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Von der Linzer Hirschgasse in die Panama Papers

LINZ. Die frühere Firma des ehemaligen SP-Politikers Wolfgang Schimböck soll Teil eines russischen Offshore-Netzwerks in der Karibik gewesen sein. Die Gesellschaft und ihre Adressen tauchen in den Panama Papers auf, wie "News" berichtete.

Bei karibischen Briefkastenfirmen tauchten die Adressen der Linzer Firma Z&K auf. Diese hatte die Aufgabe, Briefe an eine Moskauer Treuhandfirma weiterzuleiten. Wolfgang Schimböck (in der Mitte) "Hatte nichts damit zu tun." Bild: APA/colourbox/fotohofer.at

Er war mehrere Jahre Chef des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes in Oberösterreich und von 2003 bis 2009 Mitglied des Bundesrats. Heute ist Wolfgang Schimböck (63) Psychotherapeut. Von 1992 bis 2009 war er auch Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma Z&K mit Standorten in der Linzer Hirschgasse und in Wien. Diese veranstaltete Messen. Nun taucht das Unternehmen in den Panama Papers auf, der Ansammlung vertraulicher Dokumente über Offshore-Netzwerke und Briefkastenfirmen.

Für dutzende Gesellschaften in der Karibik soll die International Secretary Services Limited Sekretär-Leistungen erbracht haben – zumindest zwischen 1995 und 2002. Deren Zustelladressen waren ident mit jenen der Z&K in Linz und Wien.

Was steckt dahinter? Laut Schimböck hat seine Geschäftspartnerin, die frühere Z&K-Co-Chefin Elisabeth Smagin aus Wien, ein "Post-Service" für einen russischen Kunden betrieben. Er selbst habe nichts damit zu tun gehabt, sagt Schimböck.

Über die Z&K-Adressen wurden Briefe aus dem Westen an die Treuhandfirma NPK-Vesta in Moskau weitergeleitet. Der Kontakt war laut Smagin 1994 rund um die erste oberösterreichische Seniorenmesse und die Vorbereitung von "Siberia greets Europe" im Design Center Linz entstanden. Ein Russe habe ihr vorgeschlagen, Sekretär-Leistungen für die NPK-Vesta zu erbringen, sagt Smagin.

Ob und wie viele Offshore-Firmen dann unter den Absendern waren, kann sie nicht beurteilen: Größtenteils seien die Poststücke von internationalen Banken gekommen. Diente das alles nicht zur Verschleierung von Geldflüssen und Eigentumsverhältnissen? "Wir haben absolut nichts Unerlaubtes getan, weder Beihilfe zu unerlaubten Geldgeschäften geleistet noch von welchen gewusst", sagt Smagin: "Wie denn auch, wenn wir verschlossene Kuverts weiterleiten."

Unklar, ob legal oder nicht

Sie betont, es habe einst kaum Telebanking gegeben. Russen hätten wegen des schlechten Postsystems bis zu drei Wochen auf Kontoauszüge warten müssen. Um diesen Missstand zu beseitigen, "wurden Auszüge oder Rechnungen an westliche Adressen geschickt", von wo sie per Kurierdienst etwa nach Moskau weitergeleitet worden seien. "Ausländische Banken hatten kaum eine andere Möglichkeit, um mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben", sagt Smagin.

Ob die Konten legal waren oder nicht, wisse sie nicht. "Ich habe keine Ahnung, wie der Name der Z&K in die Panama Papers kam", sagt sie. Von "missbräuchlicher Verwendung" spricht Schimböck. Die beiden haben Z&K 2009 an den Russen Mamedcharif Makhmudov verkauft. 2016 übernahm der Bad Ischler Berater Ludwig Büll die Firma. Man veranstalte nur Messen, betont Prokurist Anton Struppy. Mitgründer von Z&K war einst der 2015 verstorbene Ernst Karrer, früher Sekretär des Voest-Betriebsratschefs Franz Ruhaltinger.

Smagin organisiert übrigens große Kulturveranstaltungen – etwa den 15. Wiener Ball in Moskau, der heute, Samstag, stattfindet.

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Artikel Alexander Zens 20. Mai 2017 - 04:15 Uhr
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