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Draghis Geldschwemme: Medikament mit einer Reihe von Nebenwirkungen

FRANKFURT. Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 2003, Renditen auf Staatsanleihen sinken weiter.

Geldscheine Euro Münzen

(Symbolbild) Bild: colourbox.com

So massiv hat die Europäische Zentralbank noch nie auf den Kapitalmärkten interveniert. Der Ankauf von Staatsanleihen und anderer Wertpapiere ist die – aus Sicht des EZB-Chefs Mario Draghi – wirksamste Medizin, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln und eine drohende Deflation zu verhindern. Es gibt aber eine Reihe von Nebenwirkungen, einige sind gewollt, einige nicht.

Schon allein die Ankündigung habe erste Erfolge gebracht, sagte Draghi am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Starttermins 9. März. So hätten sich etwa die Kreditbedingungen für Unternehmen und Verbraucher zuletzt verbessert. Auch die sich andeutende wirtschaftliche Erholung verbuchte Draghi zumindest teilweise auf dem Erfolgskonto seiner Geldpolitik.

Genau die ist das Ziel, und mit der wirtschaftlichen Erholung soll auch die Inflation wieder in die von der EZB gewollte Region von knapp unter zwei Prozent kommen.

Von den Nebenwirkungen spricht man in der EZB nicht so gerne. Das Ziel, den Euro zu drücken, um die Exporte zu steigern, gibt es offiziell nicht, weil der Außenwert der Gemeinschaftswährung nicht auf der Agenda der EZB steht. Erreicht wurde es trotzdem. Der Euro sank gegenüber dem US-Dollar gestern auf den tiefsten Stand seit 2003.

Die Geldschwemme lässt auch die Aktienmärkte von einem Rekord zum nächsten springen. Das zählt zu den unerwünschten Nebenwirkungen. Schließlich könnte sich daraus eine Kursblase entwickeln. Wenn die platzt, kann das wieder zu einer neuen Finanzkrise führen.

Am massivsten machen sich aber die Folgen dieser Geldpolitik bei den Kursen der Staatsanleihen bemerkbar. Durch die hohe Nachfrage nach diesen Schuldpapieren der Eurostaaten gehen hier die Kurse nach oben, entsprechend sinken die Renditen für die Käufer dieser Wertpapiere.

Für die Schuldner, also die Staaten, ist das ein Segen. Und davon profitieren vor allem auch die als stabil angesehenen Euroländer. Und dazu zählt nach wie vor Österreich. Erstmals hat die Bundesfinanzierungsagentur bei der Auktion einer Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren eine negative Rendite erzielt. Bei zehnjährigen Anleihen ist die Rendite auf knapp über 0,4 Prozent gesunken. Damit liegt Österreich nur noch knapp über den Renditen deutscher Staatsanleihen.

Die Ersparnis durch die niedrigen Zinsen hat der deutschen Regierung zu ihrem Budgetüberschuss im Vorjahr verholfen. Müsste Deutschland heute noch so hohe Zinsen zahlen wie etwa 2007, wären 42 Milliarden Euro zusätzlich fällig gewesen, hat die Deutsche Bundesbank errechnet. Damit wäre sich der knappe Budgetüberschuss von 18 Milliarden Euro nicht ausgegangen. In Österreich dürften die Auswirkungen ähnlich sein, genaue Zahlen darüber gibt es aber nicht. (hn)

 

Draghis Plan:



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Artikel 07. März 2015 - 00:04 Uhr
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