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EU will deutsche Förderung von Ökostrom unterbinden

BRÜSSEL. Deutschland dürfe den Bau von Wind- und Sonnenstromanlagen nicht mehr mit über Jahre garantierten Stromtarifen fördern. Das verlangt Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia mit seinem neuen Entwurf einer Richtlinie für erneuerbare Energien.

Die Eckpfeiler der deutschen Energiewende

Pumpspeicherwerk, Projekt Ebensee: Bedarf in einigen Jahren Bild: EAGOÖ

Deutschland müsse die gewünschten Strommengen künftig ausschreiben; wer den geringsten Strompreisaufschlag verlange, dürfe die Anlagen bauen.

Das Papier soll aber selbst innerhalb der EU-Kommission umstritten sein. Die neue deutsche Koalitionsregierung kündigt ein solches System erst ab etwa 2020 an. Almunia will aber auch ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland einleiten, weil die Industrie von den erhöhten Tarifen befreit ist.

Eine Änderung hätte Folgen für Österreich, weil die Stromwirtschaft auch hier vom Preisverfall geprägt ist, den der deutsche Sonnen- und Windstrom verursacht hat. Investitionen, etwa in den Bau von Pumpspeicherkraftwerken, wurden verschoben.

Der deutsche Energieexperte und Politikberater Uwe Leprich (Institut für Zukunftsenergiesysteme) erklärte aber am Dienstag in einem Vortrag vor dem oberösterreichischen Elektrizitätsbeirat, dass ab 2020 neue Kraftwerke nötig seien. "Wir werden für unsere Pumpspeicher rasch Genehmigungsverfahren brauchen", sagte Landesrat Rudi Anschober.

Stromwende bis 2025

Österreich ist speziell gefordert, weil die süddeutschen Atomkraftwerke bis 2022 stillgelegt werden. In den nächsten Jahren habe die Flexibilisierung des aktuellen Systems Priorität, um die erneuerbaren Energiequellen optimal zu nützen, sagte Leprich. So solle Überschussstrom in die Wärmeerzeugung gehen. Der Wirkungsgrad leide, aber es sei besser, als den Strom "wegzuwerfen".

Leprich geht davon aus, dass die Energiewende trotz Widrigkeiten umgesetzt wird: "Wenn Wind und Sonne in Deutschland 40 bis 45 Prozent des Stroms bringen, ist das System gekippt. Dann muss alles nach ihrer Pfeife tanzen." Das werde bis 2025 geschafft.(le)

Die Eckpfeiler der deutschen Energiewende

25 Prozent des deutschen Stroms sind erst aus erneuerbaren Quellen, die Masse noch aus Atom und Kohle. In Österreich sind aufgrund der Wasserkraft 80 Prozent erneuerbar.

35 Gigawatt Leistung hat Deutschland bereits bei Sonnenstrom (ein Gigawatt entspricht etwa der Leistung eines großen nuklearen Kraftwerksblocks). 2019 soll das Ziel von 52 Gigawatt erreicht sein. Küstenwindstrom: Leistung derzeit 30, Ziel 50 (Offshore 6,5 GW).

25 Milliarden Euro zahlen die deutschen Konsumenten im Jahr an Ökostromzuschlägen. „Man muss diese Belastung in Vergleich setzen“, sagt Uwe Leprich: „Nur 2,5 Prozent seines Budgets gibt ein Haushalt für Strom aus; das ist so viel wie fürs Handy.“

Milliardengrab Temelin

„Die EU-Kommission muss Beihilfen für neue Atomkraftwerke stoppen“, sagt Landesrat Rudi Anschober zum Umstand, dass neben Großbritannien auch Tschechien investieren will, die Meiler jedoch subventionieren müsste. Eine tschechische Studie (Candole & Partners) führt aus, dass die Blöcke 3 und 4 in Temelin auf 35 Jahre einen garantierten Abnahmepreis von 109 Euro je Megawattstunde bräuchten, das Dreifache des aktuellen Börsetarifs. „Eine Bankrotterklärung der Atomlobby“, sagt Anschober. Wettbewerbs-Kommissar Joaquin Almunia habe ihm am 6. Dezember mitgeteilt, über den Strommix entscheide das Mitgliedsland; seine Behörde werde aber Beihilfen prüfen.

 

 

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Artikel 12. Dezember 2013 - 00:04 Uhr
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