Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Freitag, 20. April 2018, 11:06 Uhr

Linz: 21°C Ort wählen »
 
Freitag, 20. April 2018, 11:06 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Wirtschaft

Niki landet im Februar in spanischen Händen - Viele Jobs gerettet

WIEN. Für die insolvente Fluglinie Niki hat sich kurz vor dem Jahreswechsel doch noch ein Retter gefunden. Der österreichische Ferienflieger gehört künftig zu großen Teilen dem Mutterkonzern von British Airways, Iberia und Vueling.

Niki bald spanisch Bild: Reuters

Das bestätigte die International Airlines Group (IAG) am späten Freitagabend. Drei Viertel der Niki-Mitarbeiter werden übernommen. Auch die Markenrechte gehen auf den Käufer über.

Niki, die früher zu Air Berlin gehörte, wird der spanischen IAG-Tochter, dem Billigflieger Vueling, eingegliedert.
Die IAG will konkret über eine neue österreichische Tochtergesellschaft der Billigflugtochter Vueling alle Landerechte von Niki an den Flughäfen Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca und Zürich übernehmen, dazu 15 der 21 Airbus- A320-Flugzeuge, die Niki geleast hat.

740 der rund 1.000 Niki-Mitarbeiter sollen übernommen werden, in einer "neuen" Niki angestellt werden, wie vom Insolvenzverwalter am Abend formuliert wurde.

Für die Niki-Teile zahlt die an der Londoner Börse notierte IAG in Summe bis zu 36,5 Mio. Euro. Vueling werde demnach die Vermögenswerte von Niki zum Preis von 20 Millionen Euro übernehmen, teilte IAG mit. Zudem erklärte sich IAG bereit, der österreichischen Fluglinie für die Zeit bis zur Übernahme mit Finanzmitteln von bis zu 16,5 Millionen Euro unter die Arme zu greifen.

Denn schon ab Jänner muss der laufende Betrieb finanziert werden, auch die Gagen der Beschäftigten, selbst wenn sie nicht fliegen. Der Flugbetrieb von Niki wurde Mitte Dezember mit der Insolvenz ja eingestellt.
Der Kaufvertrag mit der britisch-spanischen IAG-Gruppe ist seit heute Abend unterschrieben. Bis Ende Februar soll der Eigentümerwechsel bei Niki vollzogen, das "Closing" erfolgt sein, teilte Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit.
Die Zukunft von Niki sei gesichert, schrieb Flöther am Abend. Es ging um den Verkauf großer Teile des Geschäftsbetriebs, und es musste sehr schnell gehen.

Mit Air Berlin-Pleite mitgerissen

Niki war von Air Berlin mit in den Abwärtsstrudel gerissen worden, weil der Österreich-Ableger finanziell voll am Tropf der ehemaligen Muttergesellschaft hing. Air Berlin hatte schon im August Insolvenz anmelden müssen. Flöther hatte Niki eigentlich aus der Insolvenz heraushalten wollen und hatte mit der Lufthansa auch einen Käufer gefunden, der mehr als 180 Mio. Euro zahlen wollte. Doch die deutsche AUA-Mutter Lufthansa war am Widerstand der EU-Wettbewerbsbehörden gescheitert und hatte ihr Angebot zurückgezogen. Kurz vor Weihnachten musste deshalb auch Niki Insolvenz anmelden.

Flöther versuchte mit einem Notverkauf zu retten, was zu retten war. Denn Anfang Jänner drohte die österreichische Fluggesellschaft die wertvollen Landerechte (Slots) zu verlieren. IAG setzte sich am Ende gegen drei andere Bieter durch, darunter den Firmengründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda.

Bei IAG ist nicht zu erwarten, dass sich die Kartellbehörden querstellen. Die Briten und Spanier sind anders als die Lufthansa im deutschsprachigen Raum bisher kaum aktiv. Niki soll nun zur Tochtergesellschaft des Billigfliegers Vueling werden, der ebenfalls zu IAG gehört. "Niki war der finanziell gesündeste Teil von Air Berlin", sagte IAG-Chef Willie Walsh. "Mit seiner Konzentration auf Ferienflüge passt es großartig zu Vueling."

