WIEN. Nabucco - Das Gaspipeline-Projekt mit geschätzten Kosten von 7,9 Mrd. Euro hat zum Ziel, Gas aus dem kaspischen Raum über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich zu transportieren. Der Baubeginn für die 3.300 km lange Rohrleitung wird für 2011 anvisiert, die ersten Lieferungen mit einer Anfangskapazität von 8 bis 10 Mrd. m3 Gas werden für 2014 erwartet.
Nabucco könnte ab 2020 bis zu 31 Mrd. m3 Gas pro Jahr aus Zentralasien und dem Nahen Osten - möglicherweise auch aus dem Iran - nach Europa bringen und dadurch die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen reduzieren. Einige Branchenexperten schätzen die Baukosten von Nabucco auf bis zu 10 Mrd. Euro.
Angeführt wird das Nabucco-Konsortium von der österreichischen OMV-Gruppe. Beteiligt sind an dem Projekt auch die deutsche RWE, die ungarische MOL, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding sowie die rumänische Transgaz.
South Stream - Gazprom und die italienische Eni wollen um 10 Mrd. Euro eine Gaspipeline bauen, die als Konkurrenzprojekt zur Nabucco gilt. South Stream soll russisches Gas unter dem Schwarzen Meer nach Südosteuropa bringen, wobei man die Ukraine umgehen will. Russland hat sich für das Projekt bereits Partner aus Bulgarien, Ungarn und Griechenland gesichert. Ein Teil der Pipeline soll über Serbien verlaufen.
Trans Adria Pipeline (TAP) - Ab 2012 soll die 520 km lange Pipeline Gas über Griechenland und Albanien über die Adria nach Süditalien befördern. Die TAP ist ein 50/50-Joint-Venture der schweizerischen EGL und der norwegischen StatoilHydro. Die geschätzten Baukosten betragen 1,5 Mrd. Euro. Die Startkapazität soll 10 Mrd. m3 Gas pro Jahr betragen, sie könnte aber verdoppelt werden, um künftig bis zu 20 Mrd. m3 Gas aus dem kaspischen Raum und dem Nahen Osten nach Europa zu bringen.
Medgaz - Mit dem Bau der 210 km langen Tiefsee-Pipeline wurde im März 2008 begonnen, in Betrieb gehen soll sie bereits Mitte 2009. Über die Medgaz sollen bis zu 8 Mrd. m3 Gas pro Jahr aus Algerien nach Spanien befördert werden. Projektbetreiber sind die staatliche algerische Gasgesellschaft Sonatrach und ein Konsortium aus spanischen und französischen Unternehmen.
Galsi Pipeline - Die Gaspipeline soll 2012 in Betrieb gehen und jährlich bis zu 10 Mrd. m3 Gas aus Algerien nach Italien über Sardinien befördern. Beteiligt sind unter anderem die algerische Sonatrach, der italienische Energiekonzern Edison und der italienische Versorger Enel.
Pan-European Oil Pipeline (PEOP) - Die Pipeline soll 2012 ihren Betrieb aufnehmen und den rumänischen Hafen Constanta mit Triest verbinden - über Serbien, Kroatien und Slowenien. Die 1.400 km lange Leitung soll zwischen 2 und 3,5 Mrd. Dollar (zwischen 1,52 und 2,66 Mrd. Euro) kosten und Raffinerien in Norditalien und Mitteleuropa mit Rohöl aus dem kaspischen Raum versorgen. Die Kapazität wird anfangs 1,2 bis 1,8 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag (bpd) betragen.
Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) - Die vom britischen Ölkonzern BP betriebene Öl-Pipeline hat 4 Mrd. Dollar gekostet und wurde im Juni 2006 eröffnet. Sie befördert 1 Mio. bpd an Öl aus Aserbaidschan über 1.770 km zum türkischen Hafen Ceyhan.
Caspian Pipeline Consortium (CPC) - Die Gasleitung verbindet die Ölvorkommen im kasachischen Teil der Kaspischen See mit dem russischen Schwarzmeer-Hafen Novorossijsk. Obwohl die 1.510 km lange CPC-Pipeline über russisches Territorium verläuft und gemeinsam mit der russischen Regierung projektiert wurde, war sie die erste alternative Exportroute für kasachisches Öl zu den russischen dominierten nördlichen Routen. Die Pipeline-Betreiber wollen die Kapazität der Leitung von derzeit 33 Mio. Tonnen bis 2013 verdoppeln.
