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Kluft in der Autoindustrie wird größer: Opel, Fiat & Co. auf der Verliererstraße

BERLIN. Deutsche Premiumhersteller wie VW und BMW konnten der Autokrise bisher trotzen.

Autoindustrie Auto Automarkt

Bild: EPA

Der Wolfsburger Autohersteller Volkswagen (VW) hat 2012 Siemens als wertvollstes Unternehmen Deutschlands abgelöst. Volkswagen ist als einziges deutsches Unternehmen an der Börse mehr als 100 Milliarden US-Dollar wert. Es scheint, als könne die Krise der internationalen Autoindustrie dem VW-Konzern nichts anhaben. Dabei wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern in der Autowelt immer größer.

Von Jänner bis November hat der Volkswagen-Konzern 8,29 Millionen Autos verkauft, um zehn Prozent mehr als im Vorjahr. „Schon nach elf Monaten haben wir mehr Fahrzeuge ausgeliefert als im gesamten letzten Jahr“, sagte VW-Konzern-Vertriebsvorstand Christian Klingler. Volkswagen profitiert dabei auch von der Schwäche seiner Mitbewerber. Denn insbesondere in Europa war 2012 ein schwarzes Jahr für die Autoindustrie.

Die Autonachfrage sank zuletzt bereits 14 Monate in Folge. Bis November wurden in Europa um acht Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt, wie der Branchenverband ACEA mitteilte. Das sind drei Millionen Stück weniger als in den Vorjahren.

Europäische Hersteller, die keine oder zu spät außereuropäische Märkte erschlossen haben, trifft diese Entwicklung besonders hart: Fiat, Opel, Peugeot und Citroën sowie die europäische Tochter von Ford. Sie haben 2012 eine Welle von Werksschließungen begonnen.

Zahlreiche Werke schließen

Ford will drei Fabriken in Belgien und Großbritannien schließen. 6500 Arbeitsplätze werden gestrichen. Bei Peugeot sind es 3000, wenn ein Werk in der Nähe von Paris dichtgemacht wird. Und die Opel-Mutter General Motors hat zum 50. Geburtstag des Werks Bochum angekündigt, den Standort mit mehr als 3300 Beschäftigten 2016 zu schließen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten fielen aus.

Der europäische Branchenverband ACEA geht davon aus, „dass es in den nächsten Monaten weitere solcher Ankündigungen geben wird“. Einer Faustregel zufolge verdient eine Autofabrik erst dann Geld, wenn sie zu mindestens 80 Prozent ausgelastet ist.

In den Chor der Pessimisten stimmen Unternehmensberater ein. Laut PricewaterhouseCoopers sind europaweit 15 Fabriken so schwach ausgelastet, dass sie auf den Prüfstand gehören. Elmar Kades von Alix Partners wiederum prognostiziert, dass das Absatzniveau in Europa bis zum Ende des Jahrzehnts das Vorkrisenniveau von 2007 nicht wieder erreichen werde.

„Die Massenhersteller werden im nächsten Jahr gehörige Probleme haben, der Wind wird ihnen massiv entgegenblasen“, sagt der deutsche Ökonom und Autoexperte Franz-Rudolf Esch. Auch er spricht davon, dass sich die „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ aus Herstellern, die auf hohe Stückzahlen angewiesen sind, und weltweit agierenden Premiummarken verfestigen wird.

Tempomacher aus Deutschland

Zu den erfolgreichen Premiumherstellern gehören neben dem Volkswagen-Konzern auch BMW oder Daimler. Den deutschen Autobauern ist es auch 2012 gelungen, international das Tempo vorzugeben. Sie haben sich frühzeitig weltweit aufgestellt, bieten eine breite und qualitativ hochwertige Modellpalette.

Die Deutschen planten oder eröffneten im Vorjahr Autofabriken in der ganzen Welt: Daimler in den USA, BMW in Brasilien, VW in Mexiko, Russland und China. Volkswagen etwa verkauft mittlerweile ein Drittel seiner gesamten Autoproduktion in China, dem größten Automarkt der Welt, und ist dem Marktführer in China, General Motors, bereits dicht auf den Fersen.

Denn während der europäische Automarkt schrumpft, wächst die weltweite Nachfrage nach Autos ungebrochen. 2012 wurden knapp 70 Millionen Fahrzeuge verkauft. Bis 2020 dürften es Schätzungen zufolge rund 90 Millionen Stück sein.

 

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Kommentar "Bremsspur" von Susanne Dickstein

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Artikel 02. Januar 2013 - 00:05 Uhr
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