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Der Markt ist tot: Bauern vernichten 600 Tonnen Kraut, Äpfel verfaulen

EFERDING/LINZ. Russland-Krise macht Obst und Gemüse unverkäuflich – Selbst verschenken ist zu teuer.

Der Markt ist tot: Bauern vernichten 600 Tonnen Kraut, Äpfel verfaulen

Überangebot: Im Eferdinger Landl wird heuer vieles nicht geerntet, weil die Verluste ohne die hohen Erntekosten schon hoch genug sind. Bild: Weihbold

In den vergangenen Tagen haben die Gemüsebauern der Efko-Genossenschaft die Krauternte auf rund zehn Hektar Fläche eingehäckselt. Auch bei Äpfeln sind die Preise so schlecht, dass eine Ernte die Verluste der Landwirte nur noch erhöhen würde. Die Früchte verfaulen. "Wir geben sie der Natur zurück. Für den Boden ist das Dünger", sagt Walter Schiefermüller, der Obmann der Efko-Genossenschaft.

Das Kraut muss allerdings vor den Augen der Kontrollore der Agrarmarkt Austria (AMA) vernichtet werden, damit eine Teilnahme am Entschädigungsprogramm der EU möglich ist. Es soll das Überangebot am Markt reduziert und damit der Preisverfall gestoppt werden.

"Niemand braucht auf die Bauern neidisch zu sein, weil das ist nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein", sagt Schiefermüller. Die Entschädigungen werden erst im Sommer 2015 überwiesen, und sie werden sehr niedrig ausfallen. "Ich rechne vielleicht mit 100 bis 200 Euro je Hektar." Womöglich gebe es gar nichts, weil die EU die Aktion am Donnerstag überraschend gestoppt hat – aus Polen waren viel zu hohe Mengen gemeldet worden. Das große EU-Land ist Hauptopfer der russischen Importverbote.

Verursacht hat die Krise einerseits die witterungsbedingt gute Ernte, andererseits die Importsperre Russlands. Auf dem EU-Markt stauen sich riesige Mengen. Unsere Bauern müssen sich immer wieder Kritik anhören, wieso die Ernte nicht für soziale Zwecke gespendet wird. "Wir geben immer wieder etwas an soziale Einrichtungen", sagt Schiefermüller. Im aktuellen Fall sei das aus mehreren Gründen nicht möglich.

15 Cent Verlust pro Kilo Apfel

Um den Verlust nicht noch weiter steigen zu lassen, können nicht auch noch Erntekosten getragen werden. "Bei Kraut ist eine Handernte nötig, die macht 50 Prozent der gesamten Produktionskosten aus", so der Efko-Obmann. Betriebsfremde Personen ernten zu lassen, sei aus Haftungsgründen problematisch. Die Logistik sei finanziell und organisatorisch nicht darstellbar, weil es sich um riesige Mengen handle. Auf einem Hektar gedeihen rund 60.000 Kilo Kraut.

Rasch vernichtet werden muss die Ernte, weil sonst der Boden belastet würde und sich Krankheiten entwickeln könnten. Kraut ist im oberösterreichischen Gemüsebau eine sehr wirkliche Kultur. Es wird auf rund 300 Hektar produziert, davon 140 Hektar für Sauerkraut. Rund 40 Bauern sind hier aktiv.

In Obstkulturen können Äpfel aber am Boden liegenbleiben, weil sie wie Dünger wirken. Der Markt ist tot. Die Industrie zahlt für Säfte, Marmeladen etc. nur vier Cent pro Kilogramm – zugestellt. "Nur die Erntekosten machen sieben bis acht Cent aus", sagt Schiefermüller. Daher werde heuer auf einem Teil der Plantagen nicht geerntet.

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Artikel Josef Lehner 13. September 2014 - 00:05 Uhr
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