeme Situation geraten. Das begann mit Gaddafi, führte über die Minarett-Abstimmung bis hin zur weltweiten Diskussion über unser Bankgeheimnis. Die Zeiten, in denen wir Schweizer uns speziell gefühlt haben, sind vorbei. Der rote Pass hat nicht mehr diese Bedeutung wie früher. Wir können uns nicht länger von der Welt abschotten, das sehen viele Schweizer so. Wir sind ein kleines Land und als solches international abhängig. Das Bankgeheimnis gehört geöffnet. Es kann ja nicht sein, dass weltweit die Leute bei uns ihr Schwarzgeld verstecken.

Inge Maurer, Akademische Trainerin

Seit Jahren fallen Stück für Stück die Sonderrechte, die die Schweizer für sich beansprucht haben. Da fühlt man sich dann in die Enge getrieben und tritt ins Fettnäpfchen. Man ist nicht bei der EU und muss ständig nachverhandeln.
Manche Schweizer sagen: Wenn es dem Ausland nicht passt, sperren wir alle Alpenpässe zu. Der Rechtsruck mit der SVP hat die Eigenheiten verstärkt. Viele sind fremdenfeindlich, außer es geht ums Geld. In Zürich haben Nobelgeschäfte russisches Personal. Die Minarett-Abstimmung ginge aber in Österreich oder Deutschland auch nicht anders aus.

Oscar Knapp, Schweizer Botschafter

Mit der Übernahme der OECD-Standards hat die Schweiz 2009 die international gültigen Regeln für die Zusammenarbeit im Kampf gegen Steuerflucht übernommen.
Die Schweiz hat kein Interesse daran, unversteuertes Geld anzulocken! Wir lehnen aber entschieden ab, dass man sich Informationen durch den Kauf gestohlener Bankkundendaten beschafft.

Teodoro Cocca, Leiter Asset Management an der Linzer Uni

Ja, sie hat ihre Unschuld verloren. Aber schon vor einiger Zeit, als im Streit zwischen der Schweizer Großbank UBS und den US-amerikanischen Steuerbehörden die Machenschaften von Schweizer Bankern ans Tageslicht gekommen sind. Das hat gezeigt, dass das Bankgeheimnis von einigen missbraucht wird, um Steuerflucht zu ermöglichen.
Da kann man nicht mehr ethisch oder moralisch argumentieren, dass die Privatsphäre geschützt werden soll. Die Schweiz muss ähnlich wie Liechtenstein endlich eine glaubwürdige, neue Politik fahren: null Toleranz gegenüber Steuerflüchtlingen.

Frank A. Meyer, Kolumnist der Zeitung „Sonntagsblick“

Ist es erheblich, dass in einem Fall der deutsche Staat Diebesgut entgegennimmt, im anderen private Banken sich als Hehler betätigen? Wohl kaum. In der Schweiz sind Banken und Staat seit jeher Komplizen, wenn es darum geht, die Steuerkassen anderer Nationen zu plündern. Das Bankgeheimnis ist der staatliche Schutz von Hehlerei und Hehlen. Lang lebte die Schweiz geborgen im Herrgottswinkel der Welt. Ihre Banken delektierten sich an mühelosen Geschäften. Doch plötzlich leuchtet die Welt hinein. Und was entdeckt sie? Die Schweiz – ertappt!

4 Kommentare
Was ist verwerflich(er)? · von leser · 07.02.2010 10:07 Uhr

Der eine stiehlt Geld,
der zweite versteckt es für ihn,
der dritte verrät das Versteck,
der vierte bringt es zurück.

 
Nein die Schweiz ist ok ! · von na-so-was · 07.02.2010 09:27 Uhr

Die Steuersünder sind das Problem (Nicht Ursasche mit Wirkung verwechseln)! Es ist leider nur menschlich steuern zu "sparen". Daher wird es immer irgendwo auf der Welt eine Schwarzgeldkassa geben "müssen" !

 
Mir wird fad - ewige Nachlese - Parlamentumbau! · von GunterKoeberl-Marthyn · 06.02.2010 12:51 Uhr

Was ich vor 5 Jahren in einem OÖN Leserbrief zum Ausdruck brachte ist jetzt Wirklichkeit!
Wir sollten gegen die Schweiz und Lichtenstein nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt! Visionäre haben ein schweres Leben und sind laufend zur "Nachlese" verurteilt was man vor Jahren bereits in den Raum gestellt hat! So auch in der Zusammenlegung der Gemeinden unter 1000 Einwohner, Entschlackung des Nationalrates auf 60 zum gleichen Verhältnis zu Deutschland, Aufhebung des Budesrates! Ein Sparvorschlag einmal von "Unten" erdacht usw. usw. Der Kommentarraum reicht nicht aus!
Wie ich die Politik in Österreich kenne, und in diesem Fall die totale Einigkeit der Parteien aller Farben herrscht, wird das Parlament heuer umgebaut und zugleich in dem freudischen Grossreichmachtsdenken die Sitzplätze in Zukunft für auf die gerade Zahl von 200 ausgebaut! "Wetten dass"? Ich erinnere und melde mich zur gegebenen Zeit bei der "Nachlese"!

 

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  • bist vom Tanzen
    von Fensterputzer, 17.03.2010 23:23 Uhr
    schon recht müde, gell? D'rum brauchst wahrscheinlich auch solche sogenannten "walks".
  • @ krane:
    von ChristophHippmann, 17.03.2010 23:06 Uhr
    kannst ja hier mal deine e-mail adresse posten, dann sende ich dir gerne das gesamt-konzept zu....
  • siehe
    von username, 17.03.2010 23:03 Uhr
    http://bombenbergung.at/upload/files/luftbilder/450508_linz_industrie.jpg
  • citywalk
    von ChristophHippmann, 17.03.2010 23:02 Uhr
    @ autochthoner: mein lieber freund, es regnet in Österreich, das wäre mir neu, und schnee in wels......
  • Sorry!
    von fko, 17.03.2010 22:55 Uhr
    Ein kleines fehlendes "nicht" muss ich noch nachreichen. Danke!
  • Mit Sicherheit!
    von fko, 17.03.2010 22:53 Uhr
    Klar hält das der LH aus! Das ändert aber nichts am katastrophalen Sittenbild, das in dieser SPÖ...
 
 
 
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