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Milliardenverluste mit dem Sparbuch

WIEN. Spareinlagen haben seit 2012 jährlich 2,2 Milliarden Euro an realem Wert verloren – Wertpapiere liegen klar im Plus. Trotzdem bleibt das Sparbuch wegen seiner Sicherheit mit Abstand die beliebteste Anlageform der Österreicher.

   Bild: Erwin Wodicka

In gut zwei Wochen ist Weltspartag. Die Banken werden ihre Kunden einladen und verköstigen. Getrübt wird die Feierstimmung von der Geldpolitik der Notenbanken. Das Zinsniveau liegt an der Nulllinie – weit unter der Inflation.

So bringt das Sparbuch Milliardenverluste, wie Berechnungen der Bank Austria ergeben. In den vergangenen fünf Jahren wurden die Spareinlagen der Österreicher real um 2,2 Milliarden Euro jährlich weniger wert. Die Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Fonds), die von Anlegern gehalten wurden, gewannen real 2,2 Milliarden Euro an Wert. Trotzdem haben die privaten Haushalte die Hälfte ihres Geldvermögens in Spareinlagen, das waren im Vorjahr 233 Milliarden Euro. In Wertpapieren liegt ein Viertel (115 Milliarden Euro 2016).

"1990 brauchte man wegen der höheren Zinsen knapp zwölf Jahre, um sein Sparguthaben zu verdoppeln. Heutzutage wären es rund 400 Jahre", sagt Christian Noisternig, Privatkunden-Bereichsvorstand bei der Bank Austria. Die Anleger nehmen den Kaufkraft-Verlust in Kauf, weil sie die hohe Sicherheit des Sparbuchs schätzen.

"Wenn man mit dem Ziel spart, sich später etwas leisten zu können, muss man unbedingt über das Sparbuch hinausdenken", sagt Thomas Schaufler, Privatkunden-Vorstand bei der Erste Bank. Damit einher gehe natürlich höheres Risiko. "Aber die niedrigen Zinsen und die steigende Inflation vernichten geparktes Geld, wenn man sich als Anleger nicht darum kümmert." Als mögliche Alternative empfiehlt die Erste Asset Management ethisch-nachhaltige Investitionen.

Das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS hat im Auftrag der Erste Bank eine repräsentative Umfrage durchgeführt. 76 Prozent gaben an, Geld auf dem Sparbuch zu haben. Das ist mit Abstand Platz eins. Fast jeder Zweite lässt sein Geld sogar auf dem Girokonto liegen. Wertpapiere spielen bei 29 Prozent eine Rolle. Hier sind weniger Aktien als vielmehr Staatsanleihen und Fonds beliebt.

Beratungen per Video

Generell ist die Sparlaune heuer wieder gestiegen. Laut Umfrage beträgt der durchschnittliche monatliche Sparbetrag 239 Euro.

Die Bank Austria wolle, dass "die breite Masse der Anleger von den Ertragschancen abseits des Sparbuchs profitiert", sagt Noisternig. Darum wurde die Grenze, ab der umfassendes Vermögensmanagement angeboten wird, von 500.000 auf 50.000 Euro gesenkt. Außerdem führt die Bank Austria nun Video-Beratungen durch. Der persönliche Berater eines Kunden kann von jeder Filiale aus einen von 100 Veranlagungsexperten hinzuschalten. Bisher gab es 20.000 solcher Video-Beratungen. Dabei gibt es für Privatanleger auch Analysen mit finanzmathematischen Modellen, wie man sie sonst von institutionellen Investoren kennt.

 



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Artikel Alexander Zens 13. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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