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Nationalbank-Direktor Ittner: "Ich bin nicht der Oberlehrer der Banken"

LINZ. Österreichs Banken verdienen wieder gut, haben aber immer noch zu hohe Kosten.

Nationalbank-Direktor Ittner: "Ich bin nicht der Oberlehrer der Banken"

Rät den Banken zur Kostenreduktion: Andreas Ittner Bild: Reuters

Österreichs Banken haben im ersten Halbjahr gut verdient, für den Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und obersten Bankenaufseher, Andreas Ittner, ist das aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Die Banken müssten weiterhin an ihren Strukturen arbeiten.

 

OÖNachrichten: Die österreichischen Banken haben im ersten Halbjahr 3,4 Milliarden Euro Ergebnis erwirtschaftet. Das ist deutlich mehr als noch im Vorjahr. Kann sich die Bankenaufsicht jetzt etwas entspannen?

Andreas Ittner: Das ist grundsätzlich eine gute Botschaft, dass die Banken deutlich mehr verdienen. Das gute Ergebnis wurde allerdings stark beeinflusst durch die niedrigen Risikokosten. Die Entwicklung beim Zinsergebnis ist bestenfalls flach.

Sie fordern trotzdem, dass die Institute die Kosten senken müssen. Warum?

Ich führe einfach nur Fakten an, wie etwa das Verhältnis der Aktiva einer Bank zu den Angestellten. Das ist ein grobes Maß, um das Geschäftsvolumen pro Mitarbeiter auszudrücken. Da liegen wir in Österreich mit elf Millionen Euro weit unter anderen Ländern. Wenn man beispielsweise die Belgier oder die Franzosen hernimmt, dort sind es 20 Millionen Euro pro Mitarbeiter.

Haben Österreichs Banken zu viele Filialen?

Filialen sind vielleicht gar nicht so sehr das Thema. Wir schauen uns immer die Cost/Income-Ratio an (Verhältnis der Kosten zum Ertrag, Anm.). Österreichs Banken liegen da im Durchschnitt bei rund 70 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert. Ich meine, man sollte mittelfristig unter 50 Prozent kommen. Ich sage das nicht, weil ich oberlehrerhaft auftreten will, ich sage das deswegen, weil es Beispiele gibt, wie man mit so einer Cost/Income-Ratio auskommen kann. Und zwar auch im Inland. Ich will da gar nicht von den skandinavischen Banken reden, wo es Institute mit einer Cost/Income-Ratio von 40 Prozent gibt.

Aber Kosten senken ist ja kein Selbstzweck, oder?

Ganz und gar nicht. Üblicherweise setzt sich jemand durch, der eine Dienstleistung möglichst günstig anbieten kann. Dann kommt das Fintech-Thema dazu. Die kommen von einem ganz niedrigen Kostenniveau. Daher sage ich, die Banken sollten darüber nachdenken, das derzeitige Umfeld mit hohem Wirtschaftswachstum und niedrigen Risikokosten zu nützen, um so zu investieren, dass mittelfristig die Kosten sinken. Die Digitalisierung und Prozessänderungen sind Themen, die man jetzt angehen sollte, meine ich, wenn die Ertragslage günstig ist, und nicht erst dann, wenn es einem wieder schlechter geht.

Wie gefährlich sind die von Ihnen schon angesprochenen Fintechs auf der einen und die großen Internet-Konzerne auf der anderen Seite? Was können die besser als die Banken?

Was die großen Internet-Konzerne betrifft, die sind bisher nicht im großen Stil ins Banking hineingegangen. Was die Fintechs angeht, gibt es einen wesentlichen Unterschied. Die Banken haben Strukturen, in denen Veränderungen nur mit großem Aufwand möglich sind. Da sind die Fintechs einfach schneller. Eines ist jedenfalls sicher: Wer immer zukünftig Bankgeschäfte macht, unterliegt einer Regulierung, das gilt für große IT-Konzerne und auch Fintechs.

Vor wenigen Tagen wurde eine Reform der Bankenaufsicht beschlossen. Sie soll Erleichterungen für kleinere Banken bringen. Wurde das erreicht?

Hier hat Österreich einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ein Beispiel: Eine kleinere Bank muss keine eigene Innenrevisionseinheit mehr einrichten. Auch diverse Aufsichtsratsausschüsse können für kleine und mittelgroße Banken entfallen. Mir ist ja die Proportionalität ein großes Anliegen, weil die Regulierung einen Komplexitätsgrad erreicht hat, der einfach nicht notwendig ist. Und bei kleinen Banken erst recht nicht. Ich will sicher nicht das Regulierungsniveau, also Eigenkapital- oder Liquiditätspolster reduzieren, aber bei der Komplexität der Prozesse kann man etwas nachlassen.

 

Zur Person

Andreas Ittner (59) wurde in Wien geboren. Er studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo er 1980 den Magistertitel in Betriebswirtschaftslehre erhielt. Seit 1983 arbeitet er für die Oesterreichische Nationalbank. 1987 wurde er Leiter des Sekretariats des Präsidenten und 1997 Direktor der Hauptabteilung Finanzmarktstabilität und Bankenprüfung. Seit 2008 ist er Mitglied des Direktoriums.

 

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Artikel Hermann Neumüller 21. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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