Druschba-Pipeline - Die russische Öl-Pipeline beginnt im russischen Samara und endet im kroatischen Adria-Hafen Omisalj. Sie verbindet Deutschland, Polen, Ungarn, die Slowakei und Tschechien. Sie hat eine Kapazität von über 2 Mio. bpd, wovon 1,4 bis 1,6 Mio. bpd direkt an die Verbraucher in der EU gehen - der Rest bleibt in Weißrussland. Die Druschba-Pipeline verzweigt sich in einen größeren nördlichen Zwei nach Polen und Deutschland und einen südlichen Zweig, der die Slowakei, Ungarn und Tschechien versorgt. Ein Fünftel der deutschen Ölversorgung erfolgt über die Druschba-Pipeline.
Yamal Europe Pipeline - Die Gas-Pipeline verläuft von der russischen Arktis-Halbinsel Yamal (Jamal) über 4.000 km nach Frankfurt an der Oder an der polnisch-deutschen Grenze. Ihre Kapazität beträgt 32,3 Mrd. m3 Gas pro Jahr.
Baltic Sea Pipeline - Die geplante 7,4 Mrd. Euro teure Gaspipeline soll über 1.200 km unter der Ostsee vom russischen Vyborg nach Greifswald in Deutschland verlaufen. Projektbetreiber ist das Konsortium „Nord Stream“, an dem der russischen Gaskonzern Gazprom die Mehrheit hat. Beteiligt sind auch der deutsche BASF-Konzern und E.ON sowie die holländische Gasunie. Geplant sind zwei parallele Gasleitungen von jeweils 1.200 km Länge. Die erste soll 2011 fertig sein, die zweite 2012. Die jährliche Transportkapazität soll bei 55 Mrd. m3 Gas liegen.
Balkan Oil Pipeline - Die 279 km lange Ölpipeline soll rund 1 Mrd. Euro kosten und den bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas mit dem griechischen Ägäis-Hafen Alexandroupolis verbinden. Mit dem Bau soll noch heuer begonnen werden, in Betrieb gehen soll die Pipeline 2011. Der russischen Konzerne Rosneft, Gazprom und der Pipeline-Monopolist Transneft werden 51 Prozent an der Pipeline halten, 49 Prozent teilen sich Griechenland und Bulgarien. Die Kapazität soll 35 Mio. Tonnen pro Jahr betragen, mit einer Erweiterungsoption auf 50 Mio. Tonnen.
Czech-Belgium Pipeline - Der deutsche Energiekonzern RWE will 1 Mrd. Euro in den Bau einer Erdgas-Pipeline von Tschechien nach Belgien investieren. Die Pipeline soll 2011 fertig sein und dann jährlich 5 Mrd. m3 russisches Gas befördern.
Caspian Gas Pipeline - Russland, Turkmenistan und Kasachstan haben sich auf den Bau einer Gaspipeline rund um die Kaspische See geeinigt. Sie soll ab 2009/2010 bis zu 20 Mrd. m3 Gas transportieren. Nach Ansicht von Kritikern festigt Russland damit seine Kontrolle über die Gasexporte der Region. Moskau argumentiert hingegen, dass damit eine zusätzliche Route zur Versorgung der EU geschaffen werde.
Baltic Pipeline Expansion - Russland hat zugestimmt, das baltische Pipeline-System zu erweitern, um russische Ölexporte unter Umgehung Weißrusslands nach Ust-Luga in der Nähe des russischen Ostsee-Hafens Primorsk zu ermöglichen. Der Vorschlag zum Bau einer Pipeline nach Primorsk kam vom russischen Pipeline-Monopolisten Transneft nach einem Streit mit Weißrussland, der zu einer Unterbrechung der Öllieferungen nach Europa geführt hatte. Die neue Pipeline soll rund 4 Mrd. Dollar kosten und eine Kapazität von 1 Mio. bpd haben.
Hungary Gas Pipeline - Der MOL-Konzern will seine bestehende Pipeline in die Ukraine um 100 km verlängern und dafür bis 2010 rund 48 Mrd. Forint (168 Mio. Euro) ausgeben. Damit soll der wachsende Gasbedarf Ungarns abgedeckt werden. MOL und die rumänische Transgas wollen außerdem ihre Pipeline-Netze durch eine neue 109 km lange Pipeline verbinden. Diese Pipeline zwischen dem ungarischen Szeged und dem rumänischen Arad soll bis 2010 fertig sein.
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