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Neuer Flugzeugmotor aus Gunskirchen soll Rotax-Werk Aufwind bescheren

GUNSKIRCHEN. Das Rotax-Motorenwerk des kanadischen BRP-Konzerns ist für seine Freizeit- und Powersports-Fahrzeuge bekannt. Am Donnerstag wurde in Gunskirchen ein neuer Flugzeugmotor präsentiert, der in Fachkreisen Aufsehen erregt. Er verbraucht um bis zu 70 Prozent weniger Treibstoff als herkömmliche Motoren für Leichtflugzeuge.

Neuer Flugzeugmotor aus Gunskirchen soll Rotax-Werk Aufwind bescheren

1100 Mitarbeiter sind im Werk beschäftigt. Zu Saisonspitzen kommen bis zu 250 Leasingkräfte dazu. Bild: BRP Rotax

180 Händler, Journalisten und Vertreter von Flugzeugfirmen von Australien über Südafrika bis USA waren nach Gunskirchen gekommen, um bei der Weltpremiere des neuen 912 iS dabei zu sein. Von der Idee bis zur Umsetzung des neuen Motors hätten die Ingenieure fünf Jahre gebraucht, sagt Standort-Geschäftsführer Gerd Ohrnberger.

„Die Investitionen in die Entwicklung eines Flugzeugmotors sind hoch, weil die Lebensdauer eines solchen Motors mindestens 20 Jahre beträgt.“ Bei den Straßen- und Geländefahrzeugen würde im Vergleich dazu alle zwei bis drei Jahre ein neuer Motor präsentiert.

Rückgrat für den Standort

Das Hauptgeschäft des Rotax-Werks ist die Fertigung von Motoren für Freizeitfahrzeuge wie Schnee- und Wasserschlitten, Straßen- und Geländemaschinen. Das Flugzeuggeschäft aber sei das Rückgrat des Standorts, sagt Ohrnberger. „Der Markt für Flugzeugmotoren ist ein extrem krisenresistentes Geschäft.“ Während 2008/2009 die Umsätze im Konzern um bis zu 50 Prozent einbrachen, blieb dieses Segment stabil. Das sei eine Kundenschicht, die sich auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten ihr Hobby leiste.

Seit 40 Jahren werden in Gunskirchen – als einzigem Standort im Konzern – Flugzeugmotoren gefertigt. Die Motoren aus Oberösterreich wurden bisher in weltweit 170.000 Leichtflugzeugen eingebaut. Damit hält Bombardier bei einem Weltmarktanteil von rund 80 Prozent.

„Das Flugzeugmotorengeschäft ist ein Gunskirchen-Geschäft. Nur in diesem Teil der Welt, mit diesen Mitarbeitern können wir Produkte in der geforderten Qualität und Präzision fertigen“, sagt Standortleiter Ohrnberger stolz.

Der 912 iS sei nur eine von mehreren Innovationen, die das Rotax-Werk in der „Pipeline“ habe. „Wir haben auch in den schlechten Zeiten die Produktneuerungen gefördert. Jetzt ernten wir die Früchte.“ Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende Jänner) konnte der Standort die Umsatzmarke von 400 Millionen Euro „deutlich überspringen“, so Ohrnberger. Genaue Zahlen würden erst Anfang Mai veröffentlicht.

„Zwei heiße Eisen“

Den Schwung des vergangenen Jahres habe die Mannschaft auch ins neue mitgenommen. Mit dem Spyder Roadster und den Side-by-Side Fahrzeuge für das Gelände habe man „zwei heiße Eisen“, die ein Wachstum um die 25 Prozent versprechen würden.

Die Mitarbeiterzahl am Standort ist mit 1100 stabil. Dazu kämen zu Saisonspitzen bis zu 250 Leasingkräfte.

 

Gunskirchen: Das zweite Zuhause des Konzernchefs

Der gebürtige Deutsche Gerd Ohrnberger (55) war zunächst für Audi und Porsche tätig, bevor er 1998 ins Managementteam von BRP Rotax nach Gunskirchen wechselte.

Seit 2006 ist er Geschäftsführer des Standorts. Zwei Jahre später erhielt der dreifache Vater die Verantwortung für die Konzerndivision Antriebssysteme mit Standorten in Gunskirchen, Nordamerika und Mexiko übertragen. Laut Ohrnberger sei das Flugzeugmotoren-Geschäft ein Gunskirchen-Geschäft. Nur hier ließen sich die hoch sensiblen Produkte in der geforderten Qualität und Präzision fertigen, schwärmt der Manager von Qualifikation und Know-how seiner Mannschaft.

Auch für José Boisjoli (55), den Vorstandsvorsitzenden von Bombardier Recreational Products (BRP), sind die Erfahrung und das Wissen der Mitarbeiter die größten Stärken des Werks in Gunskirchen. Der Standort in Oberösterreich sei das Herz der BRP-Produktion, „unser bestgehütetes Geheimnis“, sagt Boisjoli, der direkt nach dem Studium im Konzern begonnen hat. Rund sechs Mal im Jahr besucht der Konzernchef Gunskirchen, das er als „sein zweites Zuhause“ bezeichnet.

Den wirtschaftlichen Ausblick für die kommenden Monate beurteilt Boisjoli positiv. „Ich sehe eine langsame Erholung. Wir sind aber noch immer um 40 Prozent unter Vorkrisenniveau.“

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Artikel Susanne Dickstein 09. März 2012 - 00:04 Uhr
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