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Gentechnik-Gegner feiern Anbauverbot Die neue Technologie bremst es aus

EU-Länder dürfen GVO-Pflanzen verbieten, doch Wissenschaft überholt die Regulierer.

Gentechnik-Gegner feiern Anbauverbot Die neue Technologie bremst es aus

Bild: Colourbox

Vor zehn Jahren trafen sich die gentechnikfreien Regionen Europas in Berlin, um zum Kampf gegen genveränderte Organismen (GVO) anzutreten. "Damals hätte niemand daran geglaubt, dass wir uns mit einem Anbauverbot für GVO-Pflanzen bei der EU durchsetzen", sagte Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober bei der achten GVO-frei-Konferenz diese Woche in Berlin. Heuer im März gab die EU-Kommission grünes Licht für Anbauverbote der Mitgliedsländer.

Trotzdem war in der deutschen Hauptstadt kein Grund zum Feiern, denn der Widerstand gegen GVO steckt in einer Sackgasse. Erstens haben Wissenschafter in den USA und Europa in den vergangenen zwei Jahren Techniken entwickelt, die Pflanzen mit Eingriffen in die Erbsubstanz vorteilhafte Eigenschaften verleihen, ohne dass sie im Labor feststellbar sind oder dass nach derzeitiger Definition eine Genmanipulation vorliegt.

Deshalb beschloss die Konferenz mit Vertretern aus 64 EU-Regionen gestern, Freitag, in einer "Berliner Deklaration", dass auch die neuen Techniken rasch gesetzlich als Genmanipulation definiert werden müssten. Das wird nicht nur zum Zeitproblem, denn das Verfahren beim Anbauverbot hat allein fünf Jahre gedauert. Außerdem mangelt es bei der Beweisbarkeit: "Die Unterscheidung, ob diese (genetische Veränderung) auf natürlichem oder künstlichem Wege herbeigeführt wurde, kann nicht oder nur mit enormem finanziellen Aufwand geführt werden", stellte die österreichische Expertin Alexandra Ribarits von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in einer Analyse fest. "CisGenetik, Gen-Editing etc. sind echte Herausforderungen", gesteht Benedikt Haerlin, einer der Pioniere der Anti-GVO-Bewegung und einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Freier Warenverkehr bedroht

Das zweite große Problem hat die EU-Kommission den GVO-Gegnern erst vor zwei Wochen beschert. Für ihre Forderung, die Verbreitung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel zu verbieten, will die Kommission national freie Hand gewähren. Experten sagen, das sei ein zeitraubendes Ablenkungsmanöver, denn der EU-Rat als bestimmendes Gremium würde nie zulassen, dass auf diese Art zwei Säulen der Gemeinschaft, nämlich freier Warenverkehr und Binnenmarkt, faktisch außer Kraft gesetzt würden.

Benedikt Haerlin forderte in Berlin, die EU müsse vorschreiben, GVO-Produkte klar zu kennzeichnen: "Das nimmt dann niemand ins Sortiment, weil er weiß, dass die Konsumenten Gentechnik ablehnen." In der "Berliner Deklaration" wird festgehalten, dass das Recht der Bürger auf Transparenz umzusetzen sei. Die Wirtschaft wird diesen Wunsch blockieren; sie will den umgekehrten Weg, nämlich GVO-freie Produkte als solche auszuzeichnen.

Die gentechnikfreien Regionen wollen den Hebel nun bei jenem in der EU zirkulierenden GVO-Produkt ansetzen, das mengen- und wertmäßig die dominierende Rolle spielt: beim Futtermittel. Rund 25 Millionen Tonnen GVO-Sojaschrot, großteils aus Südamerika, werden pro Jahr von EU-Staaten importiert und an Geflügel, Schweine und Rinder verfüttert. Dagegen soll eine EU-Eiweißstrategie umgesetzt werden, mit Sojaanbau in der Gemeinschaft. Die Gruppe Donausoja will dafür die Bauern in Osteuropa gewinnen.

Wer zahlt für GVO-frei?

Österreich hat bereits in der Geflügelhaltung und der Milchproduktion einen freiwilligen Verzicht auf GVO-Futter. Die Mehrkosten würden mit den aktuellen Preisen im Handel jedoch nicht abgegolten, sagte Landesrat Max Hiegelsberger. "Wir müssen die Konsumenten für GVO-freie Produkte gewinnen. Es muss also einen Markt dafür geben, sonst wird es nicht funktionieren." Massiv warnen Österreichs Bauern vor nationalen Alleingängen mit Futtermittelverboten, wie sie die EU-Kommission vorschlägt: Damit werde österreichisches Fleisch von billiger Importware verdrängt.

Der Sojaanbau in Europa hat heuer zwar stark zugelegt, weil es dafür jetzt Agrarförderung gibt. Trotzdem sieht der oberösterreichische Agrarhändler Karl Pilsl, der die Bauern in Mitteleuropa mit GVO-freiem Soja aus Brasilien versorgt, vor Mangel: "Die deutschen Handelsketten haben erklärt, auf GVO-frei umzustellen."

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Artikel Josef Lehner aus Berlin 09. Mai 2015 - 00:04 Uhr
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