Deutschland geht leer aus

Der deutsche Staat geht beim Verkauf von Niki an den drittgrößten europäischen Luftfahrtkonzern leer aus. Denn mit dem Verkaufserlös werden die Gläubiger von Niki befriedigt, nicht die von Air Berlin. Die deutsche Bundesregierung hatte Air Berlin einen Überbrückungskredit der KfW über 150 Mio. Euro gewährt, damit die Fluggesellschaft weiterfliegen konnte. Er sollte eigentlich mit dem Erlös aus der Übernahme durch die Lufthansa getilgt werden. Rund die Hälfte der 150 Mio. Euro dürften verloren sein.

Für Betriebsratschef Tankovits "beste Lösung"

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sieht den Verkauf der insolventen früheren Air-Berlin-Tochter an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG sehr positiv: "Unter den Umständen war es die beste Lösung", sagte Tankovits am Samstag im Ö1-"Morgenjournal". "Jetzt haben wir die Information, dass es für 750 Mitarbeiter von 1000 auf jeden Fall weitergeht." Es könnten auch mehr Mitarbeiter werden. "Wir werden da auch langfristig mehr Perspektiven haben." Die große Frage sei nun, ob die Arbeitsplätze auch in Österreich bleiben. In Vorgesprächen habe sich IAG zu Österreich bekannt. Tankovits sieht "für die Bodenmitarbeiter gute Chancen". Was das fliegende Personal betrifft, würden die Standorte weiterhin in Deutschland sein, auch in Österreich. Das müsse geklärt werden, ebenso ob es einen Betriebsübergang geben werde.

Allerdings macht sich Tankovits offenbar um die restlichen Mitarbeiter nicht allzu große Sorgen: "Es gibt rundherum sehr gute Jobchancen für fliegendes Personal. Ich denke unterm Strich, mit Abgängen, die es auch schon gibt teilweise, wird sich das ganz gut ausgehen." Die Gehälter würden laut Zusage bis Ende Februar gezahlt. Tankovits geht davon aus, dass Niki nicht vor März wieder fliegt. Davor müssten die IT-Verkaufssysteme umgestellt werden.
Befürchtungen von Airline-Gründer Niki Lauda in Richtung Zerschlagung oder Bankrott der Fluglinie teilte der Betriebsratschef nicht. "Diese Behauptungen waren absolut substanzlos. Wie man sieht, ist das Konzept, das Geschäft so gut wie möglich, so integrativ wie möglich zu erhalten." Das Angebot von IAG sei "das beste Angebot" gewesen, "was den Kaufpreis für die Gläubiger betrifft als auch für die Mitarbeiter", betonte Tankovits.

Kommentare anzeigen »
Artikel nachrichten.at/apa 30. Dezember 2017 - 07:05 Uhr
Mehr Wirtschaft

Auch Eurowings stoppt Kooperation mit Laudamotion

WIEN. Die Lufthansa-Tochter Eurowings beendet ihre erst im März begonnene Zusammenarbeit mit der ...

Aus Versehen 28 Milliarden Euro überwiesen

FRANKFURT. Bei der Deutschen Bank knirscht es derzeit nicht nur in der Vorstandsetage.

Chinesischer Handybauer ZTE protestiert gegen US-Sanktionen

PEKING. US-Firmen wurde der Verkauf von Bauteilen an ZTE für sieben Jahre verboten.

Facebook-Kläger Max Schrems: Bessere Handhabe gegen Internet-Konzerne fix

Datenschutzaktivist wird am ersten Tag des neuen EU-Datenschutzes erneut klagen.

Beziehungspflege in Böhmen: Den Schatten Temelins abschütteln

Oberösterreich will am Prager Boom teilhaben - Autobahn-Lückenschluss bis Budweis hilft.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!