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Zehn Jahre nach dem Notverkauf schreibt die Bawag satte Gewinne

WIEN. US-Fonds Cerberus übernahm die Bank vom ÖGB – 2016 verdiente sie 484 Millionen Euro.

Bawag will organisch und durch Zukäufe wachsen

Byron Haynes Bild: Reuters

"Wir haben unsere Ziele deutlich übertroffen", sagt Bawag-Vorstandschef Byron Haynes zum Jahresergebnis seiner Bank. Der Nettogewinn stieg im Vorjahr um 22,6 Prozent auf 483,6 Millionen Euro.

Vor zehn Jahren war die Bawag das Objekt eines Notverkaufs gewesen. Ihr damaliger Eigentümer, der Gewerkschaftsbund (ÖGB), war nach den milliardenschweren Spekulationsverlusten der Bank in der Karibik bedrohlich gewankt. Den Zuschlag bekam letztlich der US-Fonds Cerberus. Die Übernahme erfolgte im Mai 2007.

Heute hält Cerberus 52 Prozent der Anteile. 40 Prozent gehören einem weiteren US-Fonds, Golden Tree. Der Rest der Anteile ist in- und ausländischen Minderheitsaktionären zuzurechnen.

Nach drei Verlustjahren führte Cerberus die Bawag 2010 in die Nettogewinnzone. Steil bergauf ging es in den vergangenen drei Jahren – dank eines strikten Spar- und Effizienzprogramms, das in der Bank hunderte Arbeitsplätze kostete. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Aber auch das Geschäftsmodell wurde verändert. Geschäftsbereiche, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählten, wurden aufgegeben. Das Risiko wurde gesenkt, die Struktur vereinfacht. Die vergangenen zehn Jahre seien eine Zeit großer Herausforderungen gewesen, sagt Haynes: "Heute zählen wir zu den profitabelsten und kapitalstärksten Banken in Europa."

Beispiele für den Verkauf von Beteiligungen sind die Bankentöchter in Tschechien, der Slowakei und Slowenien, das Fuhrpark-Leasing sowie die Anteile am Fernsehsender ATV, der Klaviermanufaktur Bösendorfer und der Schuhhandelskette Stiefelkönig. Insgesamt ging die Zahl der Mitarbeiter von rund 6700 auf 2500 zurück. Gekauft hat die Bawag auch etwas – zum Beispiel die VB Leasing und die start-Bausparkasse.

Zwei Drittel der Kundenkredite entfallen heute auf Österreich, die übrigen auf Westeuropa und die Vereinigten Staaten. International konzentriert sich die Bawag auf den Bereich der Unternehmens- und Immobilienfinanzierung.

Expansion bis 2019 geplant

Rund 450 Bawag-Standorte gibt es heute. Mit 2006 ist das nicht vergleichbar, weil die Filialen mit der Post zusammengelegt wurden.

Öfters stand die Bawag in der Kritik – zuletzt weil 20.000 Kunden zum Umstieg von alten billigen Konten auf neue Konten gedrängt wurden. Bei manchen Angeboten waren Bankomatbehebungen nur noch begrenzt inkludiert. Knapp 2000 dieser Kunden kehrten der Bank den Rücken, heißt es.

Seit Jahren wird spekuliert, wann Cerberus die Bawag wieder verkauft. Haynes’ gestrige Ankündigungen sprechen nicht unbedingt für eine baldige Veräußerung. In den nächsten drei Jahren soll es einen Kapitalaufbau von bis zu zwei Milliarden Euro geben. Neben organischem Wachstum – etwa mit der Direktbanktochter easybank in Deutschland – würden auch Zukäufe geprüft.

Eine Dividende gibt es für das Vorjahr nicht, um das Kapital weiter zu stärken. Für 2015 war es erstmals seit vielen Jahren zu einer Ausschüttung gekommen. Zuvor hatten dies Auflagen wegen der Inanspruchnahme von Staatshilfe in der Finanzkrise verhindert. 

 

2006

  • 50,8 Milliarden Euro Bilanzsumme
  • 40 Millionen Euro Nettogewinn
  • 6670 Mitarbeiter
  • 6,1 Prozent Kernkapitalquote *

* Jahr 2012 (2006 nicht vergleichbar)

 

2016

  • 39,7 Milliarden Euro Bilanzsumme
  • 484 Millionen Euro Nettogewinn
  • 2496 Mitarbeiter *
  • 15,1 Prozent Kernkapitalquote

*auch wegen vieler Firmenverkäufe

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Artikel (az) 17. Februar 2017 - 00:04 Uhr
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