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ÖBB investieren eine Milliarde Euro in Sicherheit

WIEN. Die ÖBB investieren bis zum Jahr 2022 rund eine Milliarde Euro in die Sicherheit. Das betrifft primär die Neuerrichtung sicherheitsrelevanter Anlagen bzw. Adaptierung bestehender Systeme.

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Von dem Geld ausgenommen sind neue Fahrzeuge. Auch der Faktor Mensch spielt im umfangreichen Sicherheitsprogramm eine Rolle, so werden Führungskräfte beispielsweise zu einem "Safety Walk" verpflichtet.

Mindestens vier Mal pro Jahr müssen sie in den Dialog mit den Mitarbeitern "draußen" treten, beispielsweise Gleisbereiche besichtigen. ÖBB-Experten sprachen bei einem Hintergrundgespräch am Montag in Wien auch von einem Paradigmenwechsel weg von der Bestrafungskultur, die insbesondere ältere Mitarbeiter noch prägte.

Bei vorsätzlichen Sicherheitsverletzungen gebe es natürlich nach wie vor schwere Konsequenzen, betonten die Experten. Nach einem Probebetrieb richteten die ÖBB 2015 für drei Tochtergesellschaften ein vertrauliches Meldesystem ein, heuer soll es auf zwei weitere ausgeweitet werden. Bisher gab es darüber 240 Meldungen, sagten die Experten.

Die ÖBB wollen ihren unternehmensinternen Sicherheitsindex bis 2020 um zehn Prozent verbessern, lautet eine Vorgabe des Managements. Sicherheit soll nicht als Zufallsprinzip gelten, sondern "muss steuerbar sein", sagten die Sicherheitsexperten der ÖBB. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechterte sich die Sicherheitskennzahl im ÖBB-Schienennetz.

In den ersten sechs Monaten 2016 kam es ebenso wie im ersten Halbjahr 2017 zu vier Zugsentgleisungen. Gab es im Vorjahr eine Kollision, waren es heuer bereits vier. Die schwerste davon im April am Bahnhof Wien Meidling. Am 15. April überfuhr ein Regionalexpress (REX) ein Signal und stieß anschließend mit einem Railjet zusammen. Gestiegen sind heuer auch Entgleisungen im Verschub, von 29 auf 35. Kollisionen im Verschub gingen auf 24 zurück, nach 31 im ersten Halbjahr 2016. 30 Mal gab es heuer Zusammenstöße auf Eisenbahnkreuzungen, in den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es 32.

2017 gab es bisher elf Tote bei Unfällen auf Eisenbahnkreuzungen, im Gleisbereich oder durch unbefugtes Betreten der Anlagen. 2016 waren es 28 Tote, 2015 insgesamt 32. Schwerverletzte gab es heuer bisher 24, darunter drei Reisende die sich beim Ein- bzw. Aussteigen verletzten und einen bei einer Zwangsbremsung. Fünf Personen wurden 2017 durch Annäherung an Oberleitungsanlagen schwer verletzt, vier durch unachtsames Überschreiten des Gleisbereichs.

Das Sicherheitsprogramm sieht vor, dass bis 2020 beispielsweise alle heimischen Bahnhöfe mit Gleisfreimeldeanlagen ausgestattet sein. Diese orten Züge und Wagen in Bahnhöfen und auf der Strecke. In Stellwerken werden die Daten verarbeitet, dass kein Zug auf ein besetztes Gleis einfahren kann. Auch die Errichtung weiterer Zuglaufcheckpoints, die beispielsweise über Entgleisungsdetektoren oder Heißläuferortungsanlagen (HOA) verfügen, ist geplant. Eine HOA ist eine im Gleisbett eingebaute Einrichtung, die dazu dient, eine übermäßige Erwärmung von Radsatzlagern von Schienenfahrzeugen festzustellen. Weiters soll in Stellwerksanlagen investiert werden.

Ein weiteres Beispiel des Sicherheitsprogramms sind Eisenbahnkreuzungen. Im Schienennetz der ÖBB gibt es durchschnittlich alle 1,45 Kilometer einen Übergang, der europäische Durchschnitt liegt bei rund zwei Kilometern. Jene im Kernnetz des internationalen Eisenbahnverkehrs sollen systematisch aufgelassen werden. Streckenneubauten werden ohnedies bereits Eisenbahnkreuzungs-frei geplant.

Die ÖBB setzen hier auch auf Rotlichtüberwachung. Sobald die Signalanlage auf rot schaltet, wird "geblitzt", die Verwaltungsstrafen reichen von 72 bis 726 Euro. Sechs solche Anlagen sind bereits im Betrieb, noch heuer sollen 50 weitere hinzukommen, ebenso viele 2018. In solchen Fällen setzten die ÖBB auch auf Bewusstseinsbildung. In 7. und 8. Schulstufen werden Workshops durchgeführt, um die Jugendlichen zu sensibilisieren. Jedoch: Rund die Hälfte der Schulen, die von der Bahn kontaktiert werden, reagieren nicht mal auf die angebotenen Schulungsmaßnahmen, kritisierten die Experten.

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Artikel nachrichten.at/apa 17. Juli 2017 - 15:14 Uhr
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