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"Die Breitband-Milliarde ist eine Wettbewerbsverzerrung"

LINZ. Interview: Der Chef des drittgrößten Handynetz-Betreibers "Drei", Jan Trionow, über die Benachteiligung von Mobilfunk, über Handymasten und Papierrechnungen.

"Die Breitband-Milliarde ist eine Wettbewerbsverzerrung"

Virtual-Reality-Angebote sind starke Datentreiber. Bild: APA

Man soll Österreich nicht noch einmal aufgraben, um Glasfaserkabel zu verlegen. Schnelles Internet könnten auch die Mobilfunker anbieten, sagt "Drei"-Chef Jan Trionow im Gespräch mit den OÖNachrichten.

 

OÖN: Der schleppende Ausbau des schnellen Internets in Österreich ist lähmend. Woran liegt es?

Jan Trionow: Bei der Diskussion um den Breitband-Ausbau wird leider vor lauter Glasfaser oft auf den Mobilfunk vergessen. Glasfaser ist vor allem als Anbindung von Knotenpunkten wichtig, aber nicht für jedes Haus, in jedem Tal. Wir als "Drei" haben den Ausbau des LTE-Mobilfunknetzes in Oberösterreich abgeschlossen und erreichen so mit einem extrem leistungsfähigen Netz 98 Prozent der Bevölkerung.

Doch die Bandbreite müssen sich die Nutzer im Mobilfunk teilen. Das ist ein Nachteil zur Glasfaser, der jetzt vielleicht noch egal ist, in ein paar Jahren aber wieder zum Flaschenhals wird.

Die Regulierungsbehörde hat in realen Nutzertests bei uns 47 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit gemessen. Das ist vier bis fünf Mal schneller als Kupfernetze und das schnellste Handynetz in Österreich. Also: Es gibt heute wirklich andere Möglichkeiten für Breitband-Ausbau als Erdleitungen. Es bringt doch nichts, Österreich noch einmal aufzugraben, außerdem ist es sehr teuer, in jeden Haushalt Glasfaser zu bringen. Es ist einfacher, die 6000 Mobilfunkstationen mit Glasfaser anzubinden, als zu 3,5 Millionen Haushalten Leitungen zu graben. 2020 rechnet man übrigens mit der Markteinführung des nächsten Mobilfunk-Standards 5G.

Wie effektiv ist die Breitband-Förderung des Staates?

Die Breitband-Milliarde ist eine Geldverteilung zum vermeintlichen Vorteil der Bevölkerung. Sie führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, weil die Milliarde primär an Festnetzbetreiber und da wieder primär an einen Player (A1 Telekom, Anm.) geht. Die Förder-Rahmenbedingungen gehen also wieder in Richtung Re-Monopolisierung. Es ist außerdem bedenklich, dass in den Breitband-Atlas (Basis für Fördergeld-Vergaben) nur die Festnetz-Internet-Versorgung miteinberechnet wurde, nicht die mobile. Das ist nicht technologieneutral.

Wie ist die Situation in Oberösterreich aus Ihrer Sicht?

Oberösterreich ist ein positives Beispiel für den Breitbandausbau, weil es hier verschiedene Anbieter gibt. Mit denen kooperieren wir.

Welche Anwendungen werden künftig große Bandbreiten in der Übertragung brauchen?

Heute sind das Videos, in Zukunft vor allem Virtual Reality und Cloud-Services. In ein paar Jahren wird es nicht mehr vorstellbar sein, dass man den Großteil der Daten auf dem eigenen Rechner speichert. Der größte Daten-erzeugende Trend ist das Internet der Dinge. Ein paar hundert Millionen Geräte werden überwiegend drahtlos weltweit miteinander verbunden sein.

Fast jeder Österreicher hat ein Handy. Sind die früher so üblichen Proteste gegen Handymasten eigentlich völlig abgeebbt?

In Einzelfällen gibt es noch Diskussionen, aber es werden ja kaum mehr neue Masten gebaut. Wir bekommen mehr Briefe, in denen sich Leute Masten wünschen als Briefe, die fordern, Masten nicht zu bauen.

Ihnen ist die verpflichtende Gratis-Papierrechnung für ihre Kunden seit jeher ein Dorn im Auge. Jetzt fordert die Post wieder ein Beibehalten der Regelung. Sehen Sie eine Chance auf Abschaffung der Vorschrift?

Wir bleiben dran an der Sache, der Ausgang ist offen. Es ist ein falscher Anreiz, den der Staat da setzt. Wir müssen uns fit machen für die Digitalisierung, und da setzt man mit der Papierrechnung den umgekehrten Schritt. Vor der Einführung der Vorschrift 2012 hatten wir einen Anteil von 90 Prozent elektronischer Rechnungen. Heute sind es 70 Prozent.

Wie weh tut Ihnen der neue Konkurrent Hofer Telekom?

Solche Anbieter haben noch mal mehr Dynamik in den Markt gebracht. Doch wir sind der schnellst wachsende Full-Service-Provider und haben 2015 rund 200.000 Kunden auf 3,8 Millionen dazugewonnen. Wir sind ein nachhaltig gesundes Unternehmen, die Profitabiliät ist zuletzt sehr gestiegen.

Das Bezahlen mit dem Handy kommt in Österreich nicht in die Gänge. Wieso?

Österreich ist da eher konservativ, ein langer Atem ist nötig. Doch 80 Prozent aller Bankomat-Terminals sind schon dafür mit der NFC-Technologie ausgerüstet. Die Akzeptanz wird kommen.

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Artikel Ulrike Rubasch 04. Juli 2016 - 00:05 Uhr
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