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Österreich kann auf Schiefergas nicht verzichten

Neue Öl- und Gasvorkommen haben 2012 den weltweiten Energiemarkt gewendet. Die EU und Österreich stehen noch abseits.

Österreich kann auf Schiefergas nicht verzichten

Jahrelang ging in Europa zu Neujahr die Angst um, dass die Russen oder die Ukrainer den Gashahn zudrehen könnten. Das Blatt hat sich gewendet. Bild: EPA

Die Nachricht muss den Politikern in der EU und besonders auch in Österreich zu denken geben: Die britische Regierung hat im Dezember das Verbot aufgehoben, Shalegas zu fördern. Das ist jene Energie, die mit Einsatz von Wasser und Chemikalien aus Schiefergestein gepresst wird (Fachjargon: Fracking) Sie hat den Weltenergiemarkt revolutioniert, weil die USA diese so genannten unkonventionellen Vorkommen massiv ausbeuten – auch die von Erdöl in Sanden – und so vom Importeur zum Exporteur von Energie werden. In den Vereinigten Staaten kann die Wirtschaft auf Gas zurückgreifen, das nur ein Viertel bis ein Fünftel so viel kostet wie jenes in Europa.

voestalpine investiert in USA

Die Unternehmen haben prompt reagiert und investieren in den USA, etwa die voestalpine Linz, die dort wegen des billigen Gases ein Werk zur Veredelung von Eisenerz bauen wird. Das EU-Parlament hat jüngst zwar beschlossen, den Mitgliedsländern das Fracking frei zu stellen. Es fehlt jedoch eine konzertierte EU-Energiepolitik. Sie muss darauf abzielen, der eigenen Wirtschaft und auch den Konsumenten preiswerte Energie zur Verfügung zu stellen und den Abfluss von Milliarden Euro nach Russland (Erdgas) und in den Nahen Osten (Erdöl) zu bremsen. Dieses Geld sollte vielmehr in neue, umweltfreundliche Technologien investiert werden.

In einer Übergangsphase werden die EU und auch Österreich jedoch nicht auf Schiefergas verzichten können. „Österreich muss selbst beantworten, ob es dabei sein will“, hat Gerhard Roiss, der Generaldirektor der OMV, im November festgestellt. Das sollten wir durchaus als Drohung, zumindest als Aufmunterung verstehen. Roiss’ Energiekonzern hat seine Pläne zur Schiefergasförderung im nördlichen Weinviertel auf politischen Druck gestoppt, weil es in der Region zu hysterischen Reaktionen in der Bevölkerung gekommen ist. Dabei sollte uns klar sein: Schiefergas darf nur gefördert werden, wenn alle Umweltgesetze eingehalten werden.

Der Zeitpunkt ist günstig, die Energiemärkte umzubauen und die Importabhängigkeit Europas zu senken. Alle Experten sehen nämlich mittelfristig eine gesicherte Versorgung zu stabilen Preisen, und zwar bei Rohöl und Erdgas. Das Preisniveau ist bei rund 110 US-Dollar je Fass Rohöl (Sorte Brent) zwar hoch; es wird auch benötigt, damit alternative Quellen wettbewerbsfähig sind.

Die Neujahrsangst

Erinnern wir uns: Gerade zu Neujahr ist regelmäßig die Angst umgegangen. Früher waren es Aktionen Russlands und der Ukraine, die die Gasleitungen in den Westen bedrohten. In Osteuropa blieben sogar die Wohnungen kalt. Österreich blieb verschont, weil die Unternehmen rechtzeitig große Lager gebaut haben.

Im Vorjahr war es der politische Boykott des öl- und gasreichen Iran, der die Versorgung in Frage stellte und den Rohölpreis trieb. Der Aufschwung der unkonventionellen Energiequellen in Nordamerika leistet heute einen wichtigen Beitrag, die Abhängigkeit vom Nahen und Mittleren Osten zu reduzieren. Diese Region wird ein Pulverfass bleiben. Dass der Wegfall des iranischen Öls verkraftet worden ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen. Ein Grund mehr, eine eigenständige EU-Energiepolitik zu betreiben.

 

110 US-Dollar kostete ein Fass Rohöl der Sorte Brent am Altjahrstag 2012. Die meisten Energieexperten gehen für die nächsten Jahre wegen des großen Angebots von einem stabilen Ölpreis aus.

15,7 Milliarden Euro hat Österreich 2011 für Energieimporte gezahlt – der Wert von 1,6 Millionen neuen Kleinwagen.

90 Millionen Fass pro Tag (zu je 169 Liter) dürfte die Rohölförderung 2013 erreichen, schätzt die OPEC, die Organisation Erdöl exportierender Länder. Das wäre ein Plus von fast 0,8 Millionen Fass oder 0,9 Prozent, verursacht vor allem vom Konsum großer Schwellenländer, etwa China.
 

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Artikel Josef Lehner 02. Januar 2013 - 00:04 Uhr
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