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Warum der heimische Tourismus nach Asien schielt

Internationale Tourismus-Börse: China und Südkorea stehen auf Oberösterreichs Agenda ganz weit oben.

Warum der heimische Tourismus nach Asien schielt

Mit dem "Raum der Stille" warben Oberösterreich-Tourismus-Chef Andreas Winkelhofer und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl bei der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin. Bild: Stefanie Herbst

Hallstatt ist ein Segen für den oberösterreichischen Tourismus. Der 778-Einwohner-Ort im Salzkammergut zieht jährlich Tausende Urlauber an, vor allem aus Asien. Die Begeisterung der Chinesen ist sogar so groß, dass sie Hallstatt 2012 nachgebaut haben – um mehr als 900 Millionen US-Dollar. Die Kopie ist seitenverkehrt angelegt zu ihrem 8881 Kilometer entfernten Original in Oberösterreich. Der Mehrwert für das echte Hallstatt ist groß: Die Zahl chinesischer Touristen, die ins Salzkammergut kommen, steigt Jahr für Jahr.

Die Bekanntheit Hallstatts spielt in der oberösterreichischen Tourismus-Strategie eine wesentliche Rolle. Bis 2022 sollen die Ankünfte internationaler Gäste um 15 Prozent mehr werden – vor allem mit Asiaten. "In China und Südkorea haben wir enormes Potenzial", sagte Landeshauptmann-Stellvertreter und Tourismus-Referent Michael Strugl bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. "Wir müssen unseren Radius größer ziehen", forderte Strugl. Oberösterreich sei im internationalen Vergleich eine Stecknadel.

"China und Südkorea sind heiß umkämpfte Märkte", bekräftigte auch Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer des Oberösterreich Tourismus. Um Reisende aus diesen Ländern zu locken, sei eine "intelligente Kombination" nötig. Winkelhofer meint damit, einen Besuch in Hallstatt mit einem Aufenthalt in anderen Regionen Oberösterreichs zu verbinden. "Chinesen besuchen vier Städte in Österreich: Wien, Salzburg, Innsbruck und Hallstatt. Wir wollen sie dazu bringen, in Linz Station zu machen." Es gehe aber nicht darum, Massen anzulocken, sondern gezielt Individualreisende anzusprechen, um "kulturelle und landschaftliche Schätze unseres Landes" hervorzuheben, betonen Strugl und Winkelhofer. Das reiche vom Salzkammergut über Steyr bis nach Linz. 

Impulsgeber Olympia

Ähnlich verhält es sich laut Strugl bei den Südkoreanern. Hier seien die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang ein Impulsgeber gewesen. "Wir haben sowohl bei Chinesen als auch bei Südkoreanern zweistellige Wachstumsraten", sagte der Landeshauptmann-Stellvertreter – wenngleich er freilich weiß, dass das Ausgangsniveau noch bescheiden ist. Ob des gestiegenen Interesses aus Asien hat der Oberösterreich Tourismus Informationsbroschüren in Landessprache drucken lassen.

Insgesamt verzeichneten Oberösterreichs Touristiker im Vorjahr 2,9 Millionen Ankünfte und 7,6 Millionen Nächtigungen. 57 Prozent der Übernachtungen gingen auf das Konto von Österreichern. Die meisten ausländischen Gäste waren Deutsche mit 22,4 Prozent.

Strugl und Winkelhofer gehen davon aus, dass die Zahl der Touristen mit den neuen Märkten in Asien weiter steigen wird. In Berlin wirbt man mit dem Thema Natur. Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung sei ebenso wichtig wie der Wunsch, in den Bergen zu wandern oder mit dem Rad zu fahren, sagten die Experten. Eine Rolle spielt auch der 200. Geburtstag des Lieds "Stille Nacht, heilige Nacht" des Innviertler Komponisten Franz Xaver Gruber. Ziel sei es, dem Lied und seiner Friedensbotschaft eine touristische Heimat zu geben, sagte Winkelhofer. Auf der ITB ist ein "Raum der Stille" aufgestellt, in dem man zur Ruhe kommen kann.

Bei Fusionen im Plan

Neben dem Erschließen neuer Märkte hat Strugl auch ob der Enns einiges vor: Oberösterreichs Tourismus unterzieht sich einer Frischzellenkur. Bis 2019 soll die Zahl der Verbände von 104 auf rund 20 sinken. Es sei "die größte Strukturreform in Oberösterreichs Tourismus", sagte der Landeshauptmann-Stellvertreter. Der Zeitplan stimme. Zwei Drittel der Verbände seien in Fusionsprozessen, ein Drittel bereite diesen vor.

 

ITB Berlin

Seit Mittwoch hat die Internationale Tourismus-Börse in Berlin ihre Pforten geöffnet. Sie gilt als größte Branchenmesse der Welt. Bei der 52. Auflage gibt es 10.000 Aussteller aus mehr als 180 Ländern.

Auf einer Fläche von 160.000 Quadratmetern – das entspricht 22 Fußballfeldern – werden bis Sonntag, 11. März, 160.000 Messeteilnehmer erwartet. Der Großteil sind Fachbesucher: Sie machen zwei Drittel des Publikums aus. Der Gesamtumsatz auf der Messe belief sich im Vorjahr auf sieben Milliarden Euro.

 

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Artikel Martin Roithner aus Berlin 09. März 2018 - 00:04 Uhr
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