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Online-Handel ist zugleich Bedrohung und Chance für Lebensmittelerzeuger

LINZ. Bürokratie und Paragrafen bremsen die Modernisierung der Branche.

Erdbeeren

Wenn Ernte ist, müssen die Lebensmittelbetriebe auf Hochtouren laufen. Sie brauchen flexible Arbeitszeitmodelle. Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

Oberösterreichs Lebensmittelwirtschaft muss sich zu viel mit alten Arbeitszeitregeln und Paragrafen herumschlagen, sollte aber alle Kräfte für die neuen Herausforderungen einer digitalisierten Welt bündeln. Das zeigte sich beim Branchentalk der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer mit den OÖNachrichten.

Die Lebensmittelindustrie steht in Oberösterreich für 35 große Betriebe mit 5400 Arbeitsplätzen und 2,4 Milliarden Euro Umsatz. Weil immer gegessen und getrunken wird, ist sie wenig krisenanfällig. Trotzdem mache sich die Konjunktur derzeit positiv bemerkbar, sagte Markus Liebl, Sprecher der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer und Generaldirektor der Brau Union. Erfreulich sei auch, dass die Konsumenten mehr auf Qualität schauen.

Branche braucht Entlastung

Das Qualitätsniveau heimischer Produkte sei international Spitze, sagte Josef Mayer, Geschäftsführer von Spitz: "Die Lebensmittelwirtschaft hat enorme Fortschritte gemacht. Unsere Lebensmittel waren noch nie so sicher."

Andererseits würden die Unternehmen über Gebühr belastet. Der Standort brauche Entlastung bei Bürokratie, Gesetzen und Lohnnebenkosten, sagte Liebl. Das Ausbildungssystem habe einen Digitalisierungsschub (Automatisierung, Steuerungstechnik) nötig.

Heftig verurteilt wurden die Angriffe auf die Arbeitgeber (AK-Werbung). " Die Menschen werden auseinanderdividiert. Da ist eine rote Linie überschritten worden", sagte Gerald Hackl, Vorstandsvorsitzender des Vivatis-Konzerns (Landhof, Maresi...). Andreas Pfahnl von der gleichnamigen Mühle ärgert sich: "Wir sind in der EU winzige Fuzzis. Haben wir nichts Besseres zu tun, als uns gegenseitig fertig zu machen?" Positiv sehen die Chefs die Leistungskraft und Qualität des Lebensmittelhandels, auch wenn dieser Eigen- statt Industriemarken einführt und selbst etwa Back- und Fleischwaren erzeugt. "Manche Handelsmarken, etwa ‘Zurück zum Ursprung’, sind selbst zur Marke geworden", sagte Hackl: "Wir müssen mit unseren Produkten noch innovativer sein." Der Handel sei mit seiner Eigenware eher in einfachen Wertschöpfungen, drücke aber die Preise.

Ein digitaler Angriff auf die heimische Lebensmittelindustrie ist Frischware via Internet (Amazon fresh). Es drohe die Gefahr verstärkter Importe. "Das ist für uns eine Chance und eine Gefahr zugleich", sagte Mayer. Spitz könne selbst im Internet anbieten. Die Erzeuger sagen, stärker als E-Commerce ziehe bei Nahrungsmitteln derzeit regionale Herkunft. Das stimme hoffnungsvoll.

 

Das sagen die Spitzen der Oberösterreichischen Lebensmittelindustrie

Markus Liebl, Brau Union: „Die Arbeitszeitflexibilisierung ist ein Muss, gerade für die saisonabhängige Lebensmittelwirtschaft. Viele Betriebe haben zwar mit ihren Betriebsräten Gestaltungsmöglichkeiten vereinbart. Wir müssen aber kurzfristig rasch auf Betriebsspitzen reagieren können.“

Gerald Hackl, Vivatis Holding Linz: „Ich wünsche mir Deregulierung und Entschlackung von Gesetzen und Verordnungen. Die bürokratischen Hürden werden zu einem großen Hemmschuh für Investitionen und Wachstum, kosten Zeit und Geld und belasten die Betriebe im internationalen Wettbewerb.“

Josef Mayer, S. Spitz, Attnang-Puchheim: „Unsere Lebensmittel waren noch nie so sicher. Es hat eines Bergs an Anstrengungen, an Investitionen bedurft, dass wir da hingekommen sind. Auch der Handel hat viel in Qualität investiert. Die Menschen können nicht mehr konsumieren. Sie achten auf Qualität.“

Andreas Pfahnl, Pfahnl Mühle Pregarten: „Die Berufsausbildung muss modernisiert werden. Die ist 20 bis 30 Jahre zurück. Wir brauchen Mitarbeiter, die moderne Prüfgeräte und vernetzte Maschinen mit Steuerungstechnik bedienen können. Derzeit müssen wir dazu Leute nach Deutschland schicken.“

 

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Artikel Josef Lehner 19. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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