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Steueroasen: Wer sind die Bösen?

LINZ. Die Konzerne stehen am Pranger, aber die Politik trifft zumindest eine Teilschuld

   Bild: Erwin Wodicka

Die Paradise Papers bringen wieder an den Tag, dass es internationalen Konzernen möglich ist, ihre Steuerlast gegen null zu reduzieren. Das wirft auch ein schiefes Licht auf die Beraterbranche, die diese Steuerspar-Modelle entwickelt. Wer sind nun die Bösen? Die Unternehmen, die Berater oder die Politiker, die das alles zulassen?

Verena Trenkwalder, Präsidentin der Kammer der Wirtschaftstreuhänder in Oberösterreich, weist vehement Kritik an ihrem Berufsstand zurück, vorausgesetzt, die Steuermodelle seien legal. Einem Unternehmen bei der Steuerhinterziehung zu helfen, sei „ein No-go“ für ihren Berufsstand.

Was legale Steueroptimierung betreffe, sei es geradezu die Pflicht eines Top-Managers, dies zu tun. „Steuern sind aus Unternehmenssicht Kosten, und die gilt es zu minimieren“, sagt Trenkwalder. Wenn diese Praktiken öffentliche Empörung auslösen, dann sei der Adressat dafür die Politik. „Wenn sich die Regierungen nicht einmal innerhalb der EU auf Mindeststandards bei der Besteuerung einigen können, dann darf man nicht über jene Unternehmen schimpfen, die Schlupflöcher nützen“, sagt die Kammerpräsidentin.

Roman Leitner, Partner bei der Steuerberatungskanzlei LeitnerLeitner, sieht es genauso, was die EU angeht. „Es gibt Lücken mangels abgestimmter Steuerkonzepte der Mitgliedsstaaten.“ Diese würden von den großen Playern eben genützt. „Die haben dann einen signifikanten Vorteil gegenüber national agierenden Mitbewerbern“, sagt Leitner im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Der Gesellschaft verpflichtet

Leopold Neuhold, Leiter des Instituts für Ethik und Gesellschaftslehre an der Universität Graz, sieht in diesem Zusammenhang auch die Manager „zum Handeln aufgefordert“. Die Vorstände einer Aktiengesellschaft seien nicht nur den Aktionären, sondern auch den Mitarbeitern und der Gesellschaft verpflichtet. Tatsächlich heißt es im Paragrafen 70 des österreichischen Aktiengesetzes: „Der Vorstand hat unter eigener Verantwortung die Gesellschaft so zu leiten, wie das Wohl des Unternehmens unter Berücksichtigung der Interessen der Aktionäre und der Arbeitnehmer sowie des öffentlichen Interesses es erfordert.“

Neuhold sieht aber auch die Politik gefordert. Man müsse der globalisierten Wirtschaft auch eine internationale Steuerordnung zu Grunde legen.

Steuerberater Leitner sieht jedenfalls Enthüllungen wie die Paradise Papers positiv. „Wir dürfen uns nichts vormachen, gerade in diesen exotischen Ländern gibt es Hinterziehungsberatung.“ Wenn mit den Paradise Papers Konstruktionen aufgedeckt werden, dann habe das vielleicht eine abschreckende Wirkung auf die Beteiligten.

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Artikel Hermann Neumüller 09. November 2017 - 00:04 Uhr
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