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Klein gegen groß: Weil Agrarfördergeld knapp wird, soll umverteilt werden

BRÜSSEL / WIEN. Wegen des Brexit werden ab 2020 Milliarden fehlen - Sicherheit wird mehr Geld kosten.

   Bild: VOLKER WEIHBOLD

Weil die Briten austreten und bald ihren EU-Mitgliedsbeitrag von mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr nicht mehr zahlen werden, steht den Bauern ein finanzieller Aderlass bevor. Der Agrarsektor ist mit 40 Prozent Anteil der größte Brocken im EU-Haushalt. Laut Papierform würden mehr als 100 Millionen Euro Agrargeld weniger nach Österreich fließen.

Das wäre schmerzhaft, denn unsere Bauernhöfe erzielen im Schnitt bereits etwas mehr als 70 Prozent ihres Einkommens aus öffentlichen Geldern (siehe Grafik). Parallel dazu diskutiert die EU seit Monaten die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab dem Finanzjahr 2020. Umverteilung ist bei den Agrarvertretern das große Thema.

Förderung nur bis "x Hektar"

Oberösterreichs Landwirtschaftskammer fordert etwa, dass die Förderungen im bisherigen Ausmaß gesichert werden müssten. Bei der Basisförderung (Betriebsprämie je Hektar) verlangt Präsident Franz Reisecker allerdings eine Degression, also den Hektarsatz nur bis zu "x Hektar". Hintergrund: Wenn die EU die Agrarriesen in Frankreich, Deutschland und Osteuropa gleich fördert, sinkt die Wettbewerbsfähigkeit in den Ungunstlagen, etwa bei Bergbauern, immer weiter.

"Jeder österreichische Landwirtschaftsbetrieb, egal wie groß er ist, ist auf die Betriebsprämie angewiesen", sagt dagegen Richard Auer-Welsbach von den "Land- und Forstbetrieben Österreich", der Vertretung der größeren landwirtschaftlichen Güter. "Großbetriebe im europäischen Kontext gibt es bei uns nicht, ja nicht einmal Mittelbetriebe." Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, ist gegen die Debatte: "Jeder, der Spaß daran hat, die Gesellschaft zu teilen, kann mit diesem Thema gewinnen." Aber finanziell bringe das wegen der Struktur in Österreich nichts, und in der EU gebe es dafür keine Mehrheit.

Schultes glaubt, dass es mehr Geld für die EU und für die Landwirtschaft geben müsse – also höhere Länderbeiträge –, denn die Gemeinschaft müsse mehr in innere und äußere Sicherheit investieren. "Zur Sicherheit gehört auch eine autonome Versorgung mit Lebensmitteln." Es müsse ein Wert sein, dass in Österreich Lebensmittel erzeugt werden.

Der EU hat zu einer öffentlichen Diskussion über die GAP aufgerufen und 300.000 Vorschläge erhalten. Gegen Jahresende soll ein erstes Konzept vorliegen.

Agrarförderungen in Österreich und in der EU

  • 1,76 Milliarden Euro erhalten Österreichs Bauern pro Jahr an Förderungen, davon 1,3 Milliarden von der EU, den Rest von Bund, Ländern und Gemeinden.
  • 2,2 Prozent ist der Anteil Österreichs am EU-Agrarhaushalt (von 57 Milliarden Euro im Jahr).
  • 295 Euro je Hektar erhält jeder österreichische Bauer EU-Basisförderung (= Betriebsprämie). 230 Euro beträgt der EU-Schnitt.

 



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Artikel Josef Lehner 20. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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