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Teilzeit löst oft Betreuungsprobleme oder bringt mehr Lebensqualität

LINZ/WIEN. Junge, Ältere und vor allem Frauen: Der Anteil der Teilzeitarbeit steigt weiter. Nur wenige Frauen steigen nach der Karenz von Teilzeit wieder auf Vollzeit um, nicht immer freiwillig.

Frau Arbeit Kind

Bild: Alix Minde/6PA/MAXPPP

"Natürlich hatte ich spürbare Nachteile bei der Pension. Aber das war es mir wert." Alois Wengler aus Überackern hat das Angebot seines Arbeitgebers, der Wacker Chemie, damals "gleich angenommen". Altersteilzeit sei ein "empfehlenswertes System, das einem Druck nimmt". Wengler hat viel Zeit für seine ehrenamtliche Funktion als Bezirksfeuerwehrkommandant aufgewendet. Heute ist der 64-Jährige in Pension.

Im Vorjahr haben 27.712 ältere Arbeitnehmer diesen gleitenden Übergang in die Pension in Anspruch genommen. In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl um mehr als 10.000 angewachsen. Gestiegen sind dementsprechend auch die Kosten. 2010 waren es 255,1 Millionen Euro, im Vorjahr wurden dann schon 349,2 Millionen Euro dafür ausgegeben. Dies, weil diese Arbeitsform hoch subventioniert wird durch die öffentliche Hand in Form eines Lohnausgleichs von 50 Prozent der Differenz zwischen dem bisherigen Arbeitsentgelt und dem der verringerten Arbeitszeit entsprechenden Entgelt.

Arbeitszeit-Verkürzung

Hedwig Lutz, Arbeitsmarktforscherin am Wifo, sagt, die Teilzeitarbeit löse für die Betroffenen und ihre Familien mehrere Probleme: Für Frauen sind es die Betreuungspflichten – erst von Kindern, später von Eltern. Darum würden auch nur wenige Frauen, nachdem die Kinder außer Haus sind, wieder Vollzeit arbeiten. Allerdings nicht immer freiwillig. Aus Sicht der Forscherinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist die Rückkehr vor allem dann schwierig, wenn Mütter schon vorher Teilzeit gearbeitet hätten. Die Statistik Austria hat den Anteil unfreiwilliger Teilzeit zuletzt mit 12 Prozent bezeichnet.

Teilzeitarbeit ist, so Lutz, außerdem eine wünschenswerte Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern. Und weil die Jobs immer anspruchsvoller würden, sei eine Reduktion der Arbeitszeit auch eine Möglichkeit, den Stress besser zu verarbeiten. "Unter den gegebenen Rahmenbedingungen in Betrieb und Gesellschaft ist das für viele die Problemlösung."

 

„Freizeit ist mir auch wichtig“

Obwohl ihre zwei Mädchen (15 und 20) sie nicht mehr so brauchen, arbeitet die 42-jährige Monika Körner-Schenk nach wie vor 20 Stunden die Woche. Ein Aufstocken der Wochenstundenanzahl ist für die Assistentin der Geschäftsleitung beim Technik-Händler e-tec in Timelkam „keine Option. Auch für viele meiner Bekannten nicht“, sagt sie.

Ihre Mutter brauche zunehmend ihre Hilfe, das große Haus samt Garten fordere ihre Arbeitskraft und „Freizeit ist mir auch wichtig“. Solange es sich mit dem Familienverdienst ausgehe, will sie in Teilzeit bleiben. Auf Urlaube verzichten muss die Familie trotz studierender Tochter nicht.

Zeit für den Wald und den Sport

Seit 2010 arbeitet David Sonnberger als Personalvermittler bei epunkt in Linz. Seit Anfang April allerdings nur noch vier statt fünf Tage die Woche. Der 30-Jährige mag seinen fordernden Job, dennoch hat er auf 32 Wochenstunden reduziert.

Den freien Freitag nutzt der Pleschinger, um in den Bergen unterwegs sein zu können und auf dem Bauernhof seiner Eltern mitzuhelfen. „Vor allem bei der Waldarbeit, die ist ein toller Ausgleich und hilft beim Runterkommen“, sagt Sonnberger. „Mir geht es darum, ausreichend Zeit für Dinge zu haben, die ich an den Wochenenden allein nicht unterbringe.“

Altersteilzeit wegen Gesundheit

Seit Dezember arbeitet der 60-jährige Leiter der Instandhaltung beim Feuerwehrausrüster Rosenbauer, Leopold Dobersberger, nur noch von Montag bis Mittwoch. Dann hat er vier Tage frei. Mit der 60/40-Altersteilzeit (60 Prozent Arbeit/40 Prozent Freizeit) hat er trotz finanzieller Einbußen eine für ihn gute Lösung gefunden. „Ich hatte schon Probleme mit dem Stress. Seit der Altersteilzeit geht es mir gesundheitlich viel besser.“

Der Vorteil für das Unternehmen bei den konzernweit 16 Altersteilzeit-Kräften: Neue Mitarbeiter können in längeren Einarbeitungsphasen „sanft“ eingeschult werden.

 

 

 

 

 

 

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Artikel Sigrid Brandstätter und Ulrike Rubasch 19. April 2017 - 00:05 Uhr
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