Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Samstag, 26. Mai 2018, 08:30 Uhr

Linz: 15°C Ort wählen »
 
Samstag, 26. Mai 2018, 08:30 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Wirtschaft

Milliarden-Einigung bei deutscher Lkw-Maut nach 14 Jahren

BERLIN. Der milliardenschwere Rechtsstreit wegen der zu späten Einführung der Lkw-Maut in Deutschland ist nach 14 Jahren gelöst. Der deutsche Bund einigte sich mit den Hauptgesellschaftern des Betreibers Toll Collect auf einen Vergleich und bekommt von ihnen 3,2 Mrd. Euro.

Dobrindt verschiebt Maut-Start

Maut-Streit gelöst Bild: Jens BŸttner (dpa-Zentralbild)

Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges sprach am Donnerstag von einem "fairen Ergebnis". Daimler betonte, die Verständigung schließe eine lange Auseinandersetzung für alle Beteiligten vernünftig ab. Nach Worten von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kann das "Erfolgsmodell Lkw-Maut" jetzt unbelastet fortgeführt werden. Für die anstehende Neuvergabe des Betreibervertrags sind rechtliche Risiken vom Tisch.

Scheuer nannte den Vergleich einen "historischen Durchbruch", mit dem die "bestmögliche Lösung für den Steuerzahler" erreicht worden sei. Wegen technischer Probleme konnte die Lkw-Maut 2005 erst mit zwei Jahren Verspätung starten. In zwei Schiedsverfahren ging dann aber jahrelang nichts voran. Der Bund hatte insgesamt 9,5 Mrd. Euro geltend gemacht, die Unternehmen Forderungen von rund 4,9 Mrd. Euro. Toll Collect gehört zu jeweils 45 Prozent der Telekom und Daimler, den Rest hält der französische Autobahnbetreiber Cofiroute.

Scheuer sagte, er habe die Verhandlungen zur Chefsache gemacht, da er keinen Streit für die Ewigkeit wollte. Die Vergleichs-Summe von 3,2 Mrd. Euro enthält laut Ministerium unter anderem Barleistungen von 1,1 Mrd. Euro, weitere 1,1 Mrd. Euro, die der Bund aufgrund des Streites einbehalten hatte, sowie zusätzlich Zinsen und Vertragsstrafen. Ob das Geld in den allgemeinen Haushalt fließt oder direkt für Verkehrsvorhaben reserviert werden kann, blieb zunächst offen. Das Ministerium verwies darauf, vor der formalen Bestätigung des Schiedsspruches noch keine näheren Angaben machen zu können.

Die Opposition kritisierte die Einigung. Scheuer habe sich "über den Tisch ziehen lassen", weil er nicht mal die Hälfte der rechtmäßigen Forderung bekommen habe, sagte Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler. Dies zeige generell Probleme der Privatisierung öffentlicher Aufgaben. "Der Bund muss jetzt endlich die Reißleine ziehen und die Lkw-Maut in Eigenregie einheben." Der Linke-Haushälter Victor Perli kritisierte: "Die Bundesregierung hat unter Zeitdruck einem für die Steuerzahler schlechten Deal zugestimmt." Scheuer habe den Konzernen einen "milliardenschweren Rabatt" gewährt. Dem Bund entstanden über die Jahre Kosten von fast 245 Mio. Euro, vor allem für Anwälte.

Die Verständigung erleichtert auch die Suche nach dem neuen Betreiber des Mautsystems. Der Vertrag mit Toll Collect endet am 31. August. Der Bund will die Anteile zum 1. September übernehmen und für sechs Monate selbst halten. Zum 1. März 2019 soll die Gesellschaft dann an den künftigen Betreiber verkauft werden. Dieser Zeitplan gilt weiter.

Die bisher auf Autobahnen und 2.300 Kilometern Bundesstraße fällige Maut soll zudem zum 1. Juli auf das gesamte, 39.000 Kilometer lange Bundesstraßennetz ausgedehnt werden. Zum 1. Jänner 2019 treten neue Mautsätze in Kraft, die ebenfalls mehr Geld bringen. Insgesamt sollen die Einnahmen von zuletzt 4,7 Mrd. Euro auf durchschnittlich 7,2 Mrd. Euro pro Jahr anwachsen. Abzüglich von Kosten fließt das Geld zweckgebunden für Investitionen in die Verkehrswege.

Kommentare anzeigen »
Artikel nachrichten.at/apa 17. Mai 2018 - 18:21 Uhr
Mehr Wirtschaft

Moody's bestätigt Österreich-Rating mit "Aa1" und stabilem Ausblick

WIEN. Die Ratingagentur Moody's hat in ihrer jährlichen Kreditanalyse auch heuer das Rating für die ...

Italien: Die Achillesferse Europas

Die neue Regierung in Rom macht die Europartner nervös.

Raiffeisen kauft Timelkamer Onlinehändler e-tec

Beteiligungen: Wie die Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich mit einem Fonds-Volumen von 300 Millionen ...

Alles Bio - Geht das?

WIEN/LINZ. 100 Prozent Bio-Landwirtschaft wären in Österreich machbar, zeigt eine Studie.

"Die durchschnittliche Österreicherin hat eine andere Figur als eine Asiatin"

LINZ/ORT IM INNKREIS. Fussl-Chef Karl Mayr über den Einheitsbrei in der Textilbranche und sein Erfolgsrezept.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!