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Molkereien gegen Lieferverzicht, weil Milchmarkt anzieht

MONDSEE. Bauern werden für Nicht-Produktion belohnt – Verarbeiter befürchten Engpass.

Molkereien sind gegen Lieferverzicht, weil Milchmarkt international anzieht

2015/16 floss zu viel Milch Bild: (Wodicka)

"Es gibt in der Europäischen Union schon zu wenig Milchfett, weil die Bauern den Kraftfuttereinsatz reduziert haben. Der Fettanteil der gelieferten Milch ist deshalb von 4,2 auf 3,8 Prozent zurückgegangen." Das berichtete der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Helmut Petschar von Kärntnermilch, gestern, Donnerstag, bei der Jahrestagung im Schloss Mondsee.

Aus diesem Grund sei in den nächsten Wochen damit zu rechnen, dass nach dem Preis für Butterfett auch jener für die Rohmilch anziehen werde. "Es ist natürlich schwer zu erklären, dass wir noch im Mai in Milch ertrunken sind und sie jetzt schon wieder zu wenig wird", sagte Molkereiensprecher Petschar.

Belohnung 14 Cent pro Liter

Deshalb sei der Zeitpunkt falsch, jetzt die Milchmenge mit einer Verzichtsaktion weiter zu drosseln: "Der Zeitpunkt ist jetzt unglücklich. In den ersten Monaten des Jahres hätten wir sie gebraucht", sagte Petschar, und: "Wir brauchen Steuerungsmechanismen. Ich bin froh, dass es diese Aktion gibt", sagte Petschar. Sie sollte aber jetzt nicht umgesetzt werden, sondern "im Anlassfall, auf Knopfdruck, wenn wir wieder in Milch ertrinken".

Seit Anfang September können sich Bauern für die Verzichtsaktion anmelden: Wer an seine Molkerei um mindestens 1500 Kilo weniger Milch als im Vergleichsquartal des Vorjahres liefert, erhält pro Kilo (Liter) 14 Cent. Obergrenze ist maximal die Hälfte seiner Liefermenge (für den Durchschnittsbauern wären das maximal 25.000 Kilo im Quartal, belohnt mit 4250 Euro Hilfe aus EU-Mitteln).

Bis jetzt haben sich in Österreich aber erst 700 Bauern angemeldet. Ab Oktober sollte die Lieferreduktion starten. Insgesamt 150 Millionen Euro stehen für dieses sogenannte zweite EU-Hilfspaket zur Verfügung.

Der VÖM erwartet, dass es in den nächsten Wochen gelingt, höhere Preise mit dem Lebensmittelhandel zu erzielen, zuerst für Butter. "Es kann nicht sein, dass wir von einem auf den anderen Tag anpassen müssen, wenn der Milchpreis sinkt, und dass wir ständig vertröstet werden, wenn der Milchpreis steigt", sagte Petschar. Dann könne auch der Bauernmilchpreis steigen.

Hoher Qualitätsanteil

Österreichs Molkereivertreter weisen darauf hin, dass sie auch in der Krise den höchsten Bauernmilchpreis der Europäischen Union gezahlt hätten. Im Vergleich zu Deutschland seien es im ersten Halbjahr 2016 fünf Cent je Kilo mehr gewesen. Das habe den Bauern einen Mehrerlös von 104 Millionen Euro gebracht (im Gesamtjahr 2015 plus 109 Millionen). Vor 15 Jahren schon war das Preisniveau aber höher.

Als richtig stelle sich die Qualitätsorientierung heraus: In Österreich sind 14 Prozent der erzeugten Milch biologisch, 15 Prozent Heumilch, 68 Prozent aus dem wirtschaftlich benachteiligten Bergland und 100 Prozent ohne gentechnisch verändertem Viehfutter (GVO-frei). Petschar: "Wir erwarten uns dafür auch Fairness und Loyalität der Partner im Lebensmittelhandel und der Industrie."

 

Österreichs Milch 2015/14

30.848 Milchbauern: – 3,4 %
538.990 Milchkühe: + 0,2 %
17,5 Kühe je Bauer: + 3.8 %
100.573 kg je Bauer: + 4,9 %
5756 kg je Kuh: + 1,1 %

Österreichs Molkereien 2015:

Milchmenge: 3,01 Millionen Tonnen: + 5,3 %
Umsatz 2,3 Mrd. Euro: – 5,3 %
Exportwert 1,15 Mrd.: – 2,6 %
Importwert 0,70 Mrd.: – 4,8 %

Bauernmilchpreis (netto):

2015 Österreich 33,21 Cent/kg,
Deutschland 29,70
1. Halbjahr 2016 30,61/25,30

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Artikel 16. September 2016 - 00:05 Uhr
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