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Preissturz bei Milch, Fleisch und Getreide frustriert Bauern

LINZ/BRÜSSEL. Der Frust in der Landwirtschaft nimmt von Woche zu Woche zu, weil die Preise in fast allen Produktgruppen im Tief sind. Nach Protesten in Frankreich und Belgien haben sich diese Woche auch deutsche Milchbauern aufgemacht.

Milchwirtschaft rechnet sich kaum noch. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Sie rollen - wie berichtet - seit Montag durchs Land, mit Ziel München, wo am 1. September eine Protestkundgebung stattfinden soll.

In Österreich ist es noch nicht so weit. Es wird der große Agrargipfel abgewartet, bei dem die EU-Landwirtschaftsminister am 7. September in Brüssel über die Krise beraten wollen. Nach ersten Äußerungen von Agrarkommissar Phil Hogan, wonach die Produktion gesenkt werden müsse, um die Märkte wieder ins Lot zu bringen, gibt es nun positive Signale aus Brüssel.

Heute, Mittwoch, tagt Landesrat Max Hiegelsberger im Landhaus mit Vertretern von Molkereien und Milchbauern. Die Milchbranche fordert, dass die EU wenigstens jene 47 Millionen Euro, die die Bauern wegen Überlieferung der Milchkontingente für 2014 an Strafe zahlen müssen, zur Marktentlastung verwendet.

Die OÖNachrichten zeigen die Problemzonen auf.

Schweine: Keine Besserung in Sicht

Preissturz bei Milch, Fleisch,

Aktuelle Lage: So wenig wie in den vergangenen Wochen hat ein Schweinebauer in Österreich schon Jahre nicht für sein Schlachtschwein bekommen. Für ein durchschnittliches Mastschwein mit 95 Kilogramm werden aktuell 141,5 Euro (netto) bezahlt. 2012 waren es noch 167 Euro. Seit Mitte 2014 haben Oberösterreichs Schweinebauern 40 Millionen Euro weniger erlöst als im Vergleichszeitraum zuvor, sagt Hans Schlederer, Geschäftsführer der Schweinebörse Österreich.
Ursachen: Wegen des Russland-Embargos fiel ein wichtiger Markt weg. Alternative Exportmärkte fehlen, die Gefrierlager sind voll. Deutschland, Spanien und Dänemark steigern die Produktion.

Milch: Absturz nach Superjahr

Preissturz bei Milch, Fleisch,

Das Milchjahr 2014 ist für Österreichs Bauern sehr gut gelaufen. Bei im Jahresschnitt fast 40 Cent Erzeugerpreis pro Kilo hat der durchschnittliche Milchproduzent 43.000 Euro an Milchgeld erhalten, um fast 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Wegen globaler Übermengen haben die heimischen Molkereien den Preis binnen weniger Monate von 40 auf 30 Cent gesenkt. Nur noch Bio- und Heumilch erzielen kostendeckende Preise.
Die Chancen auf den internationalen Märkten sind schlecht, obwohl der Preissturz und Futterknappheit (Dürre) die Produktion gedrosselt haben. Österreichs alpine Milchwirtschaft kann mit einem Milchpreis von 30 Cent nicht überleben.

Rind: Licht und Schatten

Der Rindfleischmarkt ist auf den ersten Blick die große Ausnahme: Der Schlachtpreis ist gestiegen. „Dafür haben wir 2013 und 2014 die schlechtesten Deckungsbeiträge der vergangenen zehn Jahre erzielt“, sagt Rudolf Rogl, der Chef der „Rinderbörse“. Positiv: Die Bauern produzieren mehr Gütesiegelfleisch und erhalten 22 Cent Aufschlag je Kilo (um sieben Cent mehr als vor zwei Jahren).
Die Risiken: Mangels Attraktivität ist die Rindfleischproduktion in Österreich seit 1995 um 33 Prozent gesunken, der Rinderbestand um 14 Prozent. Im C&C-Großhandel werden 50 Prozent Importware angeboten. Konsumenten sollten im Gasthaus AMA-Gütesiegel verlangen, sagt Rogl.

Weizen positiv, Mais schwach

Die Stimmung im Ackerbau ist sehr angespannt. Das Schönwetter hat die Getreideernte begünstigt, wegen der international hohen Erträge jedoch die Preise gedrückt. Für Mahlweizen erhält der Bauer derzeit nur rund 150 bis 153 Euro. Die Tendenz weist aber nach oben, jedoch nur, weil die Trockenheit die Maisernte treffen wird.
Ausblick: Die Preise werden anziehen, aber nur weil die Maisernte knapp ausfallen wird, sagt Martin Bäck von der Landwirtschaftskammer. Von 50.000 Hektar in Oberösterreich gebe es auf 3000 bis 4000 Totalschaden, zehn Prozent seien schwer geschädigt. Die Hektarerträge seien das dritte Jahr in Folge unbefriedigend.

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Artikel Josef Lehner 26. August 2015 - 00:04 Uhr
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