Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) prognostiziert für heuer eine Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent. Um 0,3 Prozentpunkte höher wäre diese ausgefallen, wäre das Instrument der Kurzarbeit in Österreich heuer nicht erstmals so breit genutzt worden, sagt Arbeitsmarktforscher Helmut Mahringer vom Wifo im OÖN-Gespräch.
Er geht von etwa 8400 Arbeitsplätzen aus, die 2009 durch Kurzarbeit gesichert worden sind. „Ob es 8000 oder 8400 sind, kann man erst mit Zeitverzögerung von einigen Monaten sagen, da viele Unternehmen mehr Arbeitnehmer angemeldet haben, als später tatsächlich kurzgearbeitet haben“, sagt Mahringer.
Die 4900 Fälle, in denen Bildungskarenz genutzt wurde, hätten einen zusätzlichen stabilisierenden Effekt auf die Beschäftigung gehabt. In Summe geht Mahringer von etwa 0,5 Prozentpunkten aus, um die beide Maßnahmen die Arbeitslosenquote nach unten gedrückt haben.
Jetzt sollte die Kurzarbeitswelle freilich zu Ende gehen, sagt der Arbeitsmarktexperte. „In der Phase der Unsicherheit ist es ein gutes Instrument.“ Wenn man nach mehreren Monaten sehe, dass die Nachfrage nicht zurückkomme, müssten andere Arbeitszeitmodelle Platz greifen – was auch passiere. „Auf Dauer Arbeitszeitverkürzung übers Budget zu finanzieren, ist nicht die Lösung“, sagt Mahringer.
Die verzögerte Wirkung des Konjunktureinbruchs treffe inzwischen immer mehr breite Teile des Arbeitsmarktes. Verloren in der ersten Phase um den Jahresbeginn vor allem junge Männer den Job, steigt inzwischen auch langsam, aber kontinuierlich die Arbeitslosigkeit bei Frauen. „Selbst im Handel, wo es zuletzt noch gut lief, gibt es kein Beschäftigungsplus mehr“, sagt der Forscher.
Die Beschäftigung wird heuer um 1,3 Prozent zurückgehen. 2006 bis 2008 betrug der Beschäftigungszuwachs noch jeweils mehr als zwei Prozent pro Jahr.
„An die zehn Prozent“ suchen
Rechnet man die Teilnehmer an Schulungen des Arbeitsmarktservice (AMS) zu den Arbeitslosen, dann wird die Arbeitslosenrate bereits heuer 8,8 Prozent (statt netto 7,1 Prozent) betragen, sagt das Wifo.
Für das Jahr 2010 liegen die Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts bei 7,7 Prozent, für 2011 sogar bei 8,1 Prozent. Inklusive der Schulungsteilnehmer klettert die Zahl der Arbeitssuchenden auf „an die zehn Prozent“ im Jahr 2011.
„Dann rechnen wir damit, dass die Arbeitslosenquoten in einzelnen Monaten wieder niedriger als 2010 sein werden. In Summe wird die Arbeitslosigkeit aber noch einmal zunehmen“, sagt Mahringer. (sib)